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Nachts lesen die Ratten doch (Mi, 23 Mai 2018)
von Ulrich Siebgeber Es gibt sie wieder, die Hüterinnen. Das gute Buch, das sie vor ein paar Jahren zu Tode pflegten, indem sie bedächtig über die Seiten strichen und hauchten, das sei noch Lesen und dieses elektronische Dingsda sei die Pest, – das gute Stück ist ihren Händen entglitten und verdämmert unerhört in den Regalen an ihrem Beruf verzweifelnder Buchhändler. Wer heute an sonnigen Tagen die Parks durchschlendert, eine frisch erworbene Zeitung in der Hand oder eines dieser Hochglanzprodukte, deren Sponsoren gern im Hintergrund... Weiterlesen ...
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»Immer feste druff«. Die Tagebücher des Leutnants Forstner (Mi, 16 Mai 2018)
Erzählung von Katharina Kellmann 1913 löste die Zabernaffäre eine innenpolitische Krise im Kaiserreich aus. In der elsässischen Garnisonsstadt Zabern hatte ein deutscher Offizier, Leutnant Günter Freiherr von Forstner, einheimische Rekruten mit dem Schimpfwort »Wackes« bedacht. Dieses Wort – im Dienstgebrauch verboten – galt im Elsass als Beleidigung. Einige Rekruten informierten die Presse und wurden prompt bestraft. Herr von Forstner erhielt wenige Tage Stubenarrest, um die öffentliche Erregung zu dämpfen. Weiterlesen ...
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Wenn’s der Rechtsauffassung dient. Sarrazin und der Iran-Deal (Di, 15 Mai 2018)
von Ulrich Siebgeber Überlasse den Staat den Narren und hoffe auf pünktliche Pensionsauszahlungen: so scheint die Devise zu lauten, nach der Professoren, einem sinnentleerten ›Rassismus‹-Geschrei vorauseilenden Gehorsam zollend, sich ins Schneckenhaus der politischen Sprachlosigkeit zurückziehen – oder, noch bequemer, entgegen ihren innersten Überzeugungen mit den … nun, nicht mit den Wölfen heulen, sondern mit den Schafen ... Weiterlesen ...
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Ach, dieser Trump! (Mo, 14 Mai 2018)
Ach, dieser Trump! Die Liste der Wörter, die ihn zutreffend beschreiben können, ist längst erschöpft. Bis auf dieses vielleicht: Der hemmungslose Wilhelm II. wurde seinerzeit von den Engländern als »fabulous monster« beschrieben. Aber die zum Ritual gewordene Beschimpfung führt auch nicht weiter. Für uns bleibt die Erkenntnis: Wir müssen irgendwie mit ihm klarkommen. denn wir sind weiterhin auf die USA angewiesen. Sogar noch mehr. Wir müssen vermeiden, dass wegen Trumps der hiesige emotionale Anti-Amerikanismus wächst. Und wir dürfen nicht in die Lage kommen, uns mit Russland und China gegen ihn zu verbünden. Schließlich: Auch ein Trump kann mal recht haben, zumindest im Prinzip, wenn auch nicht in der Methode. Weiterlesen ...
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Was wir den Migranten schulden und was nicht (Mi, 09 Mai 2018)
von Richard Schröder Die Flüchtlingsfrage spaltet Deutschland, sie spaltet Europa. Während die einen mit hohem persönlichen Engagement eine Willkommenskultur pflegen, die jeden, der kommt, willkommen heißen möchte, sehen andere im Flüchtlingsstrom vom Herbst und Winter 2015/16 ein Staatsversagen. Sie befürchten Überfremdung. Dem entgegnet die andere Seite mit dem Vorwurf der Fremdenfeindlichkeit oder des Rassismus oder gar des Faschismus. Darauf reagieren die Demonstranten von Pegida mit den kontaminierten Ausdrücken ›Volkverräter‹, bezogen auf die Regierenden, und ›Lügenpresse‹. Weiterlesen ...
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Das Ende des monarchischen Obrigkeitsstaates in Deutschland (Mo, 07 Mai 2018)
von Peter Brandt Die deutsche Revolution von 1918/19 war alles drei zugleich: Endpunkt jahrzehntelanger Liberalisierungs- und Demokratisierungsbestrebungen, spontane Volkserhebung zur Beendigung des faktisch schon verlorenen Krieges und sozialdemokratisch geprägte Klassenbewegung mit antikapitalistischer Tendenz. Die Verschränkung liberal-demokratischer, antimilitaristischer und proletarisch-sozialistischer Komponenten in der Revolution ergab sich aus dem Charakter des Kaiserreichs von 1871 und der Doppelrolle der sozialdemokratischen Bewegung in ihr als Organisation der klassenbewussten Arbeiter wie als einzige starke Kraft, die ohne Einschränkung für die politische Demokratisierung des Deutschen Reiches, einer konstitutionellen Monarchie mit starken autoritären Elementen, eintrat. Weiterlesen ...
