Religionsfundamentalismus am Beispiel der Neuapostolischen Kirche

lt dieser Unterseite (mit Aktualisierungsdatum)

 

Teil 1    Ein Aufriss der Problemfelder in der NAK

  1. Einleitung und NAK-kritische Webseiten (9. Okt. 19)
  2. Persönliche Gründe (pdf-Dokument - Jan. 19)
  3. Worum es geht (3.8/3.10 und Schluss - 03. Okt. 19)
  4. Neues Amtsverständnis (dieser Beitrag ist in den Teil 2 verschoben worden)
  5. Interner Widerstand scheitert ... (Juli 19)
  6. ... am Glaubenssyndrom (Aug. 19)
  7. Spirituelle Manipulation ... (Juli 19)
  8. ... am Beispiel eschatologischer Gratwanderung (Juli 19)
  9. Finanzielle Manipulation (Aug. 19)
  10. Ökumenische Manipulation (6. Sept. 19)
  11. Versteckte Manipulationen am Beispiel des IJT 2019 (Juli 19)
  12. Fazit: Der eigentliche Kern allen Übels (Juli 19)

Diese 12 Artikel werden ständig erweitert bzw. an den aktuellen Stand der NAK-Lehre angepasst. 

 

Teil 2    Theologische/religionswissenschaftliche Aufsätze

  1. Scheinreform Amtsverständnis (aktualisiert am 3. Aug. 2019)
  2. Neue Auferstehungsordnung (Mai 19)
  3. Eschatologische Realsatire (März 19)
  4. Ethischer Haken neuapostolischer Eschatologie (März 19)
  5. Exklusivismus versus Exklusivität (Juni 18)
  6. Neuapostolische Apostolizität (Okt. 16)
  7. Ursachenforschung Glaubenskrise (Okt. 16)
  8. Ökumenisches Reinheitssiegel - Teil III (Sept. 16)
  9. Ökumenisches Reinheitssiegel - Teil II (Juli 16)
  10. Ökumenisches Reinheitssiegel - Teil I (Juni 16)
  11. Fragen zum neuapostolische Ökumeneverständnis (April 15)
  12. EZW-Einschätzung neuapostolischer Ökumenefähigkeit kommentiert (März 14)
  13. Aufarbeitung von Unrecht (März 14)
  14. Neuapostolischer Nichtangriffspakt (Dez. 14)
  15. Zwischen Botschaftsaufarbeitung und ACK-Beitritt (Nov. 13)
  16. Kommentar zur EZW-Einschätzung der NAK (März 14)
  17. Leber-Stellungnahme Bischoff-Botschaft (Juni 13)
  18. Die Verteidigung der Botschaft (Dez. 07)
  19. NAK-Katechismus (Mai 13)
  20. Aus Gnaden erwählt ...? (Sept. 12)
  21. Christliche Exklusivismen (Dez. 10)
  22. Beansprucht oder Beauftragt ...? (Okt. 09)
  23. Neuapostolische Heilsverständnisse (Nov. 07)
  24. Die Geburtsstunde der NAK (Sept. 13)
  25. Auswahl an Kommentaren auf anderen Webseiten


Teil 1: Ein Aufriss der Problemfelder in der NAK

1. Kritische Seiten mit ähnlicher Zielorientierung

Sowohl psychologisch als auch theologisch fundierte und äußerst transparente Aus-stiegshilfen für alle, die am System NAK oder an einzelnen Menschen zu scheitern drohen bzw. gescheitert sind. Eine beacht-liche Sammlung und schlüssige Interpreta-tion an und von historischem wie aktuel-len Beweismaterial, warum das System NAK nicht, oder bestenfalls begrenzt, hilfreich sein kann, und vor allem, warum sich nicht wirklich etwas ändert.

Ein Webmagazin, das Klartext spricht und schreibt - ohne Wenn und Aber. Nichts für pietistisch sozialisierte Gemüter und ge-wöhnungsbedürftig für religiös orientierte Vorstellungen, die Glauben zur Tugend hochstilisieren.

Dafür aber  eine Seite, die sich nicht ver-biegen lässt in der durchaus spannenden und ebenso grundsätzlichen Frage nach der Sinnfälligkeit von Religion und tradier-ten Denk- und Glaubensmustern.

Wer die 'andere' Seite der NAK hautnah und unverstellt kennenlernen will und auch nach hausintern nachvollziehbarem Material sucht in der Frage, was in seiner Kirche schief läuft, der wird hier fündig mit bestechend aufschlussreichem Material, das kein neuapostolisches Fettnäpfchen in der Wahrheitsfrage auslässt, vor keinem Redeverbot zurückschreckt und - beson-ders wichtig - Aufrichtigkeit und Wahr-haftigkeit einfordert.


 

Ein Kritikerverbund und die Wahrheitsfrage    

Trotz der Tatsache unterschiedlicher, ja teilweise gegensätzlicher weltanschaulicher Grundlagen und Perspektiven - die von atheistischen/anti-religiösen bis zu christlichen/jesuanischen Vorstellungen rei-chen -, haben wir NAK-Kritiker uns entschlossen, unsere Webseiten gegenseitig zu verlinken. Dies hat primär folgenden Grund: Wir wollen zeigen, dass vernünftige und geistig freie Menschen trotz teilweise unterschiedlichster Weltanschauungen und Lebensorientierungen in der Lage sind, gemeinsam auf der Grundlage von Gerechtigkeit und Vernunft gegen Unrecht, Irrtum und Lügen aufzustehen und diese ganz im paulinischen Sinn als solche öffentlich zu machen. Denn unabhängig unserer Weltan-schauungen sind wir uns einig, dass es heute notwendiger ist denn je, dafür Sorge zu tragen, dass die Werke der Finsternis - was immer das sein mag und wo auch immer sie auftreten - aufgedeckt und im Licht der Wahrheit und damit Erkenntnis für alle als solche kenntlich gemacht werden müssen (Epheser 5,10-13). Dabei sei selbstkritisch vermerkt: Sicherlich haben auch wir als kritische Stimmen nicht der Weisheit letzten Schluss gepachtet oder die ultimative Wahrheit - die es für begrenzte Menschen gar nicht geben kann - im Gepäck.

Dies betrifft vor allem jene alltägliche Form der Wahrheit, mit der wir als Menschen umzugehen lernen müssen, nämlich zwischen „wahr“ und „falsch“ unterscheiden zu können. Sie ist die Vorbedingung einer auf Veränderung zielenden Kritik. In diesem Sinn ist Wahrheit nichts anderes als der Inbegriff der Negation dessen, was falsch ist. Naturgemäß sind wir Menschen uns in all unserer Unterschiedlichkeit bezügl. der Frage von wahr oder falsch verständlicherweise nicht immer einig, ebenso wenig in der Frage, was das Richtigsein als Näherungsform zur Wahrheit letztlich ausmacht und wie sie im Einzelfall einzufordern bzw. verständlich zu machen wäre. Vor dem Hintergrund der grundsätzlichen und unabdingbaren Notwendigkeit des Aufmerksammachens auf Fehler, Missstände, Irrtümer und Lügen usw., ist dieses Detailproblem aber eher vernachlässigbar.

Das ist allerdings erst der erste Schritt, denn aus dieser Unterscheidung zwischen wahr und falsch leitet sich letztlich auch das biblische Geisterunterscheidungsvermögen ab, von dem die Evangelien sprechen. Hier geht es nicht primär um die Wahr-Falsch-Unterscheidung im eher banalen Alltag, sondern bezügl. geistiger Strömungen und Machtinteressen. Wie die alltäglichen Unterscheidungen zwischen richtig und falsch braucht aber auch die Geisterunterscheidung jenen objektivierbaren Grad-messer, jenes nachweisbare Ausschlusskriterium für Unwahrheit und Lüge, um überhaupt eine Weichenstellung in Richtung göttlicher Wahrheit treffen zu können. Ganz offensichtlich muss dieser Gradmesser für die Wahrheit bzw. dieses Ausschlusskriterium für Irrtum und Lüge an Kenntnisse und Erkenntnisse gebunden sein. Erkenntnisse, die ständig weiter entwickelt werden wollen, wodurch sich auch die Grenzen für die Wahrheit immer weiter nach hinten verschieben und so in immer höhere Formen von Wahrheit übergehen. Da nun alleine dieser zunehmende Erkenntnisprozess in der Lage ist, die Menschen zu befreien, geht es uns primär darum, dass das Ziel jeglicher Diskussion und jedweder theologischen oder kirchenpolitischen Argumentation immer nur die größt- bzw. bestmög-liche Nähe zur jeweils erreichbaren objektiven Wahrheit sein kann. Nur sie kann uns befreien von den Zwängen von Bevormundung, Fremdsteuerung, Untertanentum, Knechtschaft, Unrecht und jeglicher Art von Irrtum.

Wenn nun Jesus davon sprach, dass er die Wahrheit verkörpere und später, wenn er nicht mehr bei den Seinen sein würde, ihnen den Geist der Wahrheit schicken würde, zeigte er damit gleichzeitig ein wichtiges Kriterium für die Wahrheit auf: Es ist die größtmögliche Unabhängigkeit von irdischen Bedürfnissen, die im Extremfall zu kaum mehr zu über-windenden Zwängen werden können. Nicht von ungefähr gilt die Volksweisheit, dass wahres Glück in der seelischen und geistigen Zufriedenheit liege; jener Zufriedenheit, die gegenüber den Angeboten von Macht, Luxus, Status, und all den zahllosen Selbstdarstellungs- und -verwirklichungszwängen etc. immun ist. Und nicht zufällig ist ein Auswahl-kriterium von Sicherheitsbeamten im (Anti-)Spionagebereich die größtmögliche persönliche Unab-hängigkeit, weil nur sie verhindern kann, dass solch ein Mensch irgendwelchen verlockenden Ange-boten oder anderen Bestechungsversuchen erliegen und so Geheimnisse preisgeben würde.

So ist es auch mit der Wahrheit. Ihre Unabhängigkeit von Inhalten - welcher Art auch immer - macht sie unangreifbar und erhält ihr die Objektivität. Sie ist unabhängig von Interessen oder Bedürfnissen und alleine der Objektivität verpflichtet. Im Bereich der menschlichen Erkenntnis sprechen wir von der Logik. Sie ist als formale Wissenschaft unabhängig von Inhalten und deren Interpretation. Sie ist unab-hängig von zeitgeistigen Erscheinungen oder religiösen Dogmen. Nicht zuletzt deshalb konnte Jesus seine religionslegalistischen Zeitgenossen immer und immer wieder der Unwahrheit überführen, weil der göttliche Geist der Wahrheit in ihm auch ein Geist der Logik ist und damit über den politischen oder religiösen Bedingungen und heute über jeder politischen Korrektheit steht.

Freilich, sie hat auch ihren Preis und der kann im Extremfall sogar das irdische Leben, zumindest jedoch amtlichen Status und kirchliche Macht kosten. Dazu ist naturgemäß nicht jeder bereit und das ist, wenigstens zum Teil, auch verständlich. Aber darin liegt auch eine große Gefahr. In der Rezension zu Stefan Heyms Parabelbuch "Der König David Bericht" riet der systemkritische DDR-Schriftsteller oppositionellen Querdenkern indirekt dazu, lieber zu schweigen, den Mund zu halten, genauer gesagt zur Diskretion, um in der Diktatur überleben zu können: "Diskretion ist Wahrheit, gezügelt durch Weisheit." Doch eine wachsende, wenn auch kaum organisierte DDR-Opposition machte sich von derart weiser Diskretion frei.

Diese Form des diskreten Verschweigens und nötigenfalls auch Verbiegens von Wahrheit hat sowohl mit Unmündigkeit als auch mit geistiger Unselbstständigkeit (= Abhängigkeit) zu tun und ist leider meist die Vorstufe zum Verschweigen von Unrecht und Missbrauch. Wie zu zeigen sein wird, gibt es sie auch und gerade in der neuapostolischen Kirche. Man will nicht anecken oder die Harmonie der heimeligen Familienatmosphäre stören. Der EZW-Leiter, Dr. Hemminger, beschrieb seine diesbezüglich vielfältigen Erfahrungen mit der neuapostolischen Kirche so: "Einerseits ist ein übersteigerter Konformitätsdruck vorhanden, ein großes Harmoniebedürfnis, andererseits eine unterschwellige Angst, diese Harmonie könnte verloren gehen. [...] Dort schien nie jemand andere Ansichten zu haben, als sie offiziell vorgege-ben waren." 

Der Grund ist klar: Man will auf gar keinen Fall ein undankbarer Nestbeschmutzer sein, der seine Familienmitglieder hintergeht oder gar seine 'Segensträger', die ihn beschützten und ihm geholfen haben, verrät. Man würde sich dabei - und das ist auch sektentypisch - nicht nur schäbig und undank-bar vorkommen, sondern man würde Verrat am Glauben und letztlich an Gott selber begehen. Genau dies sind die typischen Gemütsmarker, mit denen fundamentalistische Systeme rechnen und die sie - egal ob Volksgemeinschaft oder Kirchengemeinde - gegenüber kritischen Seelen in Stellung bringen. So wichtig diese Form von (positiv ausgedrückt) 'Diplomatie' oder (negativ ausgedrückt) 'Indoktrination' im politischen Rahmen auch sein mag, so wenig hat sie zu suchen in Formen von Religion und Religiosität, wo es um Wahrheit und Wahrhaftigkeit geht, weil nur sie das Vertrauen in Gott wie in Kirche tragen kann.

Dabei geht es zum anderen, um es mit Voltaire zu sagen, eben auch darum, dass, wo immer es geht, das erkennbar Bessere als Feind des Guten anzustreben wäre, weil nur so Fortschritt möglich ist. Dies gilt auch und vor allem für das Ringen um Wahrheit und zwar sowohl zwischen den Konfessionen als auch in den unterschiedlichen Lagern innerhalb einer Konfession. In den Worten des kath. Münste-raner Theologen Michael Seewald, dessen Buch zur 'Reform' mit dem Untertitel „Dieselbe Kirche anders denken“ jüngst erschienen ist: "Die Kirche kommt daher um ein argumentatives Ringen, das den rechten Weg sucht und den Spielraum des Möglichen ausmisst, nicht herum. Dieses Ringen lässt sich nicht mehr in souveräner Auktorialität auf einige Wenige, etwa den Papst oder die Bischöfe, beschrän-ken, sondern ist die Sache ALLER Christen. Das Gewicht eines Wortes bemisst sich dabei nicht am Weihegrad, sondern an der argumentativen Stärke seines Sprechers."

Vor allem im Gegensatz zu dem als kritische Internetseite getarnten neuapostolischen Unterhaltungs-magazin "Glaubenskultur", welches als ehemals pseudokritische Internetseite in den 1990er Jahren be-gann, sich aber wie das Netzwerk Apostolische Geschichte mittlerweile nahezu gänzlich zum Stroh-mann der Kirchenleitung entwickelt hat - u.a. wohl auch, um gewisse Bedürfnisse semioffiziell abzu-decken und Kritik im Sinne der Kirchenleitung zu kanalisieren -, schreiben die genannten Seiten völlig unabhängig von der neuapostolischen Kirche und sind einzig der Wahrheit im Sinne des besseren/ lautereren Arguments verpflichtet. Anders als der Glaubenskulturbetreiber Michael Koch in seinem Artikel "20 Jahre Beharrlichkeit führten zum Ziel" behauptet und ebenso anders als der nac.today-Autor Andreas Rother behauptet, rekrutierte sich der Großteil der Kritikerszene nämlich nicht aus negativen persönlichen Lebensumständen oder persönlichen Abrechnungszwängen heraus - diese Unterstellun-gen sind so alt wie die Kritikerszene - , sondern - und das Internet zeigt dies bis heute in aller Deut-lichkeit - aus den Missständen innerhalb der NAK, die mit Beginn des Internet Mitte der 1990er Jahre zum ersten Mal einer breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht wurden. Kritikerurgestein Siegfried Dannwolf hat dazu in einer Gegendarstellung eindeutig Stellung genommen. Solche Behauptungen, wie M. Koch - und nun in seinem Gefolge der nac.today-Autor Andreas Rother - sie liefern, zeigen im Umkehrschluss die tatsächlichen Interessen, unter denen er seine Webseite ins Netz stellt und was von seinen Artikeln zu halten ist. Und für dieses 'Privileg' von im Schnitt ein bis zwei Artikeln im Monat müssen die Mitglieder auch noch teures Geld zahlen. Aber gut, bei den Vorbildern ist das wohl nicht anders zu erwarten ... 

Passend zu dieser als gezielte Fake News einzustufenden Aussage, deren Suggestivgehalt die Hörer/ Leser in eine ganz bestimmte Richtung lenken soll, ist der jüngste Vortrag von Dominik Schmolz (im Netzwerk apostolische Geschichte) zum Thema der Entstehung der Bischoff-Botschaft. Gleich zu Beginn (ab Min. 5) stellt er die gängige Literatur vor, die sich mit der Botschaft beschäftigt, und kann es sich nicht verkneifen, einschlägige Werke explizit dem "Aussteiger-Milieu" zuzuordnen. Damit suggeriert er ganz bewusst, dass es sich nicht lohne, diese Literatur zu lesen oder zu zitieren, da deren Autoren ohnehin nur darauf aus seien, die NAK schlecht zu machen bzw. die Feindbilder der ach so bösen Kritiker zu bedienen. Dass gerade Aussteiger, die ja - ob man das akzeptieren will oder nicht - beide Seiten der "Glaubensmedaille" kennen, viel mehr zur Forschung der NAK-Geschichte beitragen können als in Amt und Würden stehende NAK-Apologeten, scheint leider nicht nur in diesen Kreisen noch nicht angekommen zu sein. Auch renommierte Religions- und Geschichtswissenschaftler wagen es kaum, Aussteiger-Literatur zu zitieren, da ihr ja der Makel der Unseriosität anhaftet. Eine ausführliche Antwort zu derartig unseriöser Ausgrenzung von Aussteigern findet der geneigte Leser im Vorwort des zweiten Bandes zur NAK-Geschichte.

Wie sehr Koch, Schmolz & Co. falsch liegen mit ihrer teilweise verachtenden Geringschätzung der NAK-Kritiker bzw. -Aussteiger bzw. ihrer künstlich geschaffenen Feindbilder derselben zeigen übrigens nicht nur die Kritikerseiten und -bücher zum Thema der NAK, sondern zahlreiche Bücher (auf die Buch-empfehlungen schauen) in Bezug auf im Grunde alle Kirchen - Sekten wie Großkirchen gleichermaßen. Auch dort hatte das Internet vor allem durch Insidererfahrungen zahlreiche substanzielle und unwider-legbare Argumente gegen das System Kirche und deren klerikale Führer vorgebracht, was beweist, dass es einen riesigen Nachholbedarf an öffentlicher Kritik zum Thema Religion und Kirche gibt und dass diese Kritik in erster Linie aus den Reihen derer kommen muss, welche die jeweiligen internen Mechanismen der betreffenden Glaubensgemeinschaften kennen. Außenstehenden sind die Glau-bensformeln und das damit verbunden verschleiernde Wording nicht geläufig, weshalb sie, wie nach-folgend zu zeigen sein wird, immer wieder auf derartig manipulative Glaubensmetaphern und damit nicht selten leere Phrasen hereinfallen.

Nicht zuletzt auch aus dieser Perspektive zeigt sich, wie fehlgeleitet Koch, Schmolz & Co. in apolo-getischer Manier an der Wahrheit vorbeireden, wenn und insofern diese unangenehm ist oder anderweitig nicht ins Konzept traditionsschwangerer Gefühlsduseleien oder ideologisch verbrämter Apologetik passt. Gerade die Tatsache, dass die Botschaft als Disziplinierungs- und stammaposto-lisches Herrschaftsinstrument überhaupt entstehen konnte - was Schmolz, wenn auch auf Bischoff selber bezogen, verneint -, zeigt ja die Tücken des Systems Neuapostolizismus beispielhaft auf. Die Bot-schaft konnte nämlich nur auf dem neuapostolischen Nährboden von Exklusivismus und glaubens- narzisstischem Größenwahn entstehen.


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2. Ursachen und Grundlagen für diese Unterseite zur NAK (2018)
Ein kurzes Resumè, warum wir der neuapostolischen Kirche vor ca. 10 Jahren nach reiflichem Überlegen den Rücken kehrten
Austritts-Kurzanalyse.pdf
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3. Worum es geht ... 

Warum die Neuapostolische Kirche (NAK)? Nun, zum einen gibt es sicherlich bessere Objekte als die NAK für das Studium fundamentalistischer Religions- und Kirchenstrukturen. Im Sek-tenumfeld gibt es Glaubensgemeinschaften, die deutlich funda-mentalistischer unterwegs sind als die NAK. Und es geht schon gar nicht darum, einzelne Gemeinden oder gar ehemalige Glau-bensgeschwister schlecht machen bzw. einen persönlichen Rachefeldzug starten zu wollen. Es gibt auch in der neuaposto-lischen Kirche Gemeinden, die eine christlich ansprechende Glaubensheimat sein können ebenso wie Amtsträger, die christ-liche Werte vermitteln und echte Seelsorger sind.
Worum es in dieser Unterseite geht, ist etwas viel Grundsätz-licheres, nämlich zum einen systemische Strukturen, die ursäch-lich für Missstände verantwortlich zu machen sind und anhand derer sich der Religionsfundamentalismus beispielhaft festma-chen lässt. Zum anderen geht es damit verbunden um diesbezüglich notwendige Insiderkenntnisse, war diese Kirche doch mehr als ein halbes Leben unsere Glaubensheimat, weshalb wir (meine Frau und ich als Kinder von Funktionsträgern) sie einfach besser kennen als andere Sonderkirchen oder Sekten. Und es sind nun mal gerade ihre versteckten systemischen Strukturen, welche das Phänomen Religions- oder Glaubensfundamentalismus besonders gut beleuchten. Was also bedeutet Fundamen-talismus in diesem religiösen Zusammenhang?

