James Cook (Mercedes) versus Florida/Sven Hedin (VW)

Der James Cook und der Florida bzw. der Sven Hedin (die nicht von Westfalia gebaute Version) waren quasi die Urversionen der fernreisetauglichen Kastenaus-bauten, die bis heute in unzäh-ligen Varianten gebaut werden. Ihnen entnahmen wir zahlreiche Anregungen für unseren Berg-löwen, der uns über 20 Jahre und fast 200.000 km begleiten sollte.

Der James Cook auf Basis Mercedes Benz T1 Transporter beinhaltete ein langlebiges Fahrzeug, welches in der 5-Zylinder Dieselvariante 95 PS/70 KW auf die Räder brachte und je nach Getriebeübersetzung eine Höchstgeschwindigkeit von 110km/h bis 130km/h aufwies. Er bot ein relativ gutes Verhältnis zwischen Fahrzeug- und Wohnraummaßen:

Fahrzeug:

5235x1975x2997 mm (LxBxH)

Ausbaufähiger Wohnraum:

3300x1675x2450 mm (LxBxH)

Ausbaufähiger Schlafraum (im Hochdach):

3900x1500x1000 mm (LxBxH)

Die bewährte Technik des MB 310 D bot ausreichend Leistung, um die 3200 kg Gesamtgewicht flüssig im Verkehr zu halten und mit einem Durchschnittsverbrauch von ca. 11 l/100km für damalige Verhältnisse (in den 1980er Jahren) doch relativ sparsam unterwegs zu sein. Mit seinen je 70 l Frisch- und Abwasser und einem 8kg-Gastank - dazu 50 l Kompressorkühlschrank und Nasszelle mit Boiler und Truma-Standheizung - eignete er sich auch für größere Reisen in weniger bewohnt Gegenden. Bei sparsamer Lebensweise konnte man durchaus 2 Wochen autark stehen. Durch viele sog. Kältebrücken (Stellen, an denen kalte Luft oder Kälte nicht abgeschirmt bzw. isoliert werden kann) bedingt, eignet er sich - ebenso wie der Florida - nur bedingt für Wintercamping oder freies Stehen am Skilift.

Im Gegensatz zu seinem Konkurrenten war er von der äußeren Form etwas windschnittiger, was einen geringeren Verbrauch nach sich zog. Der graue Innenausbau war sehr ähnlich dem des VW-Florida (beide wurden von der Firma Westfalia ausgebaut) und diente uns nur als Anregung, da wir einen Vollholzausbau anvisierten.

 


Der Florida ebenso wie der Sven Hedin - sie sind nahezu baugleich - basierte auf dem weit verbreiteten VW LT31-Transporter, dessen 6-Zylinder Turbo-Dieselmotor 92 PS/68 KW auf die Räder brachte. Dies sorgte für eine Höchstgeschwindigkeit von ca. 120km/h bei einem etwas höheren Kraftstoffverbrauch als der James Cook, der vor allem durch den höhe-ren CW-Wert bestimmt wurde. Wie bei allen Wohnmobilen musste auch hier innere Geräumigkeit und Gradwandig-keit mit Fahrleistungseinbußen  o.ä. bezahlt werden.

Auf der anderen Seite konnte sein Verhältnis von Fahrzeugmaße und Wohnraum dank der quaderförmigen Kastenform als sensationell gut bezeichnet werden. Im Grund war er von seinen Ausbaufähigkeiten her betrachtet der Vorläufer für die rechtwinkligen Gfk-Wohnmobile:

Fahrzeug:

5020x2040x3200 mmm (LxBxH)

Ausbaufähiger Wohnraum (unten):

3050x1800x2600 mm (LxBxH)

Ausbaufähiger Schlafraum (im Hochdach):

3800x1700x1100 mm (LxBxH)

Damit war der Wohnraum zwar etwas kürzer als beim James Cook, dafür aber breiter, was für allem für die Hochdachbetten (1,70m im Vergleich zu 1,50m beim James Cook) eine nicht unwesentliche Rolle spielte.

Voll beladen kam der Florida auf 3500 kg und brauchte dann im Schnitt ca. 13 l Diesel. Der Motor war vor allem im unteren Drehzahlbereich durchzugsstärker und insgesamt auch drehfreudiger, aber seine Laufleistung kam bei weitem nicht an die des Mercedes heran.

Ausgestattet war der Florida mit den gleichen Ausstattungsmerkmalen wie der James Cook (siehe oben), nur dass die Nasszelle, der Frischwassertank (100 l) und die Sitzgruppe etwas größer waren. Auch mit dem Florida konnte man mind. 2 Wochen in der Pampa stehen bzw. durch kaum bewohnte Gegenden fahren, vor allem, da er eine große Dachzulade-möglichkeit besonders für sperrige Reiseutensilien über dem Heck bot. Insgesamt war der Innenausbau den beschriebenen Maßen entsprechend etwas kürzer, hatte aber durch die größere Breite ein etwas tieferes Schrankvolumen, eine größere Nasszelle und eine breitere Sitzgruppe. D.h. als Familienmobil für bis zu vier Reisenden - zwei davon schliefen auf der umgeklappten Sitzgruppe - war der Florida besser geeignet als der James Cook.

Die Entscheidung:

 

Es war keine Frage - vom Ausbau bzw. der Ausbaufähigkeit konnte der James Cook auf MB 310 D dem Florida/Sven Hedin auf VW LT31 wegen dessen geradelinigem Kasten nicht das Wasser reichen. Auf einer Stehhöhe von ca. 1,8 m wies der geradwandigere LT 31 einen Breitenvorsprung von ca. 20cm auf, ein nicht zu unterschätzender Vorteil in der Frage der Schlafqualität wie der Schrankkapazität. Dies machte auch die größere Ausbaulänge des James Cook nicht vollständig wett. Aber der Ausbau sollte bei unserem Berglöwen im Detail dann doch viel aufwändiger sein (siehe dort), weshalb uns dieser Aspekt letztlich zweitrangig erschien. Was zählte, vor allem bei dem relativ teuren Wohnmobilausbau eines Kastenwagens, war die Langlebigkeit und Robustheit des Basisfahrzeugs und da konnte der VW mit dem Mercedes - weder was die Karosserie noch was den Motor betraf - mithalten. Bei der unter Wohnmobilisten nachgewiesenen Laufleistung übertraf der der MB 310 D den VW LT31 um fast das Dreifache. Das gab letztendlich den Ausschlag für den Mercedes als Basisfahrzeug, vor allem, weil der wesentlich edlere und wertvollere Ausbau im Vergleich zu den von Westfalia ausgebauten James Cook bzw. Florida/Sven Hedin die Lebensdauer des Wohnmobils doch auf mind. 30 Jahre bei einer Laufleistung von mind. 500.000 km bringen musste (500.000 km war die von Mercedes anvisierte minimale Leistung als kommerzieller Transporter im Vergleich zu 150.000 beim VW LT).