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Heimat (Mo, 07 Mai 2018)
von Richard Schröder Das Wort Heimat hat auch eine Missbrauchsgeschichte hinter sich. Die Vertriebenenverbände haben seinerzeit ein ›Recht auf Heimat‹ eingefordert, das ihnen die Rückkehr in die ehemals deutschen Ostgebiete garantieren sollte. Aber ein derartiges Recht gibt es weder als Grundrecht noch als Menschenrecht. Unter Rechtsextremen kursiert die These, die Heimat müsse vor Überfremdung geschützt und deshalb dürften keine Fremden ins Land gelassen werden. Sich fremd im eigenen Land fühlen, diese Art von Überfremdung wird zu Recht gefürchtet. Daraus folgt aber nur, dass Zuwanderung reguliert, nicht dass sie strikt verboten werden müsse. Weiterlesen ...
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Erklärung, Gegenerklärung, Begriffsklärungen (So, 06 Mai 2018)
von Herbert Ammon Den vorerst letzten Kommentar zu der von der großkoalitionären Regierung Merkel – oppositionsfrei – betriebenen ›Flüchtlingspolitik‹ lieferten unlängst die Ereignisse in der württembergischen Kleinstadt Ellwangen. Polizisten, die einen ausreisepflichtigen jungen Mann aus Togo aus der in ein ›Flüchtlingsheim‹ verwandelten Bundeswehrkaserne abholen wollten, kapitulierten vor der gewaltbereiten Übermacht von ca. 150–200 Afrikanern, die auf ihre Weise Solidarität mit dem an deutschen Behörden gescheiterten ›Asylbewerber‹ praktizierten. Weiterlesen ...
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Wahrnehmung und Wahrheit (Sa, 05 Mai 2018)
Von kosmopolitischen Eliten und der Heimatlosigkeit des Kleinbürgers von Andreas Kalckhoff Der Streit um die Einwanderung wächst sich scheinbar zu einem Kulturkampf aus. Nicht staatstreue Protestanten und romgläubige Katholiken wie zu Bismarcks Zeiten sind diesmal die Protagonisten, sondern eine kosmopolitische Elite und heimatlos gewordene Kleinbürger. So sieht es jedenfalls die Darmstädter Soziologin Cornelia Koppetsch im SPIEGEL 16/ 2018. Sie verwendet den Begriff Kulturkampf nicht, aber was sie beschreibt, hört sich genau so an. Dabei wirft sie den Eliten – ›Professoren, Journalisten und Pädagogen‹ – ein starres Weltbild vor, das ›im Namen einer höheren Moral‹ alles verachtet, was nicht hineinpasst. Das muss diskutiert werden. Weiterlesen ...
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Bin ich mit Blindheit geschlagen? Die Erklärung 2018 und ihre Feinde (Do, 03 Mai 2018)
von Richard Schröder Der Kreisverband Cuxhafen von Bündnis 90/Die Grünen hat soeben eine vorgesehene Preisverleihung an Henryk M. Broder verurteilt, »weil dieser sich als Erstunterzeichner einer Erklärung gegen die Aufnahme von Flüchtlingen aussprach, indem er Vorurteile aufnahm und die Situation im Inneren Deutschlands als vollkommen unsicher darstellte.« Rassistisch begründete menschenverachtende Äußerungen seien das. Im Tagesspiegel las man, die Unterzeichner dieser Erklärung seien besorgniserregende Bürger und Trolle mit prekären Identitäten aus einem zerfallenden Milieu. Weiterlesen ...
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Bremer Kenntlichkeit (Fr, 27 Apr 2018)
von Ulrich Siebgeber  Manchmal genügt es nicht zu schreiben – man muss zitieren. Als einen solchen Fall sehe ich die nachfolgende Passage aus dem jüngsten Blogeintrag Herbert Ammons an. Der Grund dafür erschließt sich dem Lesenden rasch: Wer von der schreibenden Zunft dieses Landes seit Wochen so diffamiert, verhöhnt und beleidigt wird wie die Unterzeichner der Gemeinsamen Erklärung 2018, der hat auch das Recht, dort das Wort erteilt zu bekommen, wo die Verhältnisse selbst zu erklären beginnen, ›wie es ist‹, oder, wie es im Jargon einer mittlerweile auf dem Altenteil angekommenen Generation hieß, sich zur Kenntlichkeit herablassen... Weiterlesen ...
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Die Sanktionen gegen Putin und die hilfreichen Folgen für Russland (So, 22 Apr 2018)
von Herbert Ammon I. Dass Russland, in den 1990er Jahren im Chaos versunken, unter Wladimir Putin wieder in seine Rolle als Großmacht, genauer: als mit allerlei dirty tricks operierender global player zurückgekehrt ist, steht außer Zweifel. Als erstes kommen dabei – außer dem vergessenen Tschetschenienkrieg – der – vom damaligen georgischen Präsidenten Saakaschwili ausgelöste – Krieg gegen Georgien 2008, der seit vier Jahren andauernde Krieg in der östlichen Ukraine sowie die Annexion der Krim (2014) in den Sinn. Weiterlesen ...