Fundamentalismus ist eine Überzeugung, Anschauung oder Geisteshaltung, die sich durch ein kom-promissloses Festhalten an ideologischen oder religiösen Grundsätzen kennzeichnet und das politi-sche Handeln bestimmt. Im ursprünglichen Sinne bezeichnet Fundamentalismus eine Richtung und Bewegung des amerikanischen Protestantismus, die davon ausgeht, dass die Bibel unmittelbares Wort Gottes ist und daher irrtums- und fehlerfrei sei. Im weiteren Sinne bezeichnet Fundamentalismus eine übersteigerte Form ethnisch-kultureller oder religiöser Identität, die sich oft durch extremen Traditio-nalismus und Autoritarismus auszeichnet.

Genau um diese ideologisch völlig übersteigerte und mit nichts zu rechtfertigende Geisteshaltung geht es in der Betrachtung des religiösen Fundamentalismus der neuapostolischen Kirche. Rund ein halbes Jahrhundert Mitgliedschaft in ihr haben tiefe Spuren hinterlassen. Spuren, die einerseits beschämend und niederdrückend sind, beweisen sie doch wie unkritisch-naiv man die längste Zeit seines Lebens einem religiösen Wunschdenken aufsaß, und andererseits wütend machen ob der Ungeniertheit und zunehmenden Skrupellosigkeit, mit der die neuapostolischen Sektenführer und Systemagenten ihre Schäfchen hinters Licht führen. Ob dies im Einzelfall immer bewusst oder gar mit der Absicht des geistigen Betruges geschieht, sei dahingestellt - die meisten Systemagenten eines Unrechtssystems glauben selber an die Richtigkeit dessen, was sie vertreten, oder tun es einfach aus Tradition und Gewohnheit. Sie tun dies nicht zuletzt deshalb, weil Recht von Unrecht und Wahrheit von Irrtum nicht immer sofort und für alle ersichtlich zu unterscheiden ist. Dazu bedarf es in allen systemischen Strukturen der notwendigen fachlichen (theologischen, soziologischen, psychologischen usw.) ebenso wie unabhängigen Expertise. Genau solches aber wird im Fall von autoritären Herrschafts- oder Un-rechtssystemen tunlichst vermieden - wer sägt schon an dem Ast, auf dem er sitzt.

Da werden mittlerweile zwar hauseigene Theologen beschäftigt, aber die scheinen mehr Verwirrung im Apostolat anzurichten als für geistigen Fortschritt zu sorgen (wie hier und hier erkennbar wird). Wenn dann aus dem neutestamentlichen Vatergott Jesu wieder der alte Wettergott der archaischen Urzeit  wird oder wenn Gott sich in seinen menschlichen Offenbarern selber widerspricht bzw. seltsame Ungereimtheiten von sich gibt, muss irgendwo irgend etwas schief laufen. Einer der Gründe hierfür mag darin liegen, dass zwischen dem, was gestandene Theologen zur Heiligen Schrift zu sagen haben und dem, was neuapostolische Apostel aus ihr herauszulesen glauben, oftmals kaum Schnittmengen mehr vorhanden sind. Und da sich in solchen Fragen letztlich immer das Geistesamt kraft der Fülle des ihm verheißenen göttlichen Geistes durchsetzt, aber gleichzeitig und vor allem in der Außenwirkung doch auch ein wenig theologisch Haltbares verkauft werden will, kommt manchmal ein Misch-Masch heraus, der selbst getreueste Anhänger in Verzweiflung bringt (insofern sie kurz nachzudenken bereit sind). Vor allem seit J.-L. Schneiders Amtsübernahme scheint dies in immer neue theologische Verwir-rungen zu führen, nicht zuletzt, weil die oben schon angedeutete Bauchlastigkeit seiner Predigten der Kopflastigkeit der theoretischen Neuerungen zunehmend mehr widerspricht.

Hin und wieder hört man sich auch die eine oder andere psychologische Expertise an (nicht zuletzt wohl, weil Seelsorge ja irgendwie auch die Psyche ansprechen soll), aber die generelle Richtung wird in allen Bereichen nach wie vor von fachlichen Laien aufgrund einer heilig-geistlich geglaubten spirituellen Führung vorgegeben, und zwar bis heute meist wider besseren Wissens. So etwas nennt man in den Sozialwissenschaften "Kompetenz-Vortäuscher" (vgl. auch: "Kompetenz-Illusion"). Sie geben Kompetenz vor, wo eigentlich gar keine sein kann. Denn auch kein noch so göttlicher Geist kann Fähigkeiten oder gar Erkenntnisse erwecken, die überhaupt nicht im Denkradius eines Menschen vorhanden sind. Und das macht diese Scheinführer vor allem eines: unglaubwürdig. Zudem machen sie Fehler, sind aber für deren Folgenbeseitigung nicht haftbar (Bischoff lässt grüßen) und verringern so den Handlungsspiel-raum für kompetentere Nachfolger. Um mit ihrer Inkompetenz nicht aufzufallen, umgeben sie sich zudem gerne mit noch Inkompetenteren. Man nennt dies etwas sarkastisch auch Inkompetenzkom-pensationskompetenz. Außerdem: Unfähigkeit zieht sich gegenseitig an, es kommt zu einer "Bozo-Explosion" an der Spitze von Hierarchien, verstetigt durch lebenslange Verbeamtung (im NAK-Jargon vollmachtliche "Ordination" in die apostolisierte Unkündbarkeit). Nimmt man dann noch den "In-Group-Bias" sowie die Inkompetenz dazu, die eigenen Inkompetenzen zu erkennen ("Dunning-Kruger-Effekt") werden Institutionen zu Parodien ihrer selbst. Oberflächlich betrachtet mag sich das eine oder andere aus dem Nachlass dieser Werk-Gottes-Parodien (siehe nachfolgende Beispiele) verbessert haben - die systemischen Ursachen (z.B. Kirchen-, Amts- und Bibelverständnis usw.) der ganzen Misere indes sind nach wie vor die selben:

  1. Die Parodie der Göttlichkeit von sog. Offenbarungszeugnissen   
    Alle institutionalisierten Kirchen und Glaubensgemeinschaften sehen ihren jeweiligen Ursprung als Akt göttlicher Zeugung - sei es als schriftlich fixiertes Gotteswort oder als göttliche Offenba-rung, die besonders befähigten Eingeweihten zuteil wurde. Aus dieser Art vermenschlichten Gottglaubens entstand die Bibel als Heilige Schrift und die Glaubensbekenntnisse als auskri-stallisiertes Dogma göttlichen Handelns. Auch die endzeitliche Apostelsendung (siehe nächster Punkt) wurde so von ihrem biblischen Ursprung her abgeleitet. Man wollte ganz bewusst nicht wahrhaben bzw. erkennen, dass Bibeltexte und Glaubensbekenntnisse das Ergebnis eines Jahrhunderte langen menschlichen Auswahl- und Entwicklungsprozesses sind, dessen Endsta-dium im Grunde immer einen Kompromiss darstellt zwischen einer Vielzahl von religiösen Wahrnehmungen und einer noch höheren Zahl an diesbezüglichen Deutungen.
    So fußt auch der 2012 erschienene neuapostolische Katechismus auf dem in dem Glaubensar-tikeln ausführlich beschriebenen Irrtum, die christlichen Glaubensbekenntnisse seien so etwas wie die geronnene Gottesmilch, die dem Glaubenspudding erst seine Konsistenz zu geben imstande wäre. Dass Bekenntnisse im Prinzip nur dazu dienen sollten, das jeweilige Lehrkon-strukt dessen zu bewahren, der die Macht hatte, über Glauben und Unglauben, richtig und falsch, politisch genehm oder nicht genehm usw., zu entscheiden, wird ganz bewusst nicht zur Kenntnis genommen bzw. geflissentlich ausgeblendet. Jede Form von Kritik, die auf diesen oder ähnliche Umstände vorsichtig aufmerksam zu machen droht, wird in Bausch und Bogen als unchristlich bzw. ketzerisch verbannt, ohne dass ihre Argumente überhaupt Eingang gefunden hätten in den Prozess der notwendigen Geisterunterscheidung. Diese Art der Glaubensimmu-nisierung hat eine lange Tradition und wurde bzw. wird auch heute noch in der neuaposto-lischen Kirche mit Erfolg und großer Vehemenz praktiziert.
  2. Die Parodie einer göttlichen Amtsgeburt   
    Die Ur-Parodie des sog. "Werkes Gottes" war die zu Anfang des 19. Jhs. eintretende Vorstellung, die 1800-jährige apostellose Zeit wäre jetzt beendet - ohne ersichtlichen Grund und ohne jede sinnträchtige Logik. Die Aufklärung und damit verbunden das in den Hintergrund treten nicht mehr glaubhafter religiöser Vorstellungen und Ideen (z.B. die Wörtlichnahme der Bibel als göttliches Diktat und genau definierter Weltenplan, die Vorstellung der voraufklärerischen Gewaltenteilung von Staat und Kirche als göttliche Ordnung usw., usw.) hatte bei einigen besonders 'Heiligen' dafür gesorgt, dass sich ein restauratives Wunschdenken einstellte, das die scheinbare Geborgenheit alter Ordnungssysteme herbeisehnte. Die Kirchen betreffend war das die Vorstellung einer Wiederherstellung des Apostelamtes, da man die religiösen Fehltritte und Entgleisungen der unterschiedlichen Konfessionen auf das Fehlen des Amtes zurückführte, das Kraft und Autorität nicht von Menschen, sondern unmittelbar von Gott bezog. Der Wunsch als Vater des Gedankens reichte vollständig aus, um mittels prophetischer Ekstase neue Apostel aus dem Hut religiösen Wunschdenkens und Aberglaubens zu zaubern (ich hatte diese Entwicklung bis ins historische Detail beschrieben in "Endzeitliche Apostelsendung im Anspruch urchristlicher Originalität"). Einmal aus der Flasche entlassen, ließen sich die Geister nicht mehr zurückholen - trotz vielfältiger Hinweise sowohl auf den theologischen als auch den mensch-lichen Irrtum.
    Seit den 1830er Jahren gab es also wieder Apostel und weil Apostel ohne Amt eigentlich nichts wert waren, wurde das Amt dazu gleich prophetisch mitgeliefert. Zwar veränderte dieses so in die Welt gesetzte Apostolat die Kirche in keinster Weise zum besseren -  das Gegenteil war der Fall -, aber es sollte einer kleinen Gruppe von besonders Heiligen als Mittel zum Zweck dienen, die Idee einer heimlichen Entrückung für eine Glaubenselite in die Welt zu setzen und mit diesem religiös durchaus zugkräftigen Alleinstellungsmerkmal eine eigene Kirche zu gründen, die freilich just aufgrund der Ansprüche dieses neuen Amtes sich relativ bald in zahllose kleine konfessionelle Ableger aufsplitterte, die alle um das Alleinstellungsmerkmal 'Apostelamt' in Kon-kurrenz standen und sich nichts von ihrem damit verbunden eingefleischten Wahrheitsmono-pol rauben lassen wollten.
  3. Die Parodie göttlicher Vollmachten für Amt und Kirche    
    Apostel und Amt alleine freilich würde auch noch nicht reichen. Denn womit sollte das Amt begründet werden. Aus diesem Grund ist nicht nur die neuapostolische Kirche des Glaubens, dass kirchliche Ämter durch göttliche Vollmachten legitimiert seien, weshalb Kirche auch hierarchisch organisiert ist und die jeweilige Kirchenleitung die Oberhoheit nicht nur in geist-lichen, sondern in allen rechtlichen, administrativen und selbst noch sozialen Fragen innehat (was die NAK betrifft siehe näheres hier). Damit aber sind Zwist und Missbrauch programmiert. In der kath. Kirche entbrennt gerade der Streit just in dieser Frage der Legitimation von Amts-vollmacht und damit verbunden der Frage nach Sinn und Zweck von Vollmacht schlechthin. Der Theologe und CIG-Chefredakteur, Johannes Röser, schreibt dazu anlässlich der gerade ge-scheiterten synodalen Weichenstellung in der RKK:
    "Mit den aktuelle zu behandelnden und seit Jahrzehnten diskutierten Inhalten wären noch nicht einmal die Glaubensprobleme im Kern getroffen: Was könnte das Christsein neu inspirieren, begünstigen in einer Welt mit Erfahrungshorizonten, die mit sehr vielen dogmatischen Vorstel-lungsmodellen nicht mehr in Einklang zu bringen sind, erst recht nicht, wenn man auf die (natur-)wissenschaftlichen Revolutionen schaut. Wie kann der Christusglaube, Gott selber unter diesen Bedingungen neu an Plausibilität gewinnen? Und das gerade in einem Zeitalter mächtigster Entzauberungen, die auf der Kehrseite jedoch umso erregender, ergreifender und berührender, manchmal erschreckender, die Menschen wieder verzaubern durch das große Wunder, das Mysterium Universum und Leben? Was beim synodalen Prozess und bei einem Konzil verhandelt würde, wäre ja allenfalls nur eine Vorstufe dazu. Umso schlimmer sind die ständigen Blockaden - nicht nur aus Rom. [...]
    Ja, es ist eine Machtfrage. Allerdings tut die gemäß dem katholischen systemischen Selbstver-ständnis gegebene Macht inzwischen alles, um sich selber zu demontieren, um die Lehrautori-tät päpstlicher wie bischöflicher Art in die Irrelevanz abdriften zu lassen. Vollmacht. Welche Vollmacht? Welche Macht? Das Lehramt hat über die Getauften überwiegend nur noch eine eingebildete und keine reale Macht mehr. Sie läuft ins Leere in dem Maße, in dem die Menschen sich ihr entziehen, ihrer eigenen Wege gehen, religiös oder gar nicht (mehr) religiös. Selbst die Drohmacht mit Höllenstrafen ist erloschen. Wozu soll der Mensch an eine Hölle oder gar an einen Teufel, den Papst Franziskus so gern im Mund führt, glauben, wenn es immer schwieriger wird, überhaupt noch zu glauben!"
    Damit stellt Röser im Grunde genommen beides: die Macht- und die Glaubensfrage. Denn das ist es, worum es bei all den alleine über den Glauben in Geltung gebrachten Vollmachten in Wirklichkeit geht. Auch und gerade in der neuapostolischen Kirche, die im Grunde auch so ziemlich alles dafür tut, sich selber zu demontieren und ihren hauseigenen Primatsanspruch zu desavouieren. Auch sie kann letztlich immer nur Glaubensansprüche an welche Vollmachten auch immer erheben. Und genau damit funktionieren Vollmachten überhaupt nicht. Man stelle sich vor, die Vollmachten eines Botschafters könnten nur geglaubt werden. Was würde das über die Rolle des Botschafters und erst recht über die seines Landes aussagen ...
    Genau so aber funktionieren auch die Vollmachtsansprüche der NAK. Im ihrem 8. Teil zur Frage des kirchlichen Amtes heißt es unmissverständlich: "Innerhalb von Lehre und Seelsorge gibt es Dienste, die ausdrücklich im Namen Gottes ausgeführt werden. Dazu gehört die Spendung von Sakramenten wie dem Heiligen Abendmahl ebenso wie die Predigt als Verkündigung des Wortes Gottes. In seinem (Gottes) Namen zu sprechen – dazu bedarf es nach neuapo-stolischem Verständnis einer ausdrücklichen Berechtigung. Diese findet sich in der Bevollmächtigung durch die Übertragung eines Amtes in der Ordination."
    "Bedarf es nach neuapostolischem Verständnis" heißt im Klartext: Da wir in der Frage der Vollmachten nichts wissen, müssen sie eben geglaubt werden: Punkt! Unabhängig der Frage nach der Herleitung eines solch grund- wie begründungslosen Anspruchs (er wird neuapostoli-scherseits in blindem Buchstabilismus auf dekontextualisiert verwendete Bibelstellen zurück-geführt) stellt sich als eigentliche Gretchenfrage schlechthin: Worin besteht diese Vollmacht, wodurch kommt sie zustande und wie zeigt sie sich und ihre Wirksamkeit gegenüber dem fragenden Betrachter? Welche Überzeugungskraft hat sie für Menschen, die mit blindem Glauben nichts am Hut haben - egal ob bezüglich Kirche oder Bibel? Denn im kirchlichen Alltag steht sie lediglich als zu glaubende (kirchliche ober biblische) Behauptung im Raum, ohne jegliche Begründung und verifizierbare Plausibilität. Im Gegenteil, so ziemlich alle Wahr-scheinlichkeiten sprechen gegen sie. Denn nirgendwo würden eine Gottheit oder auch Götter etc. eine derartige Glaubensauflage machen, von der jeder im Vorhinein weiß, dass sie im Grunde von Hinz und Kunz ebenso anstands- wie problemlos missbraucht werden kann, wes-wegen sie keinerlei Autorität beanspruchen kann.
    Aber das falsche Hütchenspiel ist damit noch lange nicht zu Ende, stellen sich doch ungleich grundsätzlichere Fragen, z.B. nach dem Sinn und Zweck von Vollmachten? Wozu sollten sie dienen oder anders herum gefragt, was sollten sie bewerkstelligen, was ein Gott ohne sie nicht bewerkstelligen könnte? Wer für sich in Anspruch nimmt, wie einst die biblischen Propheten im alten Israel, im göttlichen Namen und Auftrag zu sprechen und zu handeln, den würde Gott unmittelbar selber bestätigen - oder eben nicht. Dies, und nur dies allein, kann Legitimation sein für einen göttlichen Anspruch. Jede Art kirchenamtlich ausgestellter, quasi prophylaktisch wirkender Vollmachts-Flatrate ist im Grunde doch nur ein vorweg genommener Anspruch ohne nachfolgende Wirkung. Ein Stück leeres Papier, das auf Vorzeigen bestenfalls Gelächter bewirkt. Schlimmer noch, die mystischen Vollmachtsvorstellungen von Amt und Kirche taugen nicht nur nichts für eine tragfähige Gottesbeziehung des Einzelnen, nein, sie wirken einer solchen diametral entgegen, indem sie des Nachts einen blinden Glauben einfordern in eine schwarze Katze, die es gar nicht gibt.
    Und genau darum geht es. Denn in der absoluten Mehrzahl aller Fälle wurde dieser Voll-machtsanspruch der Wirkungslosigkeit überführt. Egal ob in Predigten oder Haus- und Krankenbesuchen, in sakramentalen Handlungen oder anlässlich kirchlicher Segnungen - das versprochene Heil oder der garantierte Segen und die im Namen Gottes zugesagten Verspre-chen usw. stellten sich nicht ein bzw. wurden nicht eingehalten. Im alten Testament war die Sache damit klar: "Wenn aber ein Prophet in meinem Namen etwas sagt, was ich ihm nicht aufgetragen habe, oder wenn er im Namen anderer Götter spricht, muss er sterben. Nun fragt ihr vielleicht: »Wie können wir denn beurteilen, was der HERR gesagt hat und was nicht?« Wenn ein Prophet im Namen des HERRN etwas sagt und seine Voraussage trifft nicht ein, dann hat der HERR nicht durch ihn geredet; er hat in eigenem Auftrag gesprochen. Einen solchen Propheten braucht ihr nicht ernst zu nehmen." (Deut 18,20-22/GNB)
    Im Gegensatz zu diesem alttestamentlichen Verständnis von nachweisbarer göttlicher Bestäti-gungsnotwendigkeit ist jede klerikale Vollmacht im Grunde genommen ein Blankoscheck, der seinem Inhaber alle Rechte ausstellt, ohne den Nachweis einer ausreichenden Deckung. Damit sind dem geistlichen Missbrauch Tür und Tor geöffnet, ohne der Möglichkeit einer Überprüfung oder neutraler Kontrollen. Wer also nur ein bisschen nachdenkt, merkt sofort, dass an der klerikal inszenierten Idee angeblich göttlich vermittelter Vollmachten (egal ob als potestas episcopalis oder apostolaris) nicht nur etwas, sondern im Grunde alles faul ist. Ein Muster ohne Wert. Ein Anspruch, der mit nichts und durch nichts begründbar ist und der deshalb schleunigst entsorgt werden sollte UND könnte - wenn, ja wenn damit nicht automatisch jede Form klerikaler Macht mit entsorgt würde. Denn das ist der eigentliche Grund dieser kirch-lichen Vollmachtsphantasien. Ohne sie könnte Kirche in ihrer jetzigen patriarchalischen Herr-schaftsform nicht überleben und die neuapostolische schon gar nicht. Mittlerschafts- und Vollmachtsanspruch sind die beiden Hauptschalter im kirchlichen Manipulationsinstrumenta-rium, wozu sich im Fall des Neuapostolizismus noch zusätzlich die unhinterfragbare Heils- und Erlösungsbindung an das Apostelamt gesellt (vgl. Punkt 12 am Schluss).
  4. Die Parodie der göttlichen Amtsvergabe und Ämterwahl   
    Wie im letzten Punkt kritisch durchleuchtet, werden Amts- und anderen Würdenträgern in der neuapostolischen Kirche per Ordination mit geistlichen Vollmachten ausgerüstet, die sie in die Lage versetzten sollen, den göttlichen Willen wahrzunehmen, mittlerschaftlich hörbar zu machen und mit demselben notwendige Disziplinierungsmaßnahmen, weitere Amtsrufungen und -einsetzungen und sonstige organisatorische wie spirituelle Vollmachten zu legitimieren. Dazu werden, laut neuapostolischen Apostelaussagen, die zukünftigen Amtsträger erbeten und sodann aufgrund nachfolgend eindeutiger göttlicher Hinweise in Amt und Würden versetzt. Dies, so die neuapostolische Glaubensdoktrin, betreffe alle Amtsträger vom Diakonen bis zum Stammapostel.
    Nun begab es sich, dass ein Gebot ausging vom deutschen Gesetzgeber, der im Sinne einer Präventivmaßnahme von allen in der Jugend- und Kinderarbeit tätigen (wozu auch die kirchliche Kinder- und Jugendarbeit zählt) Funktionsträgern ein sog. 'erweitertes Führungszeugnis' (EFZ) verlangt, um Kinder und minderjährige Jugendliche vor sexuellem Missbrauch jeglicher Art besser zu schützen. Dabei geht es darum, dass möglichst keine Personen in der Kinder- und Jugendarbeit beschäftigt werden, welche wegen Sexualstraftaten rechtskräftig verurteilt wur-den. Im Gesetz heißt das: Tätigkeitsausschluss einschlägig vorbestrafter Personen (§ 72a SGB VIII).
    Dies hat der süddeutsche Kirchenpräsident, Michael Ehrich, nun zum Anlass genommen, um von ALLEN Amtsträgern ein solches EFZ mit dem Hinweis der gesetzlichen Notwendigkeit einzufordern, die allerdings, wie Dieter Kastl nun trefflich nachweist, für die allermeisten Amts-träger gar nicht vorhanden ist. Denn das Gros der neuapostolischen Amtsträger zählt gar nicht zu dem Personenkreis, um den es in dieser Gesetzesvorlage geht. Gleichwohl fordert Imperator M. Ehrich, wie seine Hochwürdigkeit laut Kastl in Amtskreisen auch gerne bezeichnet werde, dieses Führungszeugung unter Androhung des Amtsentzuges, sprich der Beurlaubung, gnadenlos ein. Damit fordert er, symptomatisch für das neuapostolische Apostelamt und seine patriarchalischen Vertreter, militaristischen Gehorsam und feudale Loyalität ein und brand-markt gleichzeitig all jene in aller Öffentlichkeit, die sich weigern, ein solches EFZ vorzulegen. Denn, wie Kastl zurecht einwirft, wer unter solchen Umständen beurlaubt wird, muss wohl 'Dreck am Stecken' haben, sprich in der betreffenden Frage des Kinder- und Jugendschutzes zumindest negativ aufgefallen sein (denn, so das öffentliche Vorurteil, sonst bräuchte er ja die Vorlage des EFZ nicht zu verweigern).
    Unter anderem genau damit zeigt sich nun die Parodie einer göttlichen Ämterwahl am deutlich-sten. Denn wer vorgibt, Gott hätte die Wahl getroffen, die alsdann durch deutliche Hinweise dem Apostelamt geoffenbart würde, der hat nicht nur keinen Grund, ein (noch dazu gesetzlich nicht notwendiges) EFZ von seinem Amtsträgern einzufordern, sondern der hat auch keinen Grund, diesen göttlich Erwählten in welcher Sache auch immer sonst zu misstrauen. Vor allem hat er keine Notwendigkeit, dieses Vertrauen mittels der gnadenlosen Durchsetzung einer sektenhaften Gehorsamskultur bestätigt sehen zu müssen. Denn: Entweder Gott hat den Betreffenden erwählt, dann sind keinerlei weitere 'Zulassungs- und sonstige Überprüfungs-kriterien' zulässig, denn Gott sieht (nicht nur laut neuapostolischer Glaubenslehre) das Herz an und weiß von daher, wozu ein Mensch fähig ist oder nicht. Oder eine solche göttliche Wahl gibt es nicht - wovon übrigens auch M. Ehrich auszugehen scheint, da er veranlasst, dass bestehen-de Amtsträger nach Abgabe eines negativen Führungszeugnisses ihr Amt abgeben müssen -, was der göttlichen Wahl nicht gerade viel Voraussicht bescheinigt.
    Nun könnte der Einwand kommen, dass Gott zwar den einzelnen Menschen erwählt, ihm aber nach wie vor den freien Willen lässt, sich für oder gegen ihn und damit für oder gegen die Sünde zu entscheiden o.ä. Das ist vom Grundsatz her sicherlich nicht falsch, aber eben nur vom Grundsatz, denn wir müssen hier wie in allen anderen Fällen von bestehenden neuaposto-lischen Gottesbildern ausgehen. Diese fußen u.a. auf der Wörtlichnahme der Bibel, was wieder-um den Einwand zu bestätigen scheint. Denn die Bibel berichtet durchaus von Erwählung und nachfolgender Verwerfung. Was hier freilich übersehen wird, ist die Frage, worum es im Einzelfall geht und was die Bibel unter Erwählung versteht. Um es kurz zu machen: Sexuelle Störungen oder diesbezügl. Defizite sind keine spontane Erscheinung, sondern durch mangel-hafte Sozialisierungsparameter etc. im Menschen angelegt worden. Wenn bzw. insofern der-artige Störungen kein kirchliches Amt zulassen, ist solches zuallererst Gott bekannt. Von daher lässt sich eine göttliche Erwählung für ein solches Amt einfach nicht vorstellen. Die Gefahr, dass Unschuldige darunter zu leiden haben könnten bzw. dass Opfer so programmiert sind, spricht gegen jedwede Art von Erwählung.
    Und weil dies nicht nur in den Angelegenheiten wichtig ist, die ein solches EFZ erfordern, sondern beispielsweise auch in zahllosen seelsorgerischen und damit nicht zuletzt Empathie bedingenden Fähigkeiten, die nicht selten nachweislich fehlen, weil sie - u.a. auch aufgrund mangelhafter Sozialisation - nie oder nur bruchstückhaft da waren, sollte man sich als Apostel auch selber nicht mit solch auffälligen Federn schmücken, sondern vielmehr der Wahrheit ins Auge sehen, dass JEDER neuapostolische Amts- und Würdenträger - vom Diakon bis zum Stammapostel - Ergebnis einer von Menschen getroffenen und unter kirchenpolitischen Gesichtspunkten geschehenen Wahl ist, die damit automatisch auch für alle menschlichen Irrtümer und Fehlinterpretationen offen ist - mit ALLEN sich daraus ergebenden Konsequen-zen! Dies zeigt sich wohl am deutlichsten an der Vorstellung bzw. dem Anspruch eines aposto-lischen Versöhnungsamtes.
  5. Die Parodie des Versöhnungsamtes  
    Auf das Engste damit verbunden ist die über Jahrzehnte eingetrichterte Vorstellung vom 'Amt der Versöhnung', welches im völligen Einssein das Volk Gottes auf den Tag des Herrn zube-reiten würde. Wie wenig Einssein in dieser sich Apostel nennenden Herrschaftsriege herrscht, das haben zahllose Spaltungen im Laufe der letzten knapp 200 Jahre mehr als deutlich werden lassen. Besonders hervorgetan mit Spaltungen hat sich freilich die Neuapostolische Kirche, in deren gut 100-jähriger Geschichte wegen mangelnden Einsseins - genauer: Wegen apostoli-scher Herrschsucht und Rechthaberei! - fürchterliche Glaubenskriege vom Zaun gebrochen worden waren, die Familien auseinander rissen, Gottesbilder zerstörten und sogar Menschen in den Selbstmord trieben.
    Wie wenig Einssein in der Kaste dieser Selbsterleuchteten wirklich herrscht, haben auch in jüngerer Zeit mehrere Apostel deutlich gemacht. So hatte Bez.-Ap. Michael Kraus (Kanada) mehrfach gedroht, mit seinen Gläubigen (das war in den 1980er Jahren mehr als die halbe neuapostolische Welt) aus der Kirche auszutreten, wenn seine Bedingungen - u.a. wie und mit wem das Stammapostelamt zu besetzen sei - nicht erfüllt würden. Apostel Sepers wurde aufgrund seiner offenen Einstellung aus dem Apostelkader hinausgeekelt und hat darüber aufschlussreich berichtet, wie es in in der NAK-Führung im Allgemeinen und in den Apostelversammlungen im Besonderen wirklich zugeht.
    Selbst Stap. Richard Fehr konnte rückblickend nicht verhehlen, dass er den Werk-Gottes-Dampfer nur mit großer Mühe und viel Diplomatie auf Kurs halten konnte und dabei hier und dort auch immer wieder mal heftig durchgreifen musste. Dabei hatte er nicht nur die Auseinandersetzungen zwischen dem erzkonservativen amerikanischen Kraus-Imperium und der europäischen NAK in Fragen der ökumenischen Öffnung im Sinn, sondern nicht zuletzt auch die heftigen Auseinandersetzungen in der Frage der Bedeutung des Apostelamts und wie es im neuen Katechismus, der damals schon in Arbeit war, festzulegen wäre (es ging dabei u.a. um die Frage nach den Amtsvollmachten). Wie schon bei den englischen Aposteln waren es immer Auseinandersetzungen zwischen dem eher aufgeschlossen-liberalen Lager und dem Lager der erzkonservativen Traditionalisten.
    Eine ähnlich heftige Auseinandersetzung, wenn auch vor völlig anderem Hintergrund, hatte vor ihm schon Stap. Hans Urwyler auszufechten. Auch er musste schließlich resignierend fest-stellen, dass diejenigen, die er angewiesen hatte, die Botschaftstragik redlich aufzuarbeiten (Gottfried Rockenfelder und Fritz Bischoff), ihn schmählich im Stich ließen - was allerdings auch nicht verwunderlich ist, waren doch sie die eigentlichen Drahtzieher der Botschaftslüge gewe- sen und nichts lag ihnen ferner als diese ans Licht kommen zu lassen. Leider hat auch sein Nachfolger im Amt, Richard Fehr, zwar erneut eine Kommission eingesetzt, die sich mit diesem Thema beschäftigen sollte, aber nach ersten Informationen dieser Gruppe gesagt: "Das sind ja so viele schlimme Sachen, das packe ich jetzt nicht weiter an." (so die Aussage eines verläss-lichen Informanten). Und auch von Stap. Schneider wird berichtet, dass er beispielsweise den als Versöhnungsakt kolportierten Waffenstillstand mit den Ausgestoßenen (heute VAG) im Apostelkreis rigoros durchsetzen musste, weil die Akzeptanz bei den Hardlinern nicht vorhan-den war. Und das, obwohl Versöhnung keine wirkliche Rolle spielte, was nicht zuletzt an der Unfähigkeit der NAK-Apostel festzumachen ist, die Apostel und Ämter der VAG förmlich und in-haltlich anzuerkennen. Sie werden, trotz gegenteiliger Beteuerungen, heute wie damals einfach totgeschwiegen (vgl. Kastls Artikel zum 120. Geburtstag Kuhlens). 
    Die Beispiele ließen sich beliebig fortsetzen, die zeigen, wie wenig wirkliches Einssein im Apostelkreis herrscht. Und dies nicht erst (oder nur) seit der Zeit der Botschaft, sondern zu allen Zeiten. Gerade in jüngerer Zeit scheint sich das Lager der 'eher Fortschrittlichen' mit dem Lager der Traditionalisten heftige Grabenkämpfe zu liefern, weil nicht sein kann, was in den Augen der Konservativen nicht sein darf. Anstatt vom "Amt der Versöhnung" sollte aufgrund Dutzender Spaltungen und Kirchenschismen treffender vom "Amt der Spaltung" gesprochen werden. Vor allem, weil der Grund aller Spaltungen just am selbstherrlichen Amtsverständnis dieses vermeintlichen Versöhnungsamtes liegt. Auch darauf hatte Apostel Gerrit Sepers hin-gewiesen: "Man muss einfach feststellen, dass in unserer ziemlich hierarchisch strukturierten Organisation – und das hat mit jeder Kirche, die derartig strukturiert ist, zu tun –, die Scheidung schon am Anfang der Existenz mit einbezogen ist. Wenn eine solche Bewegung entsteht – so wie wir entstanden sind –, dann ist bereits abzusehen, dass wieder neue Zellen und Prozesse in Gang gesetzt werden für eine Spaltung. Das gehört zu der Psychologie dieses Systems.“  Dieser Hinweis ist insofern interessant, als er verdeutlicht, dass die systemischen Ursachen bereits von Anbeginn an im System "Apostolizismus" angelegt waren. Das Wie und Warum dazu hatte ich in meinem zweiten NAK-Band (zur Apostolischen Herkunft und Geschichte) detailliert auf-geschlüsselt und mit zahlreichen Beispielen und unzähligen originalen Literaturhinweisen und -zitaten belegt.
  6. Die Parodie endzeitlich Heilig-Geistlicher Führung   
    Eine weitere Parodie (man könnte auch sagen Trugschluss) des Werkes Gottes ist die ständig geglaubte Führung des Heiligen Geistes im Apostelamt. Man muss diesem Geist einen hohen Grad an geistlicher Wankelmütigkeit bescheinigen, sieht man sich die ständigen Lehrerweite-rungen und -veränderungen an, die in regelmäßigen Abständen dem Fußvolk - einmal als Reform, das andere mal als heiliggeistliche Weiterführung und wieder ein anderes mal als zeitbedingte Weiterentwicklung (sprich Anpassung an die zeitlichen Verhältnisse) des apostoli-schen Amts- und Lehrkörpers usw. - verkauft werden. Einer der Gründe für diese scheibchen-weise Verteilung neuer Erkenntnisse liegt u.U. darin begründet, dass der Heilige Geist neu-apostolischer Provenienz nur in kleinster homöopathischer Dosierung verträglich zu sein scheint, da sonst mit Erstverschlimmerungen zu rechnen wäre, welche alteingesessene Mitglieder brüskieren und etwaig Prüfende (potenziell neue Mitglieder) davon abhalten könnte, ihr Jawort zur Vollversiegelung zu geben.
    Andererseits, und das macht die Sache noch verwirrender, wären göttliches Wissen und göttliche Erkenntnis - im Gegensatz zu menschlichem Wissen - keinerlei fortlaufenden Entwick-lung unterstellt und könnten von da her relativ unabhängig in das Menschsein von Gläubigen eintauchen, die ohnehin den Glauben über Vernunft und Erkenntnis stellen, sodass von dieser Seite keine Hemmnisse oder Einschränkungen für höhere Erkenntnisse zu erwarten wären. Warum, so fragt sich denkender Mensch, sollte es dem göttlichen Geist nicht möglich gewesen sind, dem greisen Bischoff und seiner Gefolgschaft klar zu machen, dass göttlicher Geist weht wohin er will und damit jegliche neuapostolische Alleinstellung in Fragen göttlicher Mittlerschaft und Heilsgarantien usw. von vorne herein ad absurdum führt.
    Aber darum geht es im Grunde ebenso wenig wie an der von Stap. Leber bei der Amtsein-führung seines Nachfolgers erwähnten Dichotomie, nach der die göttliche Wahrheit zwar immer absolut und ohne Änderungsbedarf wäre, aber wir als Menschen sie immer nur unter der begrenzten Wahrnehmung unserer Menschseins verstehen würden. Denn diese als Weiterentwicklung in höhere Erkenntniszustände etc. verschrieenen Änderungen haben i.d.R. herzlich wenig mit echter geistiger Entwicklung zu tun, sondern eher mit Anpassung an ökumenische Forderungen oder um ein Geradebiegen von Lehren, deren seitheriger ekla-tanter Mangel an Logik und Stichhaltigkeit, geschweige denn theologischer Expertise, jeder Beschreibung spottet. Ob es sich dabei beispielsweise um die Scheinreform zum Amtsver-ständnis handelt (siehe im Teil 2 den Artikel vom Juli 2019) oder die neue Auferstehungs-ordnung (siehe Artikel vom Mai 2019 im Teil 2), oder die neue Lehre zur Sonnenfrau und dem Knäblein, oder die geänderte Schlüsselgewalt des stammapostolischen Amtes, oder das neue Taufverständnis, welches durch die Entkoppelung der Wasser- von der Geistestaufe den neuapostolischen Heilsexklusivismus scheinbar Ökumene verträglich herabsetzte (was den katholischen Ökumenevertretern erst jetzt so langsam zu dämmern scheint) usw., usw. - sie alle hatten im Grunde nur einen Sinn: die überbordende Kritik von innen wie von außen zu entkräften, um den Trugschluss der exklusiven Heilig-Geistlichen-Führung niemals in Frage stellen zu müssen.
    Gänzlich ins Leere allerdings gehen sowohl Lebers Vorstellung der menschlicherseits begrenz-ten Gottesoffenbarungen als auch Schneiders geradezu belustigende Vorstellung (Predigt vom 03.02.2019 in Berlin-Charlottenburg), dass die Irrtümer der Vergangenheit nicht falsch, son-dern schlimmstenfalls unvollständig waren, spätestens dann, wenn es um die zahllosen Schis-men, die nicht weniger zahlreichen Endzeitprophezeiungen (die allesamt nie eintrafen), oder die noch viel zahlreicheren anderen Missstände im Werke Gottes geht. Sie alle hätten mit ein wenig gutem Willen, kritischem Nachdenken oder weniger herrschaftlich-arrogantem Gebaren vermieden werden können. Denn bei all diesen Dingen ging es nie um weiterführende Erkennt-nisse, die der göttliche Geist erst sukzessive hätte erwecken können, sondern um fehllaufende Kontrollen, systemische Mängel, irregeleitete klerikale Strukturen und dabei vor allem um borniertes Festhalten an naiv geglaubten Irrtümern. Und all dies spricht ebenso unwiderlegbar wie unveränderbar gegen eine Heilig-Geistliche Führung im 'Werke Gottes' und damit automa-tisch auch gegen die Vorstellung eines göttlichen Werkes.
    Mithin ging es nie wirklich darum, dass der Heilige Geist eben sukzessive in alle Wahrheiten führen, sprich, immer neue, dem jeweiligen Erkenntnisstand der Menschen angepasste Erkenntnisse schaffen würde, denn im Grunde hinken alle diese scheinbaren Erkenntnisse jenen der Kritiker oder der anderen Kirchen immer um Längen hinterher oder sie werden meist versteckt auf die eine oder andere Art kopiert, um sie dann als eigene Heilig-Geistliche Erkenntnis ans Fußvolk zu verkaufen. Will man nicht darauf abheben, dass die neuapostoli-schen Geistesführer zu ungebildet und dumm bzw. blind für diese weiterführenden Erkennt-nisse waren, dann bleibt als Grund bloß die Alternative, dass der Heilige Geist eben woanders mehr am Wirken war und bis heute ist als ausgerechnet im Werk Gottes. Egal, für welche Variante wir uns entscheiden, es ist immer ein Desaster für das sog. Geistesamt.
  7. Die Parodie vom Sondersakrament für eine 'echte' Gotteskindschaft       
    Die neuapostolische Kirche sah sich bis zum Erscheinen des Katechismus 2012 als DIE "Kirche Christi" und als DAS "Erlösungswerk Gottes auf Erden". Getaufte und versiegelte Mitglieder der Kirche nannten sich Gotteskinder oder Kinder Gottes. Dann wurde dieses signifikante Allein-stellungsmerkmal formal geändert. Aus Gründen ökumenischer Akzeptanz sieht die NAK die "Kirche Christi" mittlerweile als unsichtbare Kirche, die alle en rite (gemäß Kirchenrecht) getauf-ten Gläubigen beinhaltet. Sie selber ist nach wie vor das Erlösungswerk Gottes, das nun nicht länger synonym zur Kirche Christi steht, sondern geadelter und exklusiver Teil der Kirche Christi ist. Desgleichen sind die Mitglieder der Kirche Christi zwar nun alle Kinder Gottes, aber echte Gotteskinder (mithin Träger der Gotteskindschaft) sind nach wie vor nur die rechtmäßigen Mitglieder der neuapostolischen Kirche.
    Voraussetzung für diese Gotteskindschaft ist seit Stap. Bischoff (1951) die Versiegelung mit Heiligem Geist (Geistestaufe), die nur ein rechtmäßiger (= neuapostolischer) Apostel spenden kann. Insofern sind Gotteskind-schaft und Erlösungswerk Gottes nach wie vor (und entgegen dem Glauben der ökumenischen Vertreter) alleine der neuapostolischen Kirche vorbehalten. Gotteskindschaft im neuapostolischen Sinn bedeutet: Nur Gotteskinder tragen die Gotteskind-schaft und nur sie sind die biblischen Erstlinge und damit erbschaftsberechtigt an der Verheißung des ewigen Lebens (weshalb sie auch nicht zu Endgericht vorgeladen werden). Anders als z.B. im Katholizismus, wo Gotteskindschaft auf die Einverleibung in die Gemeinde durch die Wassertaufe abhebt, verstehen neuapostolische Christen darunter die Einverleibung des göttlichen Geistes im Menschsein, welches durch die Versiegelung geschieht (KNK 8.1; vgl. auch 6.6.2017 Kurze Anmerkungen zur Pfingstpredigt 2017 von Stap Schneider: nac first! sowie Streichs weitere diesbezügl. Ausarbeitungen).
    Vielleicht wird aber auch hier irgendwann der Putz christlicher Alleinherrschaft zu bröckeln beginnen. Hier und da sind schon "Glaubensverfallserscheinungen" sichtbar, hat doch schon vor ca. 20 Jahren sogar ein neuapostolischer Bezirksleiter (Will Andrich) die biblische Erkenntnis zu Papier gebracht, dass die Wiedergeburt aus Wasser und Geist gemäß der Heiligen Schrift kein sakramentales Geschehen sein kann. So schrieb er u.a.: "Für den einzelnen Menschen bedeutet Wiedergeburt die Wiederherstellung der göttlichen Art. Das ist die neue Kreatur. Deshalb gilt: Wiedergeboren sein heißt: In Christus sein! Apostel Paulus sagt zur Wiederge-burt und damit zur Gotteskindschaft u. a.: ... Ist jemand in Christus, so ist er eine neue Kreatur; das Alte ist vergangen, siehe, alles ist neu geworden (2 Kor 5,17). Oder: ...  in Christus Jesus gilt weder Beschneidung noch Unbeschnittensein etwas, sondern eine neue Kreatur (Gal 6,15). Oder: ... Ich lebe, doch nun nicht ich, sondern Christus lebt in mir. Denn was ich jetzt lebe im Fleisch, das lebe ich im Glauben an den Sohn Gottes, der mich geliebt hat und sich selbst für mich dahingegeben (Gal 2,20). Oder: ... Wer aber dem Herrn anhängt, der ist ein Geist mit ihm (1.Kor 6,17). Oder: ... Wenn aber Christus in euch ist, so ist der Leib zwar tot um der Sünde willen, der Geist aber ist Leben um der Gerechtigkeit willen (Röm 8,10).  [...] » ... Jeder, der die Gerechtigkeit tut, ist aus ihm geboren ... « (1.  Johannes 2,29) ; » ... jeder, der liebt, ist aus Gott geboren und kennt Gott ... « (1.  Johannes 4,7); » ... Jeder, der glaubt, daß Jesus der Christus ist, ist aus Gott geboren ... « (1.  Johannes 5,1). Dies aber bedeutet: Wer die Umwandlung seiner Existenz durch die Geburt aus Gott erfuhr und nun im lebendigen Glauben an Jesus hängt, der 'liebt den Erzeuger' dieses seines neuen Lebens. Und dies geht gänzlich ohne jede Ver-siegelung etc. (vgl. » ... Jeder, der die Gerechtigkeit tut, ist aus ihm geboren ... « [1. Joh 2,28 - 3,3; vgl. Röm 8,14-15]).
    Selbst bei nur oberflächlicher Kenntnis der Heiligen Schriften wird schnell deutlich, dass das neuapostolische Sondersakrament der Geistestaufe (Wiedergeburt aus dem Geist für die neue Kreatur) biblisch weder ein Sakrament ist noch einer Apostel bedingenden Spendung unter-liegt. Wiedergeburt ist das biblische Bild für die Annahme einer neuen Lebensweisheit oder Lebensphilosophie, wodurch der Geist desjenigen, der diese Lebensphilosophie in die Welt brachte, auf seine Anhänger übergeht - und zwar, wie der Johannesbriefschreiber sagt: Jeder. Kein konfessionelles Heilsmonopol sondern frohbotschaftlicher Heilsuniversalismus. Dazu braucht es nicht nur keinerlei konfessionelles, sondern auch kein klerikales Brimborium - was ohnehin nichts darüber aussagen könnte, ob bzw. inwieweit diese neue Kreatur (die neue Denk- und Sehensweise) auch wirklich auf den Empfänger dieser Geistesspende übergegangen bzw. von ihm auch wirklich aufgenommen worden wäre. Dies weiß nur Gott, weswegen auch nur er darüber befinden kann, wer zu einer neuen Kreatur geworden ist. Insofern dürfte der NAK noch die eine oder andere Geistesreform ins Haus stehen, um auch wirklich als ökumene-fähig gelten zu können bzw. dem ökumenischen Partner nicht ständig ein X für ein U vor-machen zu müssen.
  8. Die Parodie von NAk-abhängiger Ewigkeitsmission und Jenseitserlösung auf Erden    
    Die neuapostolische Glaubenslehre beansprucht nicht nur missionarische und sakramentale Zuständigkeit hier auf Erden, sondern auch in der jenseitigen Welt des Geistes. Dazu, so die neuapostolische Apostellehre, sei der Gnadenstuhl/Gnadenaltar hier auf Erden aufgerichtet. Dies bedeutet, dass heilsverlangende Seelen aus der jenseitigen Geisteswelt nur Erlösung finden können über den Besuch der irdischen Gottesdienste in der NAK und den damit ver-bundenen sakramentalen Handlungen. Dabei feiern neuapostolische Christen drei Mal jährlich sog. "Entschlafenengottesdienste", in denen die dafür über irdische Gebetsmächte zugelas-senen Ewigkeitsbewohner an den Gnadenaltar hier auf Erden kommen können, um dort die zur Erlösung notwendigen Sakramente (Wassertaufe, Geistestaufe und Abendmahl) zu em-pfangen. So werden sie, wie Gastbesucher hier auf Erden auch, nach und nach in die neuapo-stolische Gotteskindschaft geführt, bis sie mit der Geistestaufe, die nur am Apostelaltar gespendet werden kann, zur Vollmitgliedschaft und damit zu Erben der ewigen Herrlichkeit geführt werden.
    Gegen diese Art spiritistischer Mittlerfunktion sprechen nicht nur die Bibel, sondern auch die Nah- und Nachtodforschung. Auf die Frage der Sadduzäer nach der Rolle der sieben Mal verheirateten Frau in der jenseitigen Welt, antwortete Jesus, dass sie dort nicht länger die Rolle der Ehefrau hätte (weder des einen noch des anderen), da es in der Welt des Geistes weder Heirat noch Ehe o.ä. gäbe, sondern sie frei wie die Engel (Geistwesen) im Himmel wäre (Mt 22,23-30). Trotz der Tatsache also, dass im alten Judentum die Ehe als von Gott gestiftet und unter göttlicher Obhut stehend betrachtet wurde (vgl. Mt 19,3-6), zählt diese göttliche Stiftung in der jenseitigen Geisteswelt nicht mehr - sie wurde (wenn überhaupt) für die irdischen Befind-lichkeiten der Menschen geschaffen (Sicherheit von Auf- und Nachwuchs und soziale Gebor-genheit des Menschen etc.).
    Deutlicher kann man es kaum sagen: In der jenseitigen Welt des Geistes spielen weder soziale (Ehen, Kind- oder Elternschaft etc.) noch kirchliche Konstrukte (Glaubensartikel und -bekennt-nisse, Sakramente etc.) einer Rolle. Wie auch, wenn mit der Abgabe des stofflichen Leibes auch alles damit verbunden Irdische (Schutzbedürftigkeit für Leib, Seele und Geist, inkl. aller irdisch begrenzten Denk- und Vorstellungswelten, vgl. 1 Joh 3,2) vergangen sein wird. Wie die Ehe sind auch alle göttlich geglaubten kirchlichen Konstrukte geschaffen worden, um hier auf Erden in der Begrenztheit des menschlichen Seins Lebenssinn und Halt zu gewährleisten und körper-liches wie seelisches Wachstum zu fördern. In der jenseitigen Geisteswelt spielen diese Para-meter aber keine Rolle mehr.