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Zum Tode von Reinhard Rürup (Do, 19 Apr 2018)
Am 6. April 2018 starb der Historiker Reinhard Rürup. Aus diesem Anlass veröffentlichen wir – anstelle eines Nachrufs – die folgende persönlich gehaltene Rede unseres Herausgebers Peter Brandt. Festansprache anlässlich des 80. Geburtstages von Reinhard Rürup am 29. Mai 2014 im Lichthof der Technischen Universität Berlin Verehrte Frau Rürup, verehrter Herr Rürup, geschätzte Familienangehörige und Freunde, liebe Kolleginnen und Kollegen, meine Damen und Herren! Dass gerade ich heute hier stehe, ist wohl nicht zufällig. Reinhard Rürup ist mein Lehrmeister nicht nur während eines Wegabschnitts meiner akademischen Laufbahn gewesen, wie es für etliche der Anwesenden gilt, sondern mein Lehrer über eine lange Strecke. Sein erstes Semester als Dozent an der Freien Universität Berlin, damals noch Wissenschaftlicher Oberassistent, im Sommersemester 1968 war mein erstes Studiensemester. Weiterlesen ...
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Ein Ministerium für die Heimat oder Politik mit dem Herzen (Sa, 14 Apr 2018)
von Katharina Kellmann Nun haben wir ein Bundesministerium des Innern, für Bau und Heimat. Ein Innenministerium ist ein klassisches Ressort und bedarf keiner Begründung. Über Jahrzehnte hinweg gab es ein Bundesministerium für Wohnungsbau. Jetzt zählt auch die Heimat zu den Politikfeldern, mit denen sich eine Bundesregierung beschäftigt. Weiterlesen ...
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Der ikarische Freund. Wissenschaft als Desinformation (Mo, 09 Apr 2018)
By The Photographer - Own work, Public Domain, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=37806971 Ich lehne ab, du lehnst ab, wir ihr sie lehnen ab – das sagt sich leicht. Da der Akt des Aussprechens sie bereits enthält, macht sich nichts leichter als Ablehnung. Eine Tür, gerade noch angelehnt, hat sich geschlossen, vergebens drückt, wer’s nicht glauben möchte, die Klinke: Kein Durchgang. Es ist vorbei. Ablehnung entspricht einem menschlichen Grundbedürfnis. Nur welchem? Nicht unbedingt dem Wunsch, in Ruhe gelassen zu werden – darum geht’s nicht, allenfalls in den seltensten Fällen. Worum es dann geht? Wer ablehnt, baut Kompetenz auf: das klingt kurios, kommt aber der Wahrheit so nahe wie irgend möglich, bevor sie auffliegt und der Vogel im Unerreichbaren schwebt. Weiterlesen ...
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Katholische Versuchung: Genug ist nicht genug (Di, 03 Apr 2018)
Last Supper. By Wojtek Mejor (last supper) [CC BY-SA 2.0 (https://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0)], via Wikimedia Commons von Ulrich Schödlbauer Kardinal ist wohl, wer hin und wieder einen kardinalen Satz auszusprechen wagt. Ein solcher Satz des Münchner Kardinals und Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz, Reinhard Marx, wird – wenn er ihn denn gesagt hat – im kulturellen Gedächtnis haften bleiben: Da könnte man auch fragen, ob der Atheismus zu Deutschland gehört. In diesen Tagen, in denen sich die Deutschen alles Mögliche anhören müssen, kommt der Satz wie gerufen, weil er einen Wendepunkt in der Geschichte der Konfessionen in Deutschland (und im ›christlichen Abendland‹ insgesamt) in Erinnerung bringt… Weiterlesen ...
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Verdammt in alle Ewigkeit? (Sa, 31 Mär 2018)
  Eine exemplarische Polemik von Peter Brandt Die letzten judenfeindlichen Vorfälle bei Anti-Israel- und Anti-USA-Demonstrationen vorwiegend arabischer und türkischer Muslime und etliche Vorfälle an Schulen haben in der Politik und in den Medien eine breite, sorgenvolle Resonanz gefunden – zu Recht. Wie bei solchen Anlässen üblich, wird dann legitime Kritik an der jahrzehntelangen Unterdrückung der arabischen Palästinenser durch den Staat Israel oder auch nur an einzelnen Aktionen der israelischen Staatsführung als ›eigentlich‹ oder ›versteckt‹ antisemitisch charakterisiert. Aus der zutreffenden Feststellung, dass sich Antisemitismus heutzutage nicht selten als Antizionismus tarne, wird dann schnell der abwegige Umkehrschluss, dass es sich bei jeder mehr als kosmetischen Kritik an Israel – wobei das Existenzrecht Israels selbstverständlich von jeder Kritik ausgenommen bleibt – um Antisemitismus handeln müsse. Ein solches Etikett wird inzwischen gern auch einer ablehnenden Haltung gegenüber dem internationalen Finanzkapital, wenn nicht dem Antikapitalismus überhaupt angeheftet. Da kann man sich manchmal schon fragen, welche Stereotypen in den Köpfen vieler ›Freunde Israels‹ schlummern… Weiterlesen ...
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