    Dies wird auch von der gesamten Nah-/Nachtod-Forschung bestätigt. Auch sie geht mittlerweile davon aus, dass in der geistigen Welt, in der es weder Zeit noch Raum noch Materie gibt, auch alle damit verbundenen Parameter (irdische Hierarchien, Rollen, Zugehörigkeiten, soziale Struk-turen, Amtsstatus und -machten usw., usw.) entfielen. Dies schließt selbstredend auch alle kirchlichen Eigenschaften und Funktionen ein. All diese irdischen Vorstellungen haben in der Welt des Geistes keine Funktionen (und auch keine Notwendigkeit) mehr. Diesbezüglich mach-te vor einigen Jahren der damalige neuapostolische Kirchenpräsident Österreichs, Apostel Kainz, mir gegenüber eine sehr interessante Aussage: "Gott ist nicht neuapostolisch ...!" Wenn Gott aber nicht neuapostolisch ist, welches Interesse hätte er am spezifisch neuapostolischen Amts-, Kirchen- und Sakramentenverständnis, welche noch dazu nachweislich nicht einmal biblisch begründbar sind? Hat er aber kein Interesse an diesen konfessionell begrenzten Glaubensspezifika, warum sollte er an deren angebliche Wirkungen oder konfessionell geglaub-te Notwendigkeit gebunden sein ...???
    Aber die Schlussfolgerungen gehen noch weiter: Da Zeit und damit verbunden ihre irdisch gebundene Einteilung in Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft keine Rolle mehr spielen, sind auch alle damit verbundenen irdischen Vorstellungen null und nichtig. Die seelische Weiterent-wicklung ist nicht länger an diese Vorstellungen gebunden, wodurch auch der auf Erden gültige Ursache-Wirkungs-Zusammenhang ein anderer sein wird. Damit entfallen zumindest in der Mehrzahl der Fälle auch alle Wenn-Dann-Konditionierungen. Denn wenn und wo die Ursäch-lichkeit der Wirkung anders zu bewerten ist, als wir es gewohnt sind (und umgekehrt), wird auch die Bedingung einer Sache oder Handlung anders bewertet werden müssen. Damit ändern sich auch kausale oder konditionale Beziehungsverhältnisse (Opfer - Täter und Täter - Richter). Wunderschön exemplifiziert durch Jesus und die Ehebrecherin: "Wer von euch ohne Sünde ist, werfe den ersten Stein ...!" (Joh 8,5-7)
    Wie erwähnt haben in der geistigen Welt auch soziale Rollen, Ämter und die daraus abeleiteten Hierarchien ihre Bedeutung verloren. Was zählt, ist der geistige Zustand der Seele, der sich u.a. durch das Bedürfnis (oder Nichtbedürfnis) nach höheren Entwicklungsstufen ausdrückt. Auch von daher können in dieser geistigen Welt weder Religionen noch Konfessionen samt ihren Dogmen und sonstigen Glaubensvorstellungen einen Anspruch auf Wichtigkeit oder Notwen-digkeit mehr erheben. Was zählt sind Erkenntnisgrade, welche die Seele sich hier auf Erden aneignen konnte (oder nicht), weil diese in der geistigen Welt Auswirkungen haben würden, so der derzeitige Stand der Nah- bzw. Nachtodforschung.
    Wie auch immer, die Glaubens- und Apostelkonstrukte der neuapostolischen Kirche haben in der geistigen Welt ihre Bedeutung ebenso verloren wie jene anderer Konfessionen oder Religi-onen. Im besten Fall mögen sie auf Erden ihren Sinn gehabt haben, um die individuelle Seele in einen bestimmten Erkenntniszustand zu setzen oder ihr eine ganz bestimmte Fähigkeit bzw. Seinsform zu vermitteln, aber die weitere Entwicklung in der geistigen Welt basiert auf anderen Parametern. Ganz zu schweigen von einer notwendigen Rückkehr in die materielle Welt, weil nur in dieser Erlösung möglich wäre - solche Vorstellungen mögen einem frommen Kinder-wunsch entspringen, aber sie haben keine vernünftige Glaubensbasis. Für die neuapostoli-schen Apostel, freilich, geht es um mehr. Für sie steht und fällt mit diesem Jenseitshokuspokus ihr Status und damit nicht zuletzt ihr kirchenamtlicher Machtanspruch. Denn wer endgültiges Heil und finale Erlösung an das Apostelamt bindet, der muss diesen Anspruch auch für die jenseitige Welt ermöglichen.
  9. Die Parodie, nach der Glaubenserlebnisse die Wahrheit des Glaubens beweisen    
    Besonders Sekten und Sondergemeinschaften erliegen leicht der Vorstellung, dass es einen Zusammenhang geben müsste zwischen Glaubenserlebnissen wie z.B. Gebetserhörungen o.ä. und der Wahrheit bzw. Richtigkeit der eigenen Glaubenslehre. Aus der Innenperspektive sieht es tatsächlich so aus, als würden göttliche Zeichen und Wunder die eigene Glaubenslehre quasi von außen legitimieren. Das hat zum einen damit zu tun, dass Glaubensgemeinschaften mit solchen Vorfällen hausieren gehen und so ein Bild schaffen, in dem alleine die scheinbare Vielzahl solcher Ereignisse für die Richtigkeit der hauseigenen Lehre bürgen würden. Über Jahr-zehnte fanden Erlebnisse wie wiedergefundene Brieftaschen oder Schlüssel, Erfüllung von Berufswünschen, scheinbare Arbeitsplatzgarantien oder Gesundbetereien usw., usw. in der neuapostolischen Hauspostille "Unsere Familie" in allen neuapostolischen Familien sowie in alle Länder rasante Verbreitung, wodurch ihre Häufigkeit - falls sie je von den Verlagsschreibern verifiziert wurde bzw. werden konnte - maßlos übertrieben wurde. Zum anderen wurden ähn-liche Erfahrungen in anderen Glaubensgemeinschaften entweder nicht bekannt (es konnte ja nicht sein, was nicht sein durfte ...) oder sie wurden der eigenen Glaubensklientel vorenthalten bzw. totgeschwiegen. Mit derartigen Machenschaften wurde die göttliche Führung der eigenen Glaubensrichtung maßlos überzeichnet und gleichzeitig der Mangel an einer solchen bei den anderen Glaubensgemeinschaften als sicherer Beweis für deren Irrtum beim hauseigenen Glaubensklientel verbreitet. Die Werbewirksamkeit solcher Geschichten war enorm und steckt bei vielen Mitgliedern noch heute derart in den Köpfen, dass sie jegliche Missstände klein reden bzw. als typische Menschlichkeiten abtun.
    Missverstanden oder nicht erkannt wird dabei, dass 'Glaubenserlebnisse' im Grunde genom-men persönliche Erfahrungen mit dem Göttlichen sind, die gerade nicht in ein konfessionelles Glaubens- bzw. Lehrkonstrukt gepresst werden wollen. Wenn Gott das persönliche Vertrauen eines Menschen auf die eine oder andere Art segnet und ihn Dinge erleben lässt, die wider die Natur oder die statistische Wahrscheinlichkeit usw. gehen, so lässt ER solches um des betref-fenden Menschen willen geschehen, aber mit Sicherheit nicht wegen dessen konfessioneller Zugehörigkeit oder Denkrichtung und schon gar nicht, um deren Glaubenskonstrukt damit zu legitimieren. Gott sieht das Herz an, lassen uns die Bibelschreiber wissen, und weil eine Glau-bensinstitution bzw. Kirche kein Herz hat, geht es um den Menschen und nicht um eine bestimmte Kirche. Wer solches auf seine Kirche bezieht, begibt sich dabei auf das Niveau von Heerführern etc., die für den Sieg der eigenen Armeen beten, oder von Fußballfans, die glauben, Gott hätte (vielleicht aufgrund der Heftigkeit ihrer Bitten) die eigene Mannschaft ge-winnen lassen ...
  10. Die Parodie der Verbalinspiration theologisch ungebildeter Laienpredigt   
    Zusammen mit der geglaubten unfehlbaren Geistesführung und den damit verbundenen Glau-benserfahrungen zieht sich als weitere Parodie des Werkes Gottes die Vorstellung der Gött-lichkeit der Predigt sowie die damit verbundene Eigenschaft, als Amtsträger der neuaposto-lischen Kirche sprechender Mund Gottes zu sein, durch alle Zeiten. Hervorgerufen worden der-artig unrealistische Vorstellungen durch ein fachlich unbelesenes und dekontextualisiertes Bibelverständnis, aufgrund dessen beispielsweise Jesus zugesprochene Aussagen wie in Lk 10,21 oder Mt 11,25, wo Jesus seinen Vater preist, dass er sein himmlisches Wissen den Weisen und Klugen verborgen und dafür den Unmündigen offenbart habe, wörtlich für die eigene Laienpredigt in Anspruch genommen und - im Gegensatz zu den "studierten Predigten" der Landeskirchen - sogar als Maßstab für wahrhaft heilig-geistliche Offenbarung verkauft wurde. Nun sind sicherlich auch manche Predigten studierter Pfarrer oder Priester nicht unbedingt das Gelbe vom Ei, aber sie sehen sich auch nicht als sprechender Mund Gottes. Erst die kritischen Einwände hinsichtlich neuapostolischer Predigtergüsse ließ in der Kirchenleitung langsam die Ahnung reifen, dass solche Vorstellungen wohl kein längeres Haltbarkeitsdatum bekommen könnten.
    Nun wird mittlerweile zwar der menschlichen Seite des "Gotteswortes" mitsamt seiner Irrtums-anfälligkeit und Subjektivität zunehmend mehr Aufmerksamkeit geschenkt, aber dies geschieht nicht so sehr aus eigener Einsicht in die tatsächliche Ursächlichkeit des Problems, sondern zumeist aus der Nachhaltigkeit der Predigtkritik, die mittlerweile längst auch stammapostoli-sche Predigten überrollt hat. Längst hat das Gros der Mitglieder nämlich mitbekommen, wie wenig Heiliger Geist in so manch neuapostolischer Predigt steckt und wie viel subjektive Vorein-genommenheit und menschliche Vorurteile sich dem wachsamen Auge stellen. Das geht so weit, dass sogar die Predigten des Stammapostels in den diversen Redaktionen (UF, NacToday, Spirit etc.) sprachlich nicht nur geglättet, sondern substanziell verändert werden, wie DS jüngst nachweisen konnte.
    Der Grund könnte u.a. darin liegen, dass Schneider sich selbst im Atemzug eines Gedanken-ganges offen widerspricht. So spricht er beispielsweise von der "Garantie auf Erlösung", um just diese im gleichen Atemzug wieder zurückzunehmen: "Mit der Versiegelung bestätige Gott seinen Willen, den Menschen zu erretten. Keine Macht ist in der Lage, den Heils- und Erlösungsplan Gottes aufzuhalten. Keine deiner Schwächen kann verhindern, dass du erlöst wirst: Verliere nicht deinen Mut. Versuche es immer wieder. Du kannst es schaffen. Gott gibt uns alles, was dazu nötig ist, in das Reich Gottes einzugehen. Er wird niemals etwas zulassen, an dem die persönliche Erlösung scheitere. Diese Garantie funktioniert allerdings nur, wenn die Wiederkunft Christi für dich die oberste Priorität hat."
    Was hier weiß auf blau zu lesen ist, widerspricht der Logik als bester Näherungsindikator für die Wahrheit (vgl. Einleitung unter Punkt 1). Vielmehr erinnert diese Aussage stark an die Werbe-botschaften der berüchtigten Kaffeefahrten, bei denen gutgläubige ältere Menschen gnaden-los über den Tisch gezogen werden. Denn: Was ist das für eine Garantie, bei der man Erlösung zwar schaffen kann, aber nicht notwendigerweise schaffen wird? Welchen Wert hat eine Garantie, die eine Bedingung (wenn die Wiederkunft Christi oberste Priorität hat) stellt, die just im Vorsatz gerade ausgeschlossen wird (keine deiner Schwächen kann verhindern, dass du erlöst wirst)? Warum kann nicht sein, was nicht sein darf, beispielsweise, dass meine 'Schwäche' vielleicht gerade darin bestehen könnte, das neuapostolische Verständnis einer völlig unchrist-lichen und auch ansonsten an den Haaren herbeigebeteten Wiederkunft als nicht glaubhaft ansehen zu müssen (vgl. Punkt 3.12)? Beinhaltet die Garantie, dass Gott niemals etwas zulas-sen würde, an dem die persönliche Erlösung scheitern könnte, nicht genau solche Problem-fälle?
    All dies ist natürlich auch den geistlichen Führern in der Chefetage bekannt - nicht zuletzt durch so manch vehement vorgetragene Kritik ehemaliger Amts- und Würdenträger im Ruhestand, die sich plötzlich damit konfrontiert sehen, sich in kleinen Gemeinden zum Teil völlig unsinnige Predigtergüsse anhören zu müssen und dabei merken, wie sehr selbst ihre Kritik auf taube Ohren stößt. So war es kein Zufall, dass mittlerweile neben der theologischen Überarbeitung der Predigtanleitungen (Leitgedanken) auch Predigtseminare angeboten werden, die auf eine gehaltvollere, weil strukturiertere Predigt abheben. Dass selbst diese äußere Form der Predigt - vom Inhalt schweigt des Sängers Höflichkeit - nicht ohne entsprechende Bildung verbessert werden kann, will im Moment noch niemand in der Chefetage des Werkes Gottes einsehen. Mittlerweile wird dort sogar eher wieder zurückgerudert, lässt doch Stap. J.-L. Schneider in seiner Brandenburger Predigt verlauten: "Wir glauben, dass Gott durch die Predigt zu uns spricht“, denn: „Wo das Evangelium gepredigt wird, ist der Heilige Geist an der Arbeit. Und der Heilige Geist trägt auch unserem Geist Zeugnis, dass wir Gotteskinder sind. Er sagt uns, was wir heute, jetzt, hier tun sollen. Und wenn wir das machen, dann ist Gott bei uns, dann können wir erleben, dass Gott uns kennt, dass Gott uns liebt, dass Gott uns hilft.“ Damit geht es schnur-stracks wieder zurück zu den Anfängen des Werkes Gottes, denn mit dem Dogma der Verbalinspiration der Predigt ist das Werk Gottes nicht nur groß geworden - und dies unab-hängig aller Einwände und Kritiken und wider alle menschliche Realität -, sondern es konnte damit aus der Frohbotschaft problemlos die heftigste Drohbotschaft machen, welche alleine daraufhin angelegt war, als Abschreckung für die Gläubigen zu dienen.
    Eine dieser damit verbundenen Drohbotschaften für alle Gläubigen ist die Pflicht des lücken-losen Gottesdienstbesuches, da - so die klerikalen Machthaber - ein Schwänzen des göttlichen Heilsangebotes zum Verlust von Heil und Erlösung führe. Nichts anderes bedeutet es, wenn der Stammapostel in Sao Paolo/Brasilien meint:"Alles, was zur Gemeinschaft mit Gott notwen-dig sei, werde angeboten: die Wiedergeburt, die Verkündigung des Wortes Gottes, die Verkün-digung der Sündenvergebung, die Sakramente." Gemeinschaft mit Gott wird für den neuapo-stolischen Kirchenpräsidenten also nach wie vor gleichgesetzt mit Gottesdienst. Trotz gegen-teiliger Aussagen im Evangelium (vgl. Joh 4,23ff.) wird auch heute noch weiter an dieser Zwangs-praxis festgehalten, freilich unter formal-kosmetischer Retusche des Zwangsmittels 'Heilsent-zug', wie Dieter Kastl in einem seiner  Artikel deutlich macht. Der Grund ist klar: Wo Kirche als göttlich geweihter Tempel und damit als Haus Gottes gesehen, Gott in personam anwesend geglaubt und deshalb angenommen wird, dass Er Anbieter und Organisator des von Ihm ausgehenden Heils im Gottesdienst sei (daher der Name: Gott dient uns Menschen), wird jegliches Fernbleiben für den Einzelnen als Affront gegen das göttliche Heilsangebot betrachtet und kommt gleichzeitig für die Gemeinde einer Glaubenswehrkraftzersetzung gleich. Denn wer die Gottesdienste in der Gemeinschaft der treuen Gotteskinder und klerikalen Gottesmittler nicht auskauft und dabei zur Schau stellt, dass solches ohne unmittelbaren Schaden möglich wäre, und wer damit gleichzeitig die dafür eingehandelten irdischen Genüsse (Freizeit, Aus-schlafen usw.) vor den Augen der Gläubigen auslebt, untergräbt nicht nur die göttliche, nein auch die klerikal-apostolische Autorität. Dabei geht - wohl nicht zuletzt aufgrund der Laien-haftigkeit der Predigten - auch heute noch die Angst um in Apostelkreisen: Stell die vor, es ist Gottesdienst und keiner geht hin ... - genau dies passiert nun seit Beginn der Internetkritik in zunehmendem Maße (weshalb jährlich hunderte von Kirchen geschlossen werden) und man-che alte Gottesrecken sehen sich in ihren schlimmsten Befürchtungen bestätigt: "Haben wir nicht genau davor ein ganzes Predigerleben gewarnt ...!!!"   
  11. Die Parodie des Studiums an der Hochschule des Heiligen Geistes   
    Geglaubte Geistesführung samt Glaubenserfahrungen und die Göttlichkeit der Predigt führen zu einer weiteren Parodie dessen, was als einzigartige Realität des Werkes Gottes geglaubt wird, nämlich die Veränderungsfähigkeit des Menschen durch die Predigt. Wohl nur extrem selten hat man sich indes die Frage gestellt, warum sich eigentlich so wenig (in den meisten Fällen nichts) ändert an der seelischen Einstellung der Schüler auf der Hochschule des Heiligen Geistes. Selbst nach Jahrzehnten "Herzensbildung" und verpredigter "Jesulehre" lassen sich die typisch menschlichen und vor allem negativen Eigenschaften von Evolution und Sozialisation nicht ablegen. Dazu sollte man folgende Unterscheidung kennen. Die menschliche Wahrneh-mung ist sowohl über die Vernunft (ratio) als auch über das "Herz" (die Emotionen) erreichbar. Während Sprache (Predigt) normalerweise eher die Vernunft anspricht, reagieren Bilder und Musik vorwiegend über das emotionale Zentrum. Das führt zum Dilemma, dass wir mit unserem Verstand die Veränderungsparameter von Vergebung, Liebe, Barmherzigkeit, Hingabe usw. zwar konzeptionell verstehen, sie aber nicht erleben, geschweige denn erschaffen bzw. uns alleine über Predigten aneignen können.
    Was wir über Sprache hauptsächlich erreichen, ist Informationsgewinn, weniger jedoch die Kraft zur Umsetzung dieser Information in Weisheit und vor allem Wesensänderung. Der Hirnforscher Manfred Spitzer hat dies in die Worte geprägt: "Wenn man Kindern ständig sagt, dieses oder jenes zu tun bzw. zu lassen, werden sie im Grunde nur lernen, dass sie sich in dieser oder jener Angelegenheit ständig eine Predigt anhören müssen - Verhaltensänderung wird sich so kaum einstellen."  Ganz das Gleiche passiert in den kirchlichen Moralpredigten, die gut gemeint sein mögen, aber einer alten pädagogischen Maxime anhängen, die sich als über-holt herausgestellt hat.
    Will Veränderung herbeigeführt werden, geschieht dies i.d. Regel über Beispiellernen - was naturgemäß glaub- und vertrauenswürdige Beispiele voraussetzt, aber keine realitätsfernen, weil amtlich beglaubigten Heiligen mit entsprechend autoritärem Führungsgebaren - oder über eigenes Erfahrungslernen. Wenn wir 'metanoia' mit "Umkehr zu neuem Denken" übersetzen, wollen die Menschen mitgenommen werden in dieses neue Denken hinein. Dies setzt u.a. voraus, dass die Prediger bereits dieses Denken in ihrem Lebensalltag beherrschen. Der Präsident des Fußballvereins Bayern München meinte in der Frage eines Nachfolgers: "Der muss u.a. viel vom Fußball verstehen und sich damit einen Namen gemacht haben. Wie willst du einen Thomas Müller oder einen Lewandowski von etwas überzeugen, wenn die wissen, dass du selber nicht einmal einen Ball richtig stoppen kannst...?" Genau darum geht es in allen Lehr- und Bildungsfragen doch. Der Ausbilder oder Lehrer muss auch eine praktische, sprich alltagstaugliche Ahnung haben von dem, worüber er spricht und was sein Schüler erreichen soll.
    Kirchliche Predigten hingegen lassen diese Ahnung viel zu oft vermissen. So dienen sie eher der Einschläferung des Gewissens, weil man sich meist schon damit zufrieden gibt, das "Wort Gottes" ja gehört zu haben und nun einfach zu warten bräuchte, bis es auf wundersame Weise die gewünschte Verhaltensänderung herbeiführen würde. Es ist dies der gleiche Irrglaube wie jener von Schülern, die lesen und lernen gleichsetzen. Ein weiterer von vielen Trugschlüssen, zu dem Kirche im Allgemeinen und der Neuapostolizismus im Besonderen verführt.
  12. Die Parodie einer 200-jährigen Naherwartung   
    Eine mittlerweile schon fast 200 Jahre alte apostolische Parodie ist die ständig verpredigte Nah-erwartung. Seit den 1830er Jahren glaubt man in apostolischen Kreisen, die Wiederkunft Jesu stünde unmittelbar bevor und es gälte dringendst, vor Lauheit und Weltlust zu warnen, weil man nicht zu den törichten Jungfrauen zählen wollte, die umsonst mitgewandert wären. Gebetsmühlenartig wurde Jahrzehnte lang gepredigt, dass die Mitternacht längst vorüber und der Morgen der Ersten Auferstehung bereits am Anbrechen wäre. Zahlreiche ebenso skurrile wie nie eingetroffene Prophezeiungen, wann der Herr kommen würde, säumten den Weg dieser apostolischen Irrungen und Wirrungen, und immer noch glaubt die Geistesetage (wenn auch eher sporadisch - siehe Punkt 8 weiter unten), das Volk Gottes immer mal wieder wach- rütteln zu müssen, denn das Glaubensziel jedes neuapostolischen Christen sei ja nicht das Kommen Jesu zum Jüngsten Gericht, sondern zur Heimholung der Lammesbraut. Mittlerweile ist diese Braut schon fast 200 Jahre alt, hat ziemlich schütteres Glaubenshaar und leidet ent-weder an glaubenspathologischer Realitätsverdrängung oder schaltet bei derartigen Predigten auf säkularen Durchzug ...
    Freilich, kritisch nachdenken wollen die allerwenigsten und sich dabei die Frage stellen, warum das eschatologische Konzept der Apostelbewegung bei Lichte betrachtet eigentlich keinerlei Sinn macht. Warum hätte Jesus im 19. oder 20. Jh. kommen sollen? Was hätte die 'getreuen Brautseelen' in dieser Zeit unterschieden von jenen, die zu allen anderen Zeiten gelebt (und gewartet ...) haben? Und wozu sollte es gut sein, sich eine Art aposteltreuer Glaubenselite hier auf Erden zu sammeln, um alleine mit diesen dann eine himmlische Hochzeit zu feiern, während der große und traurige Rest in den Grausamkeiten des Armageddon versinkt? Geht es dabei nicht erneut um das feudalistische Prinzip der Zweiklassen-Gesellschaft, welches durch die Aufklärung immer deutlicher relativiert und unter moral-ethischen Gesichtspunkten als inhuman verworfen worden war? Denn was ist am blinden Glaubenskriterium so wichtig und geradezu ewigkeitsentscheidend, um in bibeltreuer Aschenputtelmanier (die Guten ins Töpf-chen und die Schlechten ins Kröpfchen) die bösen Ungläubigen ein für alle mal von den guten Gläubigen zu trennen? Heute weiß man längst, dass es wenig nützt nach dem Aschenputtel-Prinzip vorzugehen, denn wer entscheidet schon bei bewusstseins-relevanten Systemen, was gut oder schlecht ist? Zumindest kann dies kein Mensch, weshalb eine derartige Unterschei-dung im erdgeschichtlichen Rahmen keinen Sinn macht. Die Frage muss gestellt werden dürfen: Hat Gott - oder genauer die menschlich gezimmerten Gottesbilder - die Menschen am Ende nur in den (von zeitlichen wie innergemeindlichen Interessen der div. Urgemeinden sowie später dann der div. Konfessionen) entsprechend patriarchalisch durchsetzten und meist de-kontextualisierten Bibelsprüchen in Errettete und Verdammte eingeteilt?
    Dort wo Jesus den Gerechtesten sieben mal des Tages zu sündigen verheißt und damit auf die evolutionäre Sündhaftigkeit des Menschen bzw. der menschlichen Sozialisation anspielt (für die ein Mensch so wenig kann wie für das soziale Umfeld, in dem er aufwächst), erstellt sich keine Obergrenze für die Vergebung und schon gar kein Platz für ewige Verdammnis - und nicht zuletzt auch kein Grund für eine himmlische Zweiklassengesellschaft. Denn der Himmel, oder wie Jesus es nannte, das Reich Gottes, ist kein Ort, auf den wir hineilen, sondern ein Ort, den wir in uns schaffen, damit er durch und mit uns bereits schon im Hier und im Heute Wirklichkeit werden kann. Oder wie es der amerik. Theologe John Ortberg in seinem neuen Buch "Die Ewigkeit ist jetzt - Was Jesus wirklich über Errettung, Ewigkeit und den Himmel gesagt hat" (Rezension hier) ausgedrückt hat:
    "Das Ziel ist es: Gott zu erkennen. Gott zu erkennen bedeutet ein reiches, von Dankbarkeit erfülltes, partizipatorisches Miteinanderleben von Augenblick zu Augenblick. Gott zu erkennen bedeute, sich selbst zu erkennen 'als von Gott geliebten Freund, was ein Geschenk der Gnade ist'. Zudem bedeute Gott zu erkennen das, was Paulus 'die Kraft seiner Auferstehung' genannt habe. Und zwar in den Details und Aufgaben und Herausforderungen meines ganz normalen Alltags, fügt Ortberg hinzu. Der Glaube solle also nicht mehr wie eine einmal erworbene Ein-trittskarte in den Himmel gesehen werden. Der Pastor schreibt: 'Was wäre, wenn Erlösung nicht vor allem bedeutete, uns in den Himmel zu bekommen, sondern vielmehr den Himmel in uns zu bekommen'?“  Womit wir beim neuapostolischen Reglement des Zutritts in den Hochzeits-saal wären.
  13. Die Parodie des konfessionellen Eintrittstickets in den Hochzeitssaal  
    Passend zur gleichen Thematik sei noch auf eine ganz besondere Parodie hingewiesen: die des zunehmenden Herumlavierens, wer schlussendlich am Tag des Herrn dabei sein würde. Da gibt es zahllose Antworten zwischen den Extremen (a) getreu bleibender neuapostolischer Mitglie-der (also von neuapostolischen Aposteln getaufte und versiegelte Brautseelen) und (b) dem Hinweis, dass keiner es so genau wissen könnte - auch der neuapostolische Apostelgeist nicht, sic! -, wem Gott letztlich gnädig wäre (falls ER überhaupt derart menschlich selektiert). Erst jüngst ließ Stap. Schneider verkünden, dass am Tag des Herrn Gott wohl allen seine Gnade schenken würde, "die bis zuetzt die wahrhaftige Sehnsucht hatten nach der Gemeinschaft mit Gott.“ 
    Wenn wir ihn hier beim Wort nähmen, hieße dies im Klartext: Alle Menschen, die wahrhaftige Sehnsucht nach der Gemeinschaft mit Gott haben, werden an der "neuapostolischen Heim-holung" teilhaben können. Stellt sich die Frage, was dann noch "neuapostolisch" dabei ist, denn welcher Mensch wollte nicht Gemeinschaft mit Gott haben? Zumindest doch all jene, die auf irgend eine Art und Weise an ihn als den Gott der Liebe oder zumindest an den Schöpfergott glauben. Womit das neuapostolische Alleinstellungsmerkmal der alleine durch sakramental geadelte Apostelhände bearbeitete Brautseelen komplett ins Wasser fallen dürfte. Damit wäre gleichzeitig das Aus aller mittlerschaftlichen Ambitionen betoniert. Aber wer weiß, vielleicht haben ja auch die diversen Bezirksapostel recht, die den neuapostolischen Katechismus mit verfassten (vgl. u.a. den 8. Glaubensartikel mit KNK 10.1.3) und von einer derartig großzügigen Heimholungsauslegung nach wie vor nichts wissen wollen und sich ihre eigene, mithin eine gebietskirchenabhängige Glaubenslehre zurechtzimmern.
    In der Realität neuapostolischen Wordings (Wortklauberei) freilich sieht die Sache ohnehin anders aus. Da gibt es klare definitorische Zuordnungen und Heilszusammenhänge. Das Wording "die bis zuetzt die wahrhaftige Sehnsucht hatten nach der Gemeinschaft mit Gott“  wird weiterhin entsprechend uralter neuapostolischer Glaubensdoktrin dann so ausgelegt, dass Sehnsucht nach der Gemeinschaft mit Gott sich u.a. im lückenlosen Gottesdienstbesuch der NAK, in der treuen, sprich blinden Nachfolge gegenüber den Aposteln, in der Gemeinde- und Missionsarbeit und überhaupt in der zweifelsfreien Annahme des Wortes Gottes  etc, etc. zeigen müsse. Wo auch nur eine dieser Voraussetzungen fehle, könne man nach neuaposto-lischer Sehensweise nicht von Sehnsucht nach Gottesgemeinschaft sprechen.
    Auf genau diese Doppeldeutung zwischen ökumenischer Außen- und neuapostolischer Innen-perspektive fallen die ökumenischen Vertreter leider nach wie vor reihenweise rein. Ein schönes Beispiel, warum echte und substanzielle Kritik oder kenntnisreiche Einwände immer nur von Menschen kommen können, die einerseits der Doppeldeutigkeit dieses Wordings und andererseits der Doppelzüngigkeit neuapostolischer Apostel mächtig sind. Selbst ein gewiefter Theologe und ausgemachter Kenner neuapostolischer Alltagskultur, wie der EZW-Leiter Dr. Hemmiger, fällt auf das Wording der Apostel und seine 'Außenwahrnehmung' der Predigten immer mal wieder rein, beispielsweise wenn er verlauten lässt: "Ein inhaltlicher Dogmatismus, wie wir ihn bei den Zeugen Jehovas haben - jemand hat die 'absolute Wahrheit' fertig verpackt in Sätze vor sich und zwingt jeden dazu, ja oder nein zu sagen - taucht in der NAK dagegen nicht auf. Die NAK ist sicherlich keine dogmatisch-fanatische Gruppe. In ihr kann man ganz gut leben, solange man keine besonderen Ablöse- oder Konfliktbedürfnisse hat." 
    Desgleichen der Beauftragte für Weltanschauungsfragen der ev.-luth. Kirche Sachsens, Harald Lamprecht, der sich sogar zu der Auffassung verstieg, die NAK hätte neben ihrem exklusiven Kirchenverständnis auch das Bischoff-Dogma überwunden und würde mittlerweile selbst die Bibel als Maßstab christlicher Religiosität vollumfänglich anerkennen. Wer sich die diesbezüg-lich durch unsere vier Webseiten wurstelt, und vor allem die mustergültigen Ausarbeitungen von Detlef Streich zu dieser Thematik zu Gemüte führt und den Katechismus zwischen den Zeilen liest, weiß, wie dogmatisch und gleichzeitig sektiererisch die NAK in der Binnenperspek-tive nach wie vor ist. Der weiß auch, dass im Zweifelsfall das Wort eines lebenden Apostels als zeitgemäßes Gotteswort die Aussagen der Bibel zunichte macht bzw. überstimmen kann. Freilich, solange man gegen einen derartigen Dogmatismus nicht aufbegehrt, sondern braver, sprich gedankenlos unkritischer Mitläufer ist, ist es heute egal, ob man bei der NAK oder bei den Zeugen Jehovas oder den Mormonen zuhause ist - selbst solche Sekten haben heute nicht mehr die Macht und die Mittel, darüber zu wachen, was ihre Mitglieder im Einzelnen tun, geschweige denn, was sie denken.
  14. Die Parodie neuapostolischer Mitglieder-Statistiken      
    Passend zum Wording der neuapostolischen Apostel und mit welcher Doppelzüngigkeit sie die Lehre - je nach Außen- oder Binnenwahrnehmung - zu verkaufen trachten, sei als ebensolche Parodie auch auf die Mitgliederstatistik der NAK verwiesen. Laut NAK-Angaben hatte sie in der zweiten Hälfte der 1990er Jahre fast 12 Mio. Mitglieder weltweit. Dies wurde 2015 deutlich nach unten korrigiert, da - so Kirchensprecher Johanning "… die Sterbefälle nicht in an allen Orten oder nicht ausreichend genug erfasst worden wären." Aus diesen Gründen habe sich die Bezirksapostelversammlung entschlossen, die Mitgliederanzahl der Neuapostolischen Kirche moderat zu senken. Nach sorgsamer Überprüfung ergebe sich für 2014 eine realistischere weltweite Mitgliederzahl von rund 8,8 Millionen. NAKI betont dabei, dass diese reduzierte Zahl nicht auf einen Mitgliederrückgang, sondern auf die Korrektur von früheren, augenscheinlich zu hohen Werten zurückzuführen sei. Ein Schelm, wer Böses denkt - denn natürlich stellt sich die Frage, woher denn nun das plötzliche Wissen über die tatsächlichen Sterbefälle rühre ...??? Wie sollte, mit anderen Worten, 2015 urplötzlich erkannt worden sein, was all die Jahre vorher nicht erkannt bzw. statistisch erfasst werden konnte? Oder auf welchen Zahlen bzw. Meldungen basiert dieser Rückgang um ca. 4 Millionen? Wie können Sterbemeldungen im Nachhinein um einen derart hohen Prozentsatz erhöht werden und aufgrund welcher Basis?
    Mit den zu hohen Werten hat Johanning allerdings nicht ganz unrecht, freilich anders, als er sie in seiner Schrumpfungserklärung verstanden wissen wollte. Mehrere persönliche Interviews mit afrik. Aposteln in den späten 1990er Jahren ergaben, dass die Statistiken in den meisten afrikan. Ländern auf Schätzwerten basierten, da eine echte Zählung aufgrund folgender Gege-benheiten nicht möglich sei: Bei den meisten Mitgliedern der NAK in vielen afrik. Ländern handele es sich um Nomadenstämme, die heute hier und morgen dort seien und sich so keiner Gemeinde zugehörig fühlen. Wenn sie in ein anderes Gebiet zögen, suchten sie dort nach neuapostolischen Gemeinden und gäben sich dort nicht selten als interessierte Besucher aus. Der Grund: So werden sie auf alle möglichen Arten hofiert; bekommen nicht selten Nahrungs- und Genussmittel, können mit med. Hilfe und Unterstützung etc. rechnen und genössen eben die Vorteile von Besuchern, die umworben werden wollen. Da die meisten des Lesens und Schreibens unkundig sind, machen sie beim Aufnahmeantrag lediglich ein Kreuzchen oder einen Daumenabdruck. Da, so Apostel van der Ploeg damals, man als Weißer schwarze Menschen kaum unterscheiden könne, komme es so automatisch zu Mehrfach-zählungen, die nicht zu vermeiden wären. Da außerdem die Kindersterblichkeit sehr hoch sei, die Menschen diese aber entweder bewusst nicht öffentlich machen oder aber die Kirche selber keine Mittel oder Möglichkeiten hat, dies statistisch zu erfassen, schwanken tatsächliche Gemeindegrößen um teilweise mehrere Hundert Prozent. Dies bedeute, so der Apostel, dass die tatsächlichen Mitgliederzahlen wohl um teilweise bis zu 90 Prozent reduziert zu werden hätten.
    In den säkular orientierten abendländischen Kulturen liegt das statistische Problem der Erfassung tatsächlicher neuapostolische Mitgliederzahlen ganz woanders, aber in ähnlichen dimensionierten Fehlergrößen. Da die NAK keine Kirchensteuer erfordere, gibt es dort auch nahezu keine nachweislichen Austritte ehemaliger Mitglieder. D.h., die Kirche führt statistisch bis auf die registrierten Sterbefälle nahezu alle ehemaligen Mitglieder weiter in ihren Statis-tiken. Und zwar noch Jahrzehnte nach deren nachweisbarem Fernbleiben. Die Feiertags- und Form-Christen sind da noch gar nicht eingerechnet. Auch hier dürften deshalb Korrekturen die statistischen Werte teilweise um mindestens 70 Prozent herunterdrücken. Stellt sich natur-gemäß die Frage, ob es denn keine Möglichkeit gäbe, Statistiken von überprüfbar tatsächlichen Mitgliederzahlen zu bekommen - also beispielsweise solche, die regelmäßig die Gottesdienste besuchen?
    Doch, das gäbe es. Beispielsweise, indem man den Hostienverbrauch als statistisches Maß nimmt. Die jüngsten Recherchen (inkl. Anfragen bei NAK-Verantwortlichen) von Detlef Streich in der Frage der Hostienproduktion, welche vom Prinzip her zwar auch nicht die tatsächlichen Gottesdienstbesucher und damit 'echten' Mitglieder genau ausweist (das könnte nur die Zahl der tatsächlichen Hostienververbräuche, die aus nachvollziehbaren Gründen aber geheim gehalten wird), aber doch deutlich näher an der Realität liegen dürfte als die üblichen Statistiken, ergaben ein deutlich differenziertes Bild. Aufgrund der Anzahl der produzierten Hostien wurde klar, dass die offiziellen Mitgliederzahlen der NAK um etwa 80 Prozent auf 20 Prozent der statistischen Werte heruntergerechnet werden müssten. Das ergäbe eine welt-weite Mitgliederzahl von etwa 2.000.000 und eine Mitgliederzahl in Deutschland von ca. 80 Tausend 'echter' Mitglieder.
    Natürlich passen solche Zahlen nicht ins PR-Konzept der Kirchenleitung, denn eine Kirche, die sich als 'Werk Gottes' sieht, kann ohne Zuwächse im Prinzip nicht existieren. Was wäre das auch für ein Gott, der keine Sorge dafür trüge, dass sein Werk möglichst rasche Verbreitung fände, noch dazu, wo daran Heil und Seligkeit bei der Hochzeit des Lammes gebunden sind. Also bleibt im Grunde nur die Flucht nach vorne und die heißt: Was sich beschönigen lässt, wird beschönigt, und was nicht - davon können wir nichts genaues wissen. Dieser Trick ist uralt und hat sich in Jahrzehnten immer als erfolgreich erwiesen. Sogar in Fragen der Glaubenslehre, die mal hier und mal dort verändert werden musste ...
  15. Parodie einer Glaubenslehre, von der niemand etwas genaues weiß ...      
    Beschließen möchte ich diese Beispiele Augen öffnender Glaubens- und Werk-Gottes-Parodien, die m.E. deutlicher als alles andere zeigen, wo es in fundamentalistischen Glaubens-gemeinschaften wie der NAK im Argen liegt und wie sie der Übergang zu gesellschaftlicher Transparenz in Zugzwänge bringt, mit einem Hinweis, der so offen noch niemals in dieser Glaubensgemeinschaft Ausdruck fand. Dank den vergleichenden Recherchen von Detlef Streich kennen wir nun erstens nicht nur Stammapostel Schneiders Glaubensüberzeugung zum neuen Katechismus, sondern auch jede Überzeugung seiner Ahnungslosigkeit. Bezüglich des neuen Katechismus war er ursprünglich der Ansicht: "Ich persönlich – aber auch die Apostel die mich umgeben – sind überzeugt, dass die heutige neuapostolische Lehre genau das ist, was der Herr von uns erwartet, damit wir das Heil erlangen können. Somit müssen unsere Kinder und all unsere Nachkommen er-kennen, dass wir von unserer Lehre überzeugt sind; hören wir also auf, nur von der Vergangenheit zu reden und interessieren wir für das, was heute in unserer Kirche geschieht, was unsere heutige Lehre ist. Ehrlich gesagt, wir können stolz auf unsere Lehre sein. Aber das ist nur möglich, wenn ich diese Lehre kenne. Wir müssen also informieren, müssen aber selbst überzeugt sein wenn wir Andere überzeugen wollen. Das ist der heutige Weg zum Heil." (Gottesdienst vom 01.06.2014 in Toulouse/Frankreich).
    Und wir wissen weiter, dass sich nur fünf Jahre später (im Gottesdienst von Berlin-Charlotten-burg vom 03.02.2019) diesbezügl. geradezu dramatische Änderungen ergeben haben. Nun spricht derselbe Stammapostel über das, was die Lehre ausmacht, in deutlich unterschiedlicher Tonlage, u.a., dass 'man' (gemeint ist wohl der Kreis der Entscheidungsträger) davon keine wirkliche Ahnung habe. Egal ob Erste Auferstehung, Friedensreich, Kirche Christi, Erwählung, Gott, Gottesdienst, der Nächste (und damit verbunden die Frage nach der rechten Glaubens-überzeugung), das Wirken der NAK-Apostel usw. - die Apostel der neuapostolischen Kirche scheinen davon viel weniger Ahnung zu haben als das bisher bekannt wurde. Sie wüssten, so Schneider, im Grunde nur das, was sie als Mensch wissen müssen - und das ist wenig genug. Aber das sei auch gar nicht schlimm, so Schneider, denn das Wissen, von Gott geliebt und geführt zu werden, sei schließlich genug. Also nichts mehr mit einem Heiligen Geist erster Klasse, der alleine dem Apostolat vorbehalten wäre ...
    Selbst wenn man diesem letzten Statement zustimmen wollte, stellt sich doch die Frage: Wofür dann einen 600-Seiten langen Katechismus verfassen? Wofür Amtsträger- und Predigt-Semina-re anbieten? Warum sich mit Fragen der Ökumene und ökumenischen Akzeptanz herumschla-gen? Wozu sich den Kopf zerbrechen, wer alles ins Reich Gottes kommen und wie die Erste Auferstehung in einem ersten Schritt aussieben würde? Wozu Gottesdienste in der Hochschule des Heiligen Geistes anbieten? usw., usw. ..., wenn das Wesentlich doch wieder in der persön-lichen Beziehung des Einzelnen zu Gott liegt?
    Man kann sich des Eindrucks nicht erwehren, dass die zahlreichen Kritiken, die auf die Apostel gerade auch in jüngerer Zeit hereinprasseln, doch ihre Wirkung nicht zu verfehlen scheinen; ja dass damit u.U. sogar ein apostolisches Erwachen verbunden sein könnte, welches - und das ist jetzt die spannende Frage - entweder in einen Reform-Apostolizismus führen könnte oder aber zurück in den restaurativ-fundamentalistischen Apostolizismus der Bischoff-Ära? Man darf gespannt sein.

Der Münsteraner Pfarrer Stefan Jürgens erklärt bei CIG, warum derartige "Glaubensparodien" im Grunde Ausfluss eines nicht überwundenen Kinderglaubens an eine magische Welt sind, in der alles mit allem verbunden ist und sogar Gott nach Belieben beeinflusst werden kann. "Die religiöse Krise der Gegenwart gründet wesentlich darin, dass die Menschen es nicht schaffen, ihren Kinderglauben zu einem Erwachsenenglauben hin zu entwickeln. Wie jeder Mensch Stufen der biologischen Evolution durchlaufe, so durchlebe und durchleide er auch lebensgeschichtlich den Fortgang der geistig-geist-lichen Evolution der Menschheit von einer naiv-magischen Religiosität hin zum aufgeklärt-mystischen Glauben. [...] Während Magie eine archaische Vorstellung ist, dass alles mit allem zusammenhängt und man nur die richtigen Mittel anwenden muss, um das Göttliche nach eigenem Gutdünken zu beein-flussen, bedeute Mystik die konsequente Pflege einer persönlichen Gottesbeziehung. Das schließt ein, durch die Nacht der Gottesferne, des Gotteszweifels zu gehen."

Sobald man jedoch die Jahre lang eingetrichterte Angst vor dem Gebrauch der Gott geschenkten Vernunft - auch und gerade in der Beziehung zum Göttlichen - ablegt, lässt sich der heilig gemachte Schein dieser und vieler anderer Parodien schnell als solcher entlarven (oder zumindest aus dem Internet entnehmen), aber die meisten Gläubigen sind entweder zu lethargisch und/oder sozial zu tief verwurzelt in dieser Kirche, ihren Wunschschlössern und Drohbotschaften, um sich diese Mühe zu machen bzw. den Willen aufzubringen, oder aber sie haben zu große Angst, dass das, was bei diesen Recherchen rauskommen könnte, ihre Welt- und Gottesbilder viel zu sehr erschüttern würde, um damit weiter friedlich - sprich ohne geistige Anstrengungen auf der Suche nach Wahrheit - leben zu können. Warum sonst gibt es keinerlei Aufschrei beim Volk Gottes, trotz ständiger Veränderung von Dingen, die einmal als unveränderlicher Gotteswille eines Gottes verpredigt worden waren, der sich niemals wandelt und auch nicht irrt ...

Sicherlich, die neuapostolische Kirche ist mittlerweile nach außen, also was die äußerlichen Formen und Normen angeht, offener geworden. Sie sakralisiert nicht mehr die vielen Gebötlein (Originalton Richard Fehr) und zwingt sie den Gläubigen als Gottes Wille auf. Insofern ist sie äußerlich weniger sektenhaft als z.B. die Mormonen oder die Zeugen Jehovas, wiewohl sich auch diese nicht gänzlich dem Lauf der Zeit entgegenstemmen können. Das Leben in der NAK ist scheinbar ganz normal, ohne nennenswerte Nachteile oder soziale Komplikationen. Erst bei genauerem Hinsehen und eingehendem Studium der neuapostolischen Theologie wird deutlich, wo ihre Wurzeln liegen und wie verheerend ein gutmütig kindlicher Glaube sich darin auswirken kann - nicht muss, kann, denn das hängt von vielen sozialen und individuellen Strukturen und Lebensumständen ab. Wer eine gute Bildung sein eigen nennt, wahrheitsliebend ist und nicht alte Zöpfe um der Väter Erbe willen verehrt o.ä., der wird sich der konstruktiven Kritik an dieser Glaubensgemeinschaft nicht entziehen können. Wer andererseits Ängste hat, psychisch labil ist und familiären Halt sucht oder einfach an alten Zöpfen hängt usw., der hat u.U. die Freiheit des Menschseins an der Kirchentür abgegeben, ohne sich dessen wirklich bewusst zu sein. Hier unterscheiden sich die geistige Verstocktheit sowie der rückwärts gewandte Traditionalis-mus der neuapostolischen Restaurationskräfte nicht von jenen der katholischen Kirche.

 

5. Doch kaum einer wehrt sich ... 

Dies ist einer der Gründe, warum sich eingefleischte Mitglieder niemals öffentlich wehren werden. Lieber verdrängen sie alle Zweifel und überlassen es der göttlichen Führung, sie zur rechten Zeit zu schützen oder vor größerem Leid zu bewahren. Aber es hat noch einen anderen Grund. Im Zusammenhang mit der Auflö-sung des Informationsmonopols durch das Internet hat die NAK-Führung schnell gelernt, wie sie am besten dagegen steuern kann. Im Grunde gibt es zwei Möglichkeiten, um über das Fußvolk (egal ob Glaubens- oder Staatsvolk) zu herrschen. Entweder über dikta-torische Repressionen oder über die Meinungshoheit. Während sie in den vergangenen Jahrzehnten das Beherrschen des Glau-bensvolks eher über Ersteres zu erreichen suchte, hat sie mittler-weile von den staatlichen Eliten abgeschaut, dass dies über die Meinungshoheit und künstliche Fehlidentitäten (z.B. Likes im NAK-Stream bei Facebook usw., usw.), viel leichter zu erreichen ist.

Wer die Verhaltensweisen der NAK-Oberen genau studiert, wer die tatsächlichen Motivatoren für große Jugendevents, luxuriöse Seniorenausflüge, kindgerechte Märkte usw., wer die Motive für die Schaffung hauseigener sozialer Medienkanäle, über die alleine die Kirchenleitung Kontrolle (und damit ganz subtil Richtungsvorgabe) ausübt etc. erkennt, merkt ganz schnell, mit welch subtilen Techniken und Mecha-nismen hier das Fußvolk still und ansonsten bei der Stange zu halten versucht wird. Auf diese Weise werden neue Identitäten geschaffen, welche von der eigentlichen Sache - nämlich dem nach wie vor hohen systemischen Manipulationspotenzial etc. - erfolgreich ablenken. Ähnlichen Zweck haben im Grunde auch die leutseligen Inszenierungen bei großen Jugendveranstaltungen wie jetzt wieder dem IJT 2019. Da werden großzügig Interviews gegeben und Podiumsdiskussionen mit Zuschauerbeteili-gung (wenn auch mit zensierter) inszeniert, um die Welt-, Jugend- und Religionsoffenheit der religiösen Führer medienwirksam zur Schau stellen und so ein Gegengewicht zu den tatsächlichen Problem-feldern (systemisch-fundamentalistische Indoktrination etc.) schaffen zu können, welches dann die Motivation für kritische Fragen bremst - man will den guten Willen der ohnehin schon strapazierten Gottesknechte nicht auch noch mit kritischen Fragen belästigen usw...

Ein Leserbriefschreiber auf Glaubenskultur hat für die Richtigkeit dieser Darstellung einen geradezu klassischen Beweis geliefert indem er auf die Gegendarstellung von Siegfried Dannwolf (siehe Punkt 1 ganz oben) bezügl. der Rolle der Kritiker und Aussteiger in der Frage von kirchlichen Änderungen u.a. schreibt: "Unsere Kirche war in der Vergangenheit ganz sicher kein leuchtendes Vorbild. Vieles ist falsch gelaufen und auch von den Amtsträgern zu verantworten. Seit ich jedoch dabei bin, wurde gerade von diesen immer wieder auf Missstände in der Vergangenheit hingewiesen und sich explizit dafür ent-schuldigt!! Ich für meinen Teil habe mich jetzt ausführlich mit unserer Kirchengeschichte beschäftigt, gerade weil ich ein bisschen mitreden möchte und vom heutigen Weg der NAK überzeugt bin. Sie hat eingesehen, dass viel falsch gelaufen ist und versucht es nun besser zu machen. UND DAS TUT SIE!!" Leider übersieht der Gute dabei, dass die NAK nicht wirklich versucht, das, was in der Vergangenheit fehlgelaufen ist, besser zu machen, sondern das, was damals wie heute fehl läuft, weil seine Ursachen systemischer Natur sind, geschickter zu kaschieren. 

Auf solche kognitiven Verzerrungen hat u.a. der Soziologe, Psychologe und Wahrnehmungsforscher Rainer Mausfeld in seinen Vorträgen und nicht zuletzt in seinem Buch "Warum schweigen die Lämmer" hingewiesen. Dabei hat er u.a. versucht herauszufinden, warum Menschen sich wider besseres Wissen im Angesicht von Unrecht, Lüge oder Manipulation etc. nicht zur Wehr setzen und Widerstand leisten. Eine der vielen dafür verantwortlichen Ursachen sind neben der individuellen Sozialisationsstruktur dieser Menschen auch die (religiösen oder säkularen) Mechanismen der Führer bzw. Machthaber, gegen die aufzubegehren wäre. Im Bereich der Religion sind solche systemischen Mechanismen, deren meist undurchschaubare Machtentfaltung i.d.R. in geschlossenen Glaubens- oder Herrschaftssystemen zum Tragen kommt, vor allem in Sekten oder Sondergemeinschaften zu finden, u.a., weil dort die öffentlichen Kontrollmechanismen wesentlich weniger greifen.

Wenn hier bereits der Begriff Sekte (Sektenführer) gefallen ist, dann sei darauf hingewiesen, dass der Begriff "Sekte" in diesem Zusammenhang nicht im theologischen, sondern im soziologischen Sinn gebraucht wird. Es geht also nicht um theologische Abweichungen von etwas, was Kirche als "rechten Glauben" definierte - dies führt erfahrungsgemäß in eine Sackgasse, da die Frage nach einer wie immer zu verstehenden "Rechtgläubigkeit" (die es in einer solchen Verallgemeinerung im Grunde gar nicht geben kann) sich theologisch nicht beweisen lassen würde -, sondern um körperlichen Missbrauch (ja, den gibt es innerhalb der geheiligten NAK-Mauern auch; siehe dazu auch den Kommentar von Detlef Streich), spirituelle Manipulation oder geistlichen Missbrauch. Der scheinbar theologische Aspekt der Verbreitung teilweise unchristlicher Lehren ist dann eher ein 'unerwünschtes Nebenprodukt' des geistlichen Missbrauchs.

Obwohl diese Missstände seit nunmehr mehr als 20 Jahren im Internet wie in vielen Büchern plausibel nachgewiesen und zum Teil tiefschürfend recherchiert und dokumentiert wurden, ist die Zahl derer, die im Inneres des System NAK aufbegehren und Antworten wollen, äußerst gering. Selbst nach entsprechend manipulierenden (oder anderweitig unsinnigen) Predigten rührt sich kaum jemand. In aller Regel geht man/frau schnell zu Tagesordnung über und die heißt - unausgesprochen - meistens: Augen zu und durch. Es kommen auch wieder bessere Predigten oder, wenn es um Missstände geht, ist eine der Standardantworten: Das haben wir nicht zu verantworten! Alternativ heißt es auch oft: Wo Menschen am Werk sind, menschelt es eben auch. Weitere Gedanken macht sich in der Regel kaum jemand.

Dies mag auch daran liegen, dass der innere Austritt aus der NAK ohne große Formalitäten vollzogen werden kann. Mit Zunahme der inneren Distanzierung werden einfach die üblichen Veranstaltungen immer weniger besucht und je weniger man mit der damit verbundenen (heimlichen) Indoktrination zu tun hat, desto mehr wächst die Einsicht in die Unhaltbarkeit vieler der in der NAK vertretenen Lehren. Gleichzeitig merkt man zunehmend, wie sehr man an der Nase herumgeführt wurde, spätestens dann, wenn Nachfragen immer weniger überzeugende Antworten liefern, weil die spirituelle Manipulation naturgemäß keine Antworten parat hat (siehe Punkt 7).

Mithin gilt die Regel: Je weniger zwanghaft sich geschlossene Systeme geben, desto wahrscheinlicher ist, dass sich im Fall von Missständen oder Fehlern kaum viele aufregen werden. Sie gehen eben. Und es sieht ganz so aus, als wäre das die Strategie der 'neuen' NAK: Man fährt zweigleisig, wo immer dies geht. D.h., man wählt den Weg des geringsten Widerstandes und bleibt nur unerbittlich, wenn es um das System selber geht. Alles drum herum, vor allem solches, das der PR dient, wird offen gehalten, soll doch ein weltoffene Kirche zur Schau gestellt werden.

Historisch stellt sich gleichwohl auch heute noch die Frage, warum es in all den Jahrzehnten kaum Widerstand gab, in denen das System NAK den Gläubigen durchaus heftige Zwänge und aufgrund schlimmster Drohbotschaften auch unentschuldbar viele Ängste auferlegt hat. Denn der seelische innere Austritt war nicht immer so leicht zu vollziehen, waren daran doch der Seele Seligkeit gebunden. Wer dem Werke Gottes selbst nur in Gedanken den Rücken kehrte, der war für Zeit und Ewigkeit verloren. Diese Vorgaben haben das Denken neuapostolischer Christen über mehr als 100 Jahre geprägt und begleitet. Und das alles hat u.a. mit dem Begriff des Glaubensgehorsams zu tun.

 

6. Glauben steht immer über Vernunft und Denken 

Die fünf Glaubensthesen, die Stap. J.-L. Schneider jüngst den Gläubigen als Allheilmittel gegen jede Form von Zweifel und kritischem Denken eröffnete, zeichnen ein treffendes Bild, um was es in der neuapostolischen Kirche geht: Um ein ebenso sakralisiertes wie oktroyiertes Für-wahr-Halten von niemals hinterfragten Glaubenstraditionen, die im Grunde alle nach der uralten Großmutter-Ausflucht funktio-nieren: "Das habe ich schon seit 70 Jahren so gemacht" - womit eine bestimmte Denkhaltung oder Handlung, und sei sie noch so unsinnig bzw. unzeitgemäß, für alle kritischen Fragen tabuisiert wird. Dies gilt z.B. auch für die Wahl der Amts- und Würdenträger, wie Schneider hier unmissverständlich verdeutlicht. Seine geradezu trotzig eingebrachte Immunisierung des Glaubens, wenn es darum geht, die eigenen Interessen durchgesetzt zu wissen, erinnert an kleine Kinder, wenn man ihnen ihre Spielsachen weg-nehmen will. Dabei wimmelt es in der Geschichte der neuapostolischen Kirche geradezu von amtlichen Fehlbesetzungen, sodass weder der von Schneider beschworene Glaubenszwang (was die Akzeptanz des jeweiligen Amtsträgers betifft) noch der Hinweis auf seine stammapostolische Verantwortung, im Fall der Fehlbesetzung von (Bez.-)Aposteln argumentativ greifen. Die Praxis zeigt nämlich, dass da weder Gott die Auswahl traf noch die jeweiligen (Stamm-)Apostel ihre Verantwortung wahrnahmen und für Fehlentscheidungen zurücktraten. Vielmehr ist sein verbales Pochen auf den Glauben eines der typischen Merkmale neuapostolischer Sozialisation und neuapostolischen Glaubensverständnisses. Ein Hinterfragen des Glaubens ebenso wie des Geglaubten ist ein Tabubruch und wird unter keinen Umständen toleriert.

Nebenbei bemerkt ist dieser Für-wahr-halte-Glauben der beste Beweis für die Sektenhaftigkeit des ihn einfordernden religiösen Systems, da seine Selbstimmunisierungsfähigkeit nicht auf eigengesteuerter Beziehung, sondern auf sektiererischer Fremdsteuerung basiert. Der so in Anwendung gebrachte Glaubensbegriff hat denn auch lediglich Alibifunktion, indem er moralisierend von dem ablenkt, was eigentlich ausgehebelt werden soll: Die schöpfungsbedingte Fähigkeit des menschlichen Geistes, Wahr-heit von Irrtum aufgrund von Erkenntnisgewinn zu trennen (übrigens der einzige Weg dazu). Alles andere, und dazu zählen Schneiders Glaubensthesen, hat bestenfalls den Wert von Durchhalteparolen (vgl. dazu auch F.-C. Schlangens Kommentar vom 1. Aug. 19).

Die Bibel hat solch paradoxes Denken in nicht weniger unsinnige Worte gekleidet, wodurch deutlich wird, dass es sich um typisch menschlich konditionierte Verhaltensweisen handelt, die nicht selten kindhaften Trotz zur Tugend erklären wollen: "Ohne Glauben ist's unmöglich, Gott zu gefallen usw...."; Aussagen wie diese (vgl. Hebr. 6, wobei der ganze Hebräerbrief voll davon ist), war und ist die Grund-lage, auf der die neuapostolische Apostellehre ebenso wie das ganz Apostelsystem seit fast 200 Jahren aufbaut. Auf diese völlig verdrehte Form von Glauben bauen dann auch neuapostolische Fundamental-begriffe wie 'Glaubensgehorsam'. Unabhängig ihrer gnadenlosen Dekontextualisierung wird hier aber aus einem anderen Grund der Bock zum Gärtner gemacht. Es geht nämlich nicht länger um Erkenntnisgewinn, welcher durch den Heiligen Geist, der in alle Wahrheit führen würde, zu erlangen wäre, sondern um dogmatischen Wahrheitsbesitz, der den unerschütterlichen Glauben erst legitimiert. Denn erst der (geglaubte) Besitz von etwas lässt Verteidigungsmechanismen (theologisch: Apologetik) als zielrelevante Notwendigkeit erscheinen.

Und genau darauf baut die neuapostolische Apostellehre und alleine darum geht es den hochbe-zahlten NAK-Führern wirklich: Über die Instrumentalisierung scheinbar göttlicher Anordnungen (Stich-wort: Vollmachten) findet eine spirituelle und nicht zuletzt auch finanzielle Ausbeutung der Gläubigen statt. Diese werden mit scheinbar göttlichen Segensmechanismen und ansonsten vagen Versprechun-gen geködert, um sie dann in der Zwangsjacke blinden Glaubens und Gehorsams in ihre Führung zu binden. Nur so lassen sich Glauben und Gehorsam zu einem Gesamtpaket verknüpfen, ohne dass die haarsträubende Inkompatibilität mit dem jeweils anderen Begriff auffällt.

Nicht zufällig geht es im Römerbrief auch um etwas ganz anderes. Das griechische Wort 'hypakoe pisteos' wird seit Luther meist mit 'Gehorsam des Glaubens' oder 'Glaubensgehorsam' übersetzt. Dabei kann der Akt des Glaubens niemals ein Gehorsamsakt sein, da Glauben und Gehorsam sich von ihrer Ursächlichkeit her diametral unterscheiden. Und genau darum geht es, denn 'pistis' (Glauben) bedeutet bei Paulus zunächst 'Trauen/Vertrauen', weist somit hin auf eine Haltung gegenüber einer Person. Der Zusammenhang ist einleuchtend, denn erst indem ich einer Person vertraue, eröffnet mir die Möglichkeit, den jeweiligen Inhalt des Glaubens anzunehmen. Mithin geht es gerade nicht um eine Art der Unterwerfung unter den Willen eines anderen, schon gar nicht, wenn dieser mit dem Anspruch einer amtlichen Pflicht oder Autorität auf mich zutritt.

Insofern ist es naheliegend, auch den Begriff 'hypakoe' in Röm 1,5 nicht mit 'Gehorsam' zu übersetzen, zumal das Thema des Römerbriefs Glauben im Sinn eines beziehungshaften Vertrauens ist und nicht ein untertäniges Gehorchen. Vielmehr geht es um ein Akzeptieren der frohen Botschaft, indem ihrem Urheber - Gott - Vertrauen entgegengebracht wird. Es geht mithin um das gesamte Beziehungsprinzip zwischen Gott und Mensch, in dem der Akt des Glaubens zur Akzeptanz der göttlichen Botschaft bzw. des göttlichen Willens wird. Nicht Gehorsamsakt gegenüber menschlicher Autorität, sondern Ver-trauensprinzip gegenüber göttlicher Liebe und Fürsorge. Genau auf diesen Zusammenhang hebt denn auch die Neue Genfer Übersetzung (NGÜ) ab, wenn sie Röm 1,5 treffender als die Lutherübersetzung übersetzt: "Durch ihn, Jesus Christus, unseren Herrn, hat Gott mich in seiner Gnade zum Apostel für alle Völker gemacht, damit sie das Evangelium annehmen und an Jesus glauben und damit auf diese Weise sein Name geehrt wird."  (Entscheidende Stelle im Fettdruck)

Das Evangelium annehmen setzt aber nicht Gehorsam voraus, sondern Erkenntnis und Vertrauen. Denn 'annehmen' bedeutet 'in den eigenen Lebensalltag einbauen und in die Tat umsetzen'. Oder wie Dieter Kastl das jüngst anmahnte: Nicht nur vom Evangelium reden, sondern es beispielhaft vorleben. Die dazu benötigte Kraft und Weisheit kann nur Gott schaffen, nicht irrtumsanfällige Menschen. Insofern ist der Römerbrief eine Aufmunterung, Gott wirken und schaffen zu lassen und in diesem Wirken zu erkennen, dass die Grundaussagen des Evangelium nicht Menschen gemachte Ideologien oder Wunschträume sind, sondern unter göttlicher Autorität stehen. Im Grunde um nichts anderes geht es in der Apostelgeschichte, als sich die Apostel wegen ihrer Predigten vor dem Hohen Rat mit dem Hinweis verteidigten, Gott mehr gehorchen zu müssen als den Menschen (Apg 5,29). Leider haben die Kirchen, allen voran die röm.-kath. Kirche, daraus ein hierarchisches und nicht zuletzt auch politisches Machtgefüge gemacht, in dem es um Befehl und Gehorsam, und, vor allem im Fall der neuapostolischen Apostel, um Segens- und Heilsgewährung oder -entzug geht. Genau das aber ist spirituelle Manipulation auf höchstem Niveau. Denn die Welt-, Menschheits- und Religionsgeschichte haben tausendfach bewiesen, dass Gehorsam - jede Form von Gehorsam und egal wem gegenüber - eine Entpersonalisierung des Menschen voraussetzt, die unweigerlich in eine Entindividualisierung mündet. Gehorsam ist die Fernbedienung der Machthaber, egal ob in Kirche oder Staat.

Trotz der Tatsache, dass diese Missstände sich teilweise offen und vor vielen Zeugen abspielen, rührt sich kaum jemand. Einerseits wurden die Mechanismen von Hörigkeit und das dazugehörige mittelalterliche Drei-Affen-Prinzip ("Audi, vide, tace, si tu vis vivere pace": zu deutsch: Höre, sieh und schweige, wenn du in Frieden leben willst) über die Jahrzehnte heftigst in die Hirne der Gläubigen eingebrannt. Zu heftig, als dass die Mitglieder den Mut aufbrächten, mit den Füßen abzustimmen und die NAK-Führung zur Rechenschaft zu ziehen. Andererseits stellt sich ganz natürlich die Frage nach dem Warum des Aufbegehrens und Kämpfens gegen Windmühlenflügel - wo doch der viel einfachere Weg der des Abwanderns ist. Dies freilich ist in allen Sekten und fundamentalistischen Gemeinschaften so - es ist quasi ihr Charakteristikum. 

Grund Nr. 1 - Arroganz & Ignoranz   

Hauptgrund für diesen Zustand ist die historisch wie ekklesiologisch bedingte Ignoranz der Kirchenleitung, die Bedürfnisse oder Vorschläge der ihr anvertrauten Gläubi-gen auch nur ahnungsweise zur Kenntnis zu nehmen. Zwar war auf Druck der durch das aufkommende Internet aufgedeckten Missstände Mitte der 1990er Jahre ein sog. Gremium für besondere Angelegenheiten (GbA) ins Leben gerufen worden. Aber das war lediglich als Anhörungs-stelle gedacht, um aus erster Hand zu erfahren, was die Kritikerseite überhaupt an Beweismaterial zur Verfügung hätte. Es war von Seiten seiner Initiatoren nie als Organ zur gemeinsamen Erörterung oder gar Diskussion von geistigen oder geistlichen Defiziten betrachtet worden. Aber auch alle sonstigen Versuche, direkt oder indirekt mit der Kirchenleitung auf Augenhöhe über Probleme und Missstände zu reden, wurden von der Kirchenleitung samt und sonders niedergeschmettert. Dies war auch nicht anders zu erwarten, denn ein Amts- bzw. Apostelverständnis, das über eine höhere Wahrheit verfügt als der Rest der Menschheit, wird niemals andere Erkenntnisse gelten lassen - seien sie auch noch so richtig und unwiderlegbar. Dies wurde erst jüngst wieder deutlich in einem Monatsrundschreiben für Amtsträger, in dem zum Ausdruck kommt, dass die jeweilige Kirchenleitung nicht im Traum daran denkt, demokratische Strukturen auch nur ansatzweise in Erwägung zu ziehen. 

Das zeigt sich besonders in der unseligen Thematik der Gemeindeschließungen. Hier wird die Glau-bensheimat zahlloser gläubiger Mitglieder mit einer Handbewegung vernichtet und dazu gibt es dann Kommentare wie diesen: "Und wenn nun die Entscheidung vielleicht nicht so ausgefallen ist, wie es sich der eine oder andere erhofft hat, so ist es doch jetzt ein Neuanfang der neuen Gemeinde Schramberg und es gelte, die neue Gemeinde so zu gestalten, dass sich jeder wohlfühlt." Im Klartext heißt dies: Die Sache ist nun mal so entschieden worden und eure Aufgabe ist nun, das Beste daraus zu machen.

Arroganter und, was die Interessen der Glaubensgeschwister angeht, ignoranter kann man kaum sein. Hier wird Amtsstatus und Amtsmacht groß und Seelsorge ganz klein geschrieben. Diese Art zu denken und zu handeln setzt sich wie ein roter Faden in der Geschichte der neuapostolischen Kirche seit über 100 Jahren fort. "Willst du nicht mein Bruder sein (sprich: dem System zu Diensten), dann schlag ich dir den Schädel ein" ist das dahinter stehende, patriarchalische Denken und es ist bis heute nicht ausge-rottet aus diesem Verein.

Grund Nr. 2 - Gezüchteter Untertanengeist  

Hierin besteht nun für Glaubensgemeinschaften wie die NAK das eigentliche Dilemma. Denn von Anbeginn an hatte es nie eine konstruktive Kommunikations-, geschweige denn Argumentationskultur gegeben. An ihrer Stelle gab es eine aufoktroyierte Glaubenskultur nach dem Schema: "Geht's auch wider die Natur, (=Apostel/Kirche/Segensträ-ger usw.) spricht ja, glaube nur!" 

Blinder Vasallenglauben, aufbauend auf dem Untertanen-denken des 19. Jhs. (siehe Bild links), war und ist der Kit, der die NAK bis heute zusammenhielt, denn mittels dieser Form des instrumentalisierten Glaubensgehorsams konnte im Grunde alles durchgesetzt und vertreten werden, was die Führung wollte - die unten hatten es einfach zu fressen. Fragen um oder über das Warum, Wozu, warum nicht anders usw., durften aus systemischen Gründen erst gar nicht gestellt werden.

Dies führte einerseits zu Duckmäusertum auf Seiten der Gläubigen und andererseits zu gewollter Intransparenz auf Seiten derjenigen, die auf der Hierarchieleiter jeweils die höhere Sprosse innehatten. Insofern verlief jede Form der Information immer von unten nach oben, aber äußerst selten von oben nach unten. Denn Information bedeutet Macht und Macht wird weder in Religionsgemeinschaften im Allgemeinen noch in fundamentalistischen Gemeinschaften im Besonderen gerne geteilt. 

Der Effekt: Neuerungen kommen immer nur kontrolliert spärlich und wenn dann im hierarchischen Kaskadensystem von oben nach unten. Und dies auch bestenfalls häppchenweise. Und auch dann noch werden sie vom Gros des Glaubensvolks negiert, wie die im Grunde nicht zur Kenntnis genom-menen Änderungen von Schlüsselgewalt, Auferstehungsordnung, Taufordnung oder das werbewirk-sam verkaufte 'Dienen-und-Führen'-Konzept nachhaltig unter Beweis stellen. Selbst die geschickt inszenierte "Apostolische Versöhnung" zwischen NAK und VAG wurde kaum zur Kenntnis genommen, weil das alles im Grunde kaum jemanden wirklich interessiert.

Vor diesem Hintergrund betrachtet war das Aufkommen des hierarchielosen Internet mit seinem freien Informationsaustausch ein Paukenschlag für die Kirchenoberen, den viele von ihnen bis heute nicht verkraften konnten. Noch allzu gut erinnerlich sind Richard Fehrs Schimpfkanonaden auf das Internet, in dem seine ach so göttlichen Predigten schon am Montag verrissen würden. Wie konnte es je einen solchen Frevel geben? Offensichtlich war Fehr damals weder bewusst, was er so manchmal an Seiten-hieben und unqualifizierten Äußerungen betreff anderer Glaubensgemeinschaften oder Andersden-kender predigte noch was seine Öffnungsabsichten eigentlich bedeuteten: die Änderung eines restrik-tiven, geschlossenen Glaubenssystems, das just von dieser Geschlossenheit lebte. 

Grund Nr. 3 - Kindhaftes Bibelverständnis   

Der Ursprung der Neuapostolischen Glaubenslehre reicht in die Erweckungszeit und damit in eine Epoche zurück, in der die Bibel erst langsam aus dem Sumpf des wörtlichen Gottesdiktates entzogen wurde. Diese ursprüngliche Sozia-lisation der sog. 'Bibeltreue' hat die neuapostolische Glau-benslehre leider immer noch nicht wirklich verlassen - zu verführerisch ist die Vorstellung auch heute noch, Gott und göttliche Wahrheit könnten als schriftliches Dokument nach Hause getragen und dort für alle Zeiten als Legitimation des Glaubens verwahrt werden. Denn nun, so das gängige Wunschdenken, hätte man einen unwiderruflichen Nach-weis göttlicher Herkunft, der alles eigenständige Denken und Ringen um Wahrheit unnötig macht. Wie schon die Zeitgenossen Jesu könnte man jedem kritischen Einwand begegnen: "Es steht aber geschrieben ...!"

Passend zu dieser Art von treuherzigem Bibelverständnis, welches die Aussage eines Textes am grammatischen Wortsinn und nicht an seinem kontextuell-semantischen Textsinn festmacht, will folgender kleine Dialog zeigen, zu dem das Bild (links oben) gehört:

Ein Mann sitzt auf dem Dach seines Hauses und wartet darauf, dass Gott ihn rettet.

Kommt einer im Boot vorbei und sagt: „Steig ein!“ Der Mann: „Nein, Gott wird mich retten.“

Das Wasser steigt ... Drei Stunden später kommt wieder ein Boot vorbei: „Steig ein, es wird höchste Zeit!“ Der Mann entgegnet bibeltreu: „Nein, Gott wird mich retten.“ 

Das Wasser steigt weiter ... Vier Stunden später kommt das Boot zum dritten Mal vorbei, aber der Mann weigert sich immer noch einzusteigen, weil Gott ihn retten würde.

Der Mann ertrinkt, kommt in den Himmel und beschwert sich: „Du hast gesagt, du würdest mich retten, doch ich bin ertrunken!“  

Gott antwortet: „Ich hab dir immer wieder Rettungsboote gesendet aber du wolltest einfach nicht einsteigen.“ 

Was hier deutlich werden sollte, ist die Gegenüberstellung einerseits der Vorstellung eines unmittelbar in die Materie bzw. die Naturgesetze eingreifenden und die menschlichen Geschicke lenkenden Gottesbildes (was das wörtliche Bibelverständnis zum Ausdruck bringt) im Vergleich zu andererseits einem Gottesbild, das im Menschen und seinen Äußerungen und Handlungen zum Ausdruck kommt und so indirekt auf die Geschicke des Einzelnen Einfluss nehmen kann (was ein textkritisches Bibelverständnis notwendig macht). Gegen ein derartig sakralisiertes Bibelverständnis, wie es in der NAK geglaubt und gepflegt wird und welches als verbal inspiriertes bzw. persönlich offenbartes Gottesdiktat gesehen werden will, lässt sich argumentativ nichts ausrichten. Ein Mensch, der sich einem solchen Glaubenskonstrukt ausliefert, hat sich gegenüber jeglicher Wahrheit immunisiert. Kein Geist der Welt - auch kein Heiliger Geist - kann ihn aus seinem selbst verschuldeten Irrtum befreien und zurück auf den Weg der Vernunft und Logik bringen. Das ist es auch, was den sog. Objektglauben - es ist kein Beziehungskonstrukt und deshalb kein wirklicher Glauben - so gefährlich macht und der Grund, warum es zu allen Zeiten Glaubensgemeinschaften gab, deren Mitglieder bewusst und willentlich ihren Schöpfergeist an der Kirchenpforte abgaben, weil sie sich nur so Zugang zu Gottes Allerheiligstem versprachen.

Grund Nr. 4 - Systemische Intransparenz

Aber auch auf der kommunikativen und der informationellen Ebene läuft in der NAK vom System her einiges schief. Denn wie in jedem System geht es auch und gerade im geschlos-senen NAK-System um das systemische Denken innerhalb der Führung. Daher gilt: Findet Führung statt über Mechanismen der Fremdsteuerung und dogmatischen Oktroyierung von Glauben und Lehre oder über Introspektion, also der Fähigkeit, sich selbst und das eigene Denken ständig zu hinterfragen und damit den Dialog zu suchen ...?

Denn die Ziele, die die kirchliche Führung (auf allen Ebenen) konzipiert und entsprechend weitergibt, sind Ziele, die in den allermeisten Fällen aus der speziellen Sozialisation, Herkunft, sowie den spezifischen Wünschen und Werten der jeweiligen Führungskraft entstanden sind und von daher weder Anspruch auf Richtigkeit, Vollständigkeit und Wahrhaftigkeit noch solchen auf Verallgemeiner-barkeit tragen. Alleine von daher ist Kommunikation nötig, aber auch faire Argumentation, um die Ziele, die oben gewünscht werden, auf allen unteren Ebenen verwirklichen zu können oder eben fallen zu lassen. Auch und gerade im Hier und im Heute gelten die oben zitierten Wortes des Münsteraner Theologen Michael Seewald: "Das Gewicht eines Wortes bemisst sich dabei nicht am Weihegrad, sondern an der argumentativen Stärke seines Sprechers."

Das augenfälligste Beispiel von mangelnder Transparenz und Offenheit liegt allerdings im Bereich der Finanzen. Weder werden die Gläubigen informiert über die individuelle Verwendung ihrer Spenden/ Opfergelder noch über die diesbezüglichen Alternativen, ganz zu schweigen von den Gehaltsstrukturen des Führungspersonals ihrer Kirche (siehe Verdienstvergleich unter Punkt 9 ganz unten). Hätte es nicht die Steuernachweise aus der Schweiz gegeben, niemand hätte jemals gewusst, mit welchen Summen sich die Kirchenleiter seit Richard Fehrs Gehälterreform bedienen. Davon können Landespfarrer oder Dekane nur träumen. Aposteljahresgehälter im sechsstelligen Bereich - davon können die allermeisten Geschwister nur träumen (siehe weiter unten unter Punkt 9: "Managergehälter").

Ebenso interessant wie arttypisch im Zusammenhang mit mangelnder Finanztransparenz ist auch die Gründung des Neuapostolischen Finanzkomitees im Jahr 2014, dessen Zweck es angeblich sei, den Stammapostel und die Bezirksapostelversammlung in ausgewählten finanziellen Angelegenheiten zu beraten. Dazu, so heißt es, sei es erforderlich, Strategien und Prozessen für die finanzielle Gouver-nance der Kirche zu entwerfen. Insbesondere soll dabei eine verbesserte Transparenz zum Tragen kommen. Wie aberwitzig und gleichzeitig irreführend dieser Anspruch ist, zeigt sich in der Besetzung, die sich ausschließlich aus denen rekrutiert, die sie eigentlich beraten soll. Auf diese Weise werden der Bock zum Gärtner und der Täter zum Opfer gemacht.

Fazit:   

Mithin geht es also weder um individuelle Auswüchse (die gibt es immer und überall, wo Menschen am Werk sind) noch darum, im Umkehrschluss alles und jedes schlecht machen zu wollen. Wie in anderen Lebens- und Glaubensgemeinschaften gibt es auch in der Neuapostolischen Kirche gute und schlechte Eigenschaften und Handlungen, und dies auf individueller genauso wie auf Gemeindeebene. Gerne sei hier beispielsweise eingeräumt, dass die Glaubensgemeinschaft auf musikalischem Gebiet durchaus Großartiges geleistet hat - auch wenn einschränkenderweise dazu zu bemerken ist, dass damit in erster Linie Werbung betrieben wird für ihre allgegenwärtige Glaubensmission . Hier wie in anderen Bereichen gibt es christliches Gedankengut ebenso wie sektiererisches, Wahrheiten genauso wie Halb-wahrheiten und Irrtümer usw. - die gesamte christliche Lehre ist im Grunde ein Sammelsurium von Wahrheiten, Halbwahrheiten und Irrtümern.

Worum es den kritischen Stimmen in erster Linie geht, sind Missbräuche und Manipulation auf allen Ebenen kirchlichen Seins. Egal ob körperlicher Missbrauch, wie nicht zuletzt der jüngste Fall in Aachen zeigt, oder seelischer Missbrauch, ob spirituelle oder geistliche Manipulationen, sie alle stellen unter Beweis, dass das hehre Licht göttlicher Provenienz, mit dem sich das "Werk Gottes" so gerne schmückt, mehr aus Nebelkerzen besteht und dem wahren Licht der Realität nicht stand hält. Dies werden die folgenden Abschnitte ansatzweise unter Beweis stellen.

 

7. Das spirituelle Manipulationsinstrumentarium 

Gefangene der Kirche
Gefangene der Kirche

Spirituelle Manipulation, um es vorwegzunehmen, ist das Binden des menschlichen Vertrauens an eine Person oder Sache, die als göttlich oder göttlichen Ursprungs verkauft wird und sich oft erst nach vielen Jahren oder Jahrzehnten als menschlich bzw. menschlichen Ursprungs herausstellt. Es handelt sich, mit anderen Worten, also um eine Täuschung, in der vor allem das Vertrauen des Menschen in religiöse Dinge missbraucht wird. Ob bzw. in wie weit solches im Einzelfall gelingt, hängt u.a. von der jeweiligen Sozialisation des Menschen ab, z.B. also, ob er in einem konservativen oder liberalen Milieu groß geworden bzw. in einer streng religiösen oder eher säkularen Umgebung aufgewachsen ist und nicht zuletzt, welchen Bildungsgrad er und seine Eltern aufweist.

Aus religionssoziologischer Sicht lässt die Milieustruktur der Mitglieder in den ersten zwei Dritteln des 20. Jhs. darauf schließen, dass Obrigkeitsdenken und Führerkult stärker als in anderen Glaubensge-meinschaften zuhause waren. Davon profitierte das auf Herrschaft und Kontrolle angelegte System der NAK, welches von ihren Führern selbst als Theokratie beschrieben wird. Dies wiederum wirkte als sozialer Verstärker zurück auf die Wahrnehmung und damit Einstellung der Mitglieder, die auf diese Weise offen waren für jede Form populistischer Propaganda und Gehirnwäsche bis hin zur Selbstbe-spitzelung.

Solche System sind denn auch wagenweit offen selbst für die abwegigsten Lehrmanipulationen und Sonderlehren, die meist mit dekontextualisierten Bibelstellen begründet werden und so dem einfachen Glaubensvolk gar nicht auffallen. Sie dienen dem System dazu, um jede Form kritischen Denkens von Anfang an zu unterdrücken und wo dies nicht geht, es systemisch zu kanalisieren. Dies beginnt beim sog. 'Wording', einer systemischen Sondersprache, in der Begriffe innerhalb des Systems eine andere Bedeutung haben wie außerhalb, weshalb sie in der Regel außerhalb auch nicht wirklich verstanden werden. Und es endet noch lange nicht bei der Verdrehung nachweisbarer Missstände, die entweder verniedlicht oder als zeitbedingtes Übel euphemisierend als nicht länger existent abgetan werden.

Wie in allen faschistoiden Organisationen ist das System dabei alles und der Einzelne nichts. Daran ändern auch die seit Beginn des 21. Jhrs. eingeleiteten Scheinreformen wenig. Es sind in aller Regel kosmetische Änderungen, welche die Rigidität der Vergangenheit vergessen und die NAK und ihre Lehre für ökumenische Zwecke hoffähig machen sollten. Dazu zählen i.d.R. auch die Änderungen der Lehraussagen, wie sie von Detlef Streich in mühevoller Kleinarbeit hier zusammengetragen werden.

Auf Anhieb könnte man glauben, dass damit alles Sektiererische über Bord geworfen werden würde. Bei genauerem Hinsehen wird allerdings deutlich, dass auch und gerade in den zitierten Predigten im Grunde fast ausschließlich das Eingang fand, was die Internetkritik der letzten 20 Jahre als unchristlich, unökumenisch oder theologisch unhaltbar deutlich gemacht hatte (siehe auch weiter unten). Das hinter diesen Missständen stehende System, das für diese Defizite verantwortlich zu machen ist - Verherrlichung von Amt und Apostolat, dogmatischer Heilsexklusivismus, Amtshierarchie und Macht-streben, Intransparenz auf allen Ebenen, Kritikunfähigkeit, Vernunftresistenz, patriarchalisches Denken, Vergöttlichung von Amtsträgern usw., usw. - hat sich nur wenig bewegt. Dies ist der fruchtbare Boden, auf dem spirituelle Manipulation wunderbar gedeihen kann.

Kurz zur Unterscheidung zwischen spiritueller Manipulation und geistlichem Missbrauch. Beide Begriffe sind relativ ähnlich und überschneiden sich in Teilen. Grundsätzlich aber gilt: Während spirituelle Manipulation auf fehlgeleitete kirchliche, religiöse oder esoterische Lehren abhebt, die als alleine richtig und notwendig heilsbringend verkündigt werden (ohne deren Akzeptanz man seelisch verloren ist), handelt es sich beim geistlichen Missbrauch um den Einsatz geistlicher Autorität (unter göttlicher Legitimation) zum Ausbau der eigenen Machtposition, mit der seinerseits wiederum das kirchliche Amt und seine scheinbar notwendige göttliche Mittlerschaft rückwirkend unangreifbar gemacht werden. Beide Formen des Missbrauchs gibt es nicht nur in Sekten und sektenartigen Sondergemeinschaften, sondern innerhalb der Religionen insgesamt.

Aufgrund der diversen Sonderlehren in Sekten und Sondergemeinschaften ist spirituelle Manipulation allerdings vor allem dort zu Hause. Das hat u.a. damit zu tun, dass viele Sonderlehren im Prinzip geschaffen wurden, um die Gläubigen in eine ganz bestimmte Richtung zu lenken. Eines der probates-ten Mittel der Unterdrückung aber auch Glaubens- und Gedankensteuerung durch spirituelle Manipu-lation ist dabei das ungeschriebene Gesetz der neuapostolischen Apostel, nicht nur im Auftrag Gottes zu handeln bzw. zu predigen, sondern 'sprechender Mund Gottes' selber zu sein. Dank dieser Anmaßung perlt jede Form von selbst bewiesener Kritik ab wie Seifenwasser. Diese Teflonisierung des Amtes ist eines der eindeutigsten Sektenmerkmale, wie auch Dieter Kastl unlängst ausführte. Und es zeigt, wie wenig sich in der neuapostolischen Kirche wirklich geändert hat.

 

Beispiele für spirituelle Manipulation  

Dabei wurde weder auf die individuellen Lebenszu- und -umstände der Gläubigen Rücksicht genom-men noch auf Logik oder Wahrheit. Hauptsache das System profitierte davon. Ich hatte schon vor Jahren die geradezu perfide Änderung der Botschaft nach Stap. Bischoffs unrühmlicher Heimholung thematisiert. Durch sie haben zahllose Gläubige auf berufliches Fortkommen oder gesundheitliche Vorsorge verzichtet, weil sie im Glauben gehalten wurden, dass Jesus Christus zu ihrer Lebenszeit auf jeden Fall kommen würde. Ähnlich ging es zu im Zusammenhang mit der Änderung der Auferstehungs-ordnung, die für die allermeisten Gotteskinder Lebensinhalt und Lebensziel war und sich dann ganz plötzlich in Luft auflösen sollte (siehe weiter unten). Oder man denke an die Instrumentalisierung des sog. Amtsvermögens, wonach die Mitglieder in ALLEN Lebensfragen ihre Vorangänger (Amtsträger) zu fragen hatten, bevor Entscheidungen getroffen wurden; nun wird im Zusammenhang mit der Änderung der Ämterlehre ganz beiläufig darauf verwiesen, dass bei der Ordination in ein geistliches Amt keinerlei neue Begabungen, mithin kein Amtsgeist (= Amtsvermögen) vermittelt würden, womit im Nachhinein das stillschweigende Eingeständnis verbunden ist, dass die Entscheidungsanordnungen der Segens-träger für die Lebensfragen der Gläubigen im Prinzip reiner Unfug waren.

Um abschließend noch ein jüngeres Beispiel für spirituelle Manipulation zu nennen: In seiner dies-jährigen Neujahrspredigt (2019) offenbarte der neuapostolische Geistliche, Bischof Jürgen Gründe-mann, ein Paradebeispiel für spirituelle Manipulation. Erst stellt er die in der Form eher rhetorische Frage: "Ist man wirklich immer am Reichtum Christus interessiert, oder bevorzugt man lieber ein bequemes Leben?“  (Wobei vorab jeglicher Beantwortung näherhin zu explizieren wäre, was den Reich-tum Christi von einem bequemen Leben unterscheidet.) Alsdann leitet er fast unmerklich mit der geschickt formulierten Fragestellung, wie man diesen göttlichen Reichtum denn nun erlangen könne, über auf das, was mit diesem Reichtum Christi aus neuapostolischer Sicht wirklich gemeint sei. Gründemann: 

"Indem man sich unter den Willen Gottes (= die Anordnungen der Kirchenführung, da diese sich als göttliche Mittler verstehen) und die eigenen Gaben in den Dienst Gottes (= in den Erhalt sowie der Verbreitung seiner Kirche, die als "Werk Gottes" gesehen wird) stelle, bereit ist zu opfern (= sowohl Zeit- als auch Geldopfer für die Kirche und ihre Führer),  sowie auch die Amtsträger annehme (= Euphemismus für Verzicht auf kritisches Denken und kritische Fragen, da sich in diesen Amtsträgern qua Amtsstatus die göttliche Vollmacht offenbart. (vgl. Scheinreform Amtsverständnis im Teil 2)." *

*Die Deutungen in den Klammern dahinter

lassen sich auf den verlinkten Webseiten

  wie in meinen Büchern alle nachweisen.

 

Aber die Schäfchen schlucken alles, sei es aus ritualisierter Fehlwahrnehmung oder aus der Über-zeugung, die 'oben' werden schon wissen, was sie sagen. Insofern hat die Internetkritik (auch wenn das bis heute geflissentlich abgestritten wird) zwar deutlich gewirkt - wie nicht zuletzt der stetige Mitglieder-schwund (und dies nicht nur in Europa wie beispielsweise der 43-prozentige Gemeindenschwund in den den Jahren 1996-2019 in den USA aufzeigt) verdeutlicht -, aber auch sie konnte ein System nicht umkrempeln, das im Namen und Auftrag scheinbar urchristlicher Lehre auf blinden Glauben und klerikale Herrschaft angelegt war. Denn die eigentlichen Grundübel - ökumenisch nicht vertretbare Alleinstellungsmerkmale, die zu allermeist auf fehlgelesenen Bibelstellen und/oder naiv-wörtlichem Bibelglauben basieren, historische, spirituelle und nicht zuletzt auch finanzielle Manipulationen usw. - wurden nicht einmal ansatzweise in Angriff genommen, sondern bestenfalls geschickt kaschiert. Dies musste unlängst selbst der Bezirksälteste i.R. und emeritierte Mathematikprofessor Günter Törner erfahren, als man ihn zu seinem Vortrag zur Aufarbeitung der eigenen Geschichte zuerst ein- und dann nach Gesprächen der Bezirksapostel untereinander postwendend wieder auslud. Derart infantiles Gebaren ist auch heute noch gängige Praxis in der Geistesetage der NAK.

Dazu zählt nicht zuletzt der 2012 veröffentlichte Katechismus, der aufgrund seiner nicht zusammen-hängenden thematisch-theologischen Struktur keine stringente Lehre offenlegt und somit auch kaum eine kritische Lehranalyse zulässt. Dies, so darf angenommen werden, wurde ganz bewusst so inszeniert, um dadurch möglichst unangreifbar zu bleiben - denn wer liest schon einen 600-seitigen Katechismus am Stück, um damit wenigstens die Chance zu bekommen, vergleichende Analysen zu bestimmten theologischen Schwerpunkten anzustellen. Der nach Sachthemen geordnete lexikalische Zugang lässt die werksinhärenten Zusammenhänge zwischen den einzelnen Thematiken so nicht erkennen. Das typisch neuapostolische Heils- und Herrschaftssystem versteckt sich so geschickt hinter der Fassade von Einzelaussagen, deren Widersprüchlichkeit bzw. exklusivistischer Alleinvertretungs-anspruch auf diese Weise dem unbedarften Auge verborgen bleiben.

Und es versteckt sich noch geschickter hinter einer hervorragend inszenierten Maskerade von theatra-lisch dargestellter Bußfertigkeit seitens Stap. J.-L. Schneider in seiner Predigt ind Santo Domingo, wenn er mittels geschickt formulierten Wordings verlauten lässt: „Es ist Jesus, der sein Werk regiert – hüten wir uns deshalb davor, uns wie Herrscher zu benehmen.“  Natürlich wird bei allem, was die Apostel so ins Szene setzen auf Jesus rekurriert, denn nur in ihm haben sie ihre Legitimation. Dass allerdings der Hinweis auf Jesus nicht notwendigerweise Jesus im Gepäck haben muss, das haben Jahrzehnte neuapostolischer Geisteskultur nachhaltig unter Beweis gestellt. Der Fisch stinkt vom Kopf her und dieser Kopf ist eine Geisteskrake, die mittlerweile alle advokatischen Winkelzüge und aalglatteste Polit-Diplomatie perfekt beherrscht.

Was zählt und wovor es aus diesem Grund zu warnen gilt, sind diese systemischen Eigenschaften, die zum nicht unerheblichen Teil aus dem Irrglauben rekrutieren, dass menschliche Mittler (Apostel) von Gott vorgesehen wären, um seinen göttlichen Absichten Gehör und gebührenden Respekt zu ver-schaffen. Im Gegensatz nämlich zum allgemein christlichen Verständnis, wonach das kirchliche Amt lediglich ein Dienst im paulinischen Sinn (Gehilfen des Glaubens) ist, der den christlichen Glauben fördert und die Gemeinschaft von Christen organisch zusammenhält, versteht die neuapostolische Kirche ihr Apostelamt als heilsnotwendige Mittlerschaft zwischen Gott und Mensch, ohne welche der einzelne Mensch keinen vergleichbaren Zugang zu Gott hätte. Und dieser Zugang beschränkt sich nicht nur auf die sakramentale Ebene der Gegenwart, sondern auch auf die eschatologische Ebene der Zukunft. Denn deren Deutung, die im Laufe der Zeit zur Lehre des zukünftigen Heils für die geadelten Brautseelen mutierte, liegt ebenfalls im Machtbereich der neuapostolischen Apostelfürsten. Sie war Werbemittel zur Aufnahme und gleichzeitig eines der Glaubensfundamente der gläubigen Mitglieder. Ohne sie würde der Brautschmuck umsonst erarbeitet worden sein.

 

8. Das Alleinstellungsmerkmal "Erste Auferstehung"

Ein eschatologischer Quantensprung

Der Brautzug - im neuapostolischen Sprachge-brauch die Schar der Gläubigen, die aufgrund der Heimholungsgarantie der damaligen Apostel dem Stammapostel um jeden Preis nachfolgen und als zukünftige Brautgemeinde im Hoch-zeitssaal gelten - ist ein alttestamentliches Bild, welches Jesus in seinem Jungfrauengleichnis nimmt, um auf die Bereitschaft der Braut hinzu-weisen. Wie so vieles mutierte dieses alttesta-mentliche Bild - es zeigt die Hochzeitsgesellschaft, die sich auf den Weg zur Hochzeit macht - in den Köpfen einfacher Zeitgenossen in eine Reisegesellschaft, die mit der Eisenbahn unterwegs ist, da der Begriff 'Zug' als eine Lokomotive mit Waggons gedeutet wurde.

Wie das Netzwerk Neuapostolische Geschichte (Bild anklicken) festhält, zeigt die frühe Deutung der apostolischen Gemeinden auf, dass es sich bei dem Brautzug um die Schar der Brautgemeinde handelt, die beim Heimholen der Braut zur Hochzeit im Himmel zieht. In der Neuapostolischen Kirche symbolisierte ab der Zeit des Stammapostel J.G. Bischoff der Brautzug als sinnbildlich gemeinter abfahrender Zug (Lok mit Personenwaggons) das Kommen des Herrn Jesu und die Abfahrtzeit den Zeitpunkt seiner Wiederkunft, wobei jene Insassen die Brautgemeinde ausmachen, welche der Hoch-zeit im Himmel zufahren.

In den 1980er Jahren wandelte sich dieses Bild und spätestens ab Stammapostel Richard Fehr symbolisiert der Brautzug die bereits fahrende Brautgemeinde, welche auf dem Weg zum Glaubensziel ist, wobei der Lokführer der jeweilige Stammapostel ist, welcher die Schar leitet. Ab da wurde in Gottes-diensten und Deutungen vermehrt darauf eingegangen im Zug zu bleiben und nicht auszusteigen. Denn der Zug symbolisierte die Heimholung der Braut am Tag der Ersten Auferstehung, ein festes Datum im neuapostolischen Heilskalender, das auf keinen Fall übersehen werden dürfe, auch wenn Richard Fehr 2003 im Zuge seiner eschatologischen Reformen aus dem Heimholungszeitpunkt einen Zeitabschnitt gemacht hatte, um die Märtyrer mit ins Boot der Heimholung nehmen zu können. Einige Anmerkungen zu dieser mehr Verwirrung als erhellende Erkenntnis stiftenden Idee findet man hier. Doch in jüngster Zeit scheint die damit verbundene Naherwartung, trotz reformierter Auferstehungs- bzw. Heimholungsordnung, immer mehr an Dringlichkeit und Überzeugungskraft zu verlieren, wie die Betreiber der oben genannten Webseiten unisono feststellten.

 

Erste Auferstehung verliert an Dringlichkeit und Bedeutung  

Vor noch nicht allzu langer Zeit war es noch ein festes Ritual bei allen neuapostolischen Zusammen-künften in Predigt und Gebet auf die Verkürzung der Zeit hinzuweisen, damit die getreuen Brautseelen als die klugen Jungfrauen beim Kommen des Herrn dabei sein und als Lammesbraut in den festlich geschmückten Hochzeitssaal einmarschieren konnten. Das war das Ziel allen neuapostolischen Kämpfens, Glaubens und Strebens. "Schlag an mit deiner Sichel und ernte, denn die Ernte der Erde ist (über)reif", war Teil jedes gottesdienstlichen Gebets und jedes Familienbesuches. Solches hob gleich-zeitig die neuapostolische Kirchen ab von allen anderen Glaubensgemeinschaften - man wähnte sich auf dem höchsten Glaubensberg, von dem aus man über alle anderen Glaubensberge würde ganz berechtigt herabblicken können. Allein von daher war man etwas Besonderes und dieses Besondere war die Erwählung zu einer grandiosen Heimholung, die - so wurde es über Jahrzehnte in jedem Gottesdienst und jedem Familienbesuch in die Herzen und Hirne der Gläubigen gepredigt - unmittel-bar bevorstand. Man machte diese Unmittelbarkeit an den Zeichen der Zeit ebenso wie an den stamm-apostolischen Höhenflügen fest und dieses Glaubensgerüst war der Glaubenskit, der alle und alles zusammenhielt. Niemals konnte sich ein Gotteskind auch nur im Entferntesten vorstellen, dass die Verheißung einmal bröckeln könnte - und sei es auch nur was ihre Unmittelbarkeit betraf.

Aber es gingen Jahre und Jahrzehnte ins Land und die Dringlichkeit konnte immer weniger aufrecht er-halten werden. Nicht zuletzt dank meiner Bücher und Aufsätze, sowie der zahlreichen Internet-kommentare und -artikel, ist so langsam einiges ins Wanken zu geraten. Eine vorbehaltlose Naher-wartung mit gebetsmühlenartigen Dringlichkeitsaufrufen etc. lässt sich eben nicht beliebig lang als relevant und weiterhin gültig verkaufen. Ansonsten verlören die menschliche Zeitbegriffe vollends ihre Bedeutung. Denn dieses Menschsein hat feste Begriffe für feste Vorstellungsinhalte, die sich nicht beliebig dehnen oder anderweitig verändern lassen. Und Begriffe wie 'bald' oder 'in aller Kürze' usw. lassen sich eben nicht unendlich weiter ausdehnen. Ganz schnell verlieren sie dann nämlich an Verlässlichkeit und, notabene, damit auch an Glaubwürdigkeit.

So ist es auch kein Zufall, dass den neuapostolischen Geistesfürsten ihre zunehmend als "Fake News" aufgedeckten Alleinstellungsmerkmale und Zeitverkürzungsszenarien so peinlich sind, dass sie diese zwar nach innen weiterhin mit großer Verve verbreitet wissen wollten - verlören ihre Schäfchen sonst doch noch den letzten Rückhalt für ihre Jahrzehnte lang eingepeitschten Glaubenswunschträume -, aber nach außen wollten sie sich keine Blöße mehr geben, die u.U. den Gastzugang zur ökumenischen Großfamilie (ACK) vereiteln könnte. Auch das gehört zu jenem Lügengebäude, von dem im Eingangs-artikel (ganz oben) die Rede ist und das dafür Sorge trug, dass wir den Absprung schaffen konnten. Denn diese Alleinstellungsmerkmale werden beileibe nicht öffentlich revidiert - davor hätte man viel zu viel Angst, auch wenn die Generation von Gläubigen, die mit dieser neuapostolischen Verheißung erzogen wurde, immer mehr am Schwinden begriffen ist.

Aber selbst dieser Spagat lässt sich nicht beliebig durchhalten. Außen Hui und innen Pfui - jedenfalls was die Sinnfälligkeit ihrer Lehren angeht - kommt der Quadratur des Kreises gleich. So kam, was kommen musste: eine nicht nur nennenswerte, sondern geradezu paradigmenwechselnde Ausnahme: Im Gegensatz zu allen ihren Vorgängern vergangener Zeit sorgen die heutigen Apostel der neuaposto-lischen Kirche mittlerweile sogar explizit dafür, die Bedeutsamkeit der sog. "Ersten Auferstehung" immer mehr unter den Tisch rutschen zu lassen. Zumindest eines ihrer beiden Kernmerkmale - Exklusivität und Unmittelbarkeit - musste Federn lassen.

Wie aller Wandel begann auch dieser langsam und unauffällig. Schließlich handelt es sich um das ehemals größte und wichtigste Alleinstellungsmerkmal der elitären Entrückung in den Hochzeits-saal VOR dem großen Verderben, dem dann die gesamt Restchristenheit ausgesetzt sein würde. Die dringliche Unmittelbarkeit dieses doch so elementar wichtigen Ereignisses wurde seit einigen Jahren seltsamerweise immer seltener gehört.

So fragt denn auch Dieter Kastl in seinem Artikel "Neujahrsempfang 2019 am Kernpunkt vorbei" nicht zufällig: "An exponierter Stelle und vor prominentem Publikum das Scheckbuch zu zücken und sich werbewirksam mit großzügigen Wohltaten zu schmücken, war nicht der Auftrag Jesu Christi an seine Jünger, bevor dieser wieder zu seinem Vater ging. Was ist nur los mit den Aposteln? Warum scheint es ihnen peinlich zu sein, persönlich und in aller Öffentlichkeit auf ihren ganz eigenen und besonderen Auftrag hinzuweisen?"

Was sich unspektakulär anhört, ergibt eine völlig neue Eschatologie, deren Bedeutung in ihrer ganzen Tragweite noch gar nicht richtig erfasst wurde: Die sog. "Erste Auferstehung", heimholendes Alleinstel-lungsmerkmal und ebenso einzig- wie großartige Verheißung für die getreuen neuapostolischen Gläu-bigen, wird zunehmend von ihrer Naherwartungskomponente getrennt. Dieses ehedem hoch-heilige Alleinstellungsmerkmal, nach dem Jesus alleine UND in aller Kürze für die getreuen neuapostolisch versiegelten Gläubigen zum zweiten Mal auf diese Erde kommen würde, war und ist der Dreh- und Angelpunkt neuapostolischer Glaubenslehre seit ihrer Entstehung Ende des 19. Jhs. Ohne diese unmit-telbare Heimholungsgarantie mit eingebautem Zeitzünder hätten die neuapostolischen Apostel im Grunde keinerlei Attraktivität mehr für Menschen, denn ihre Predigten können sich i.d.R. nicht messen lassen mit denen von Geistlichen anderer Gemeinschaften, deren Kenntnis der Bibel und ihrer Ent-stehung und Entwicklung derjenige der neuapostolischen Apostel um Lichtjahre überragt.

Nachdem sich die neuapostolischen Geistesfürsten im Zuge ihrer ökumenischen Brautwerbung ein wenig schlau gemacht hatten, wie groß der bibelwissenschaftliche Vorsprung der christlichen Kollegen tatsächlich ist und dass die ja einen Grund haben müssen, warum sie an keine exklusiv-elitäre Wiederkunft Christi glauben, lassen sie ihr Alleinstellungsprogramm einer baldigen Wiederkunft Christi zur Heimholung ihrer Schäfchen, wie F.-C. Schlangen (am 1. April), Dieter Kastl und Detlef Streich  unterschiedlich aber treffsicher kommentieren, unmerklich aus dem Scheinwerferlicht ihres Lehrge-bäudes rutschen. Zumal sich ökumenische Gemeinschaft und exklusive Heimholung ohnehin zu beißen scheinen. Scheint also wohl nur das Abstellgleis über zu bleiben für DEN Kernpunkt allen Neuapostolischseins, ja DIE neuapostolische Verheißung schlechthin. Man sieht quasi den Zeitpunkt gekommen, an dem die alte Garde nur noch ein Häufchen alter Greise ist, die in aller Regel sowieso nicht im Internet lesen und sich auch herzlich wenig um lehrmäßige Neuerungen o.ä. kümmert. Sie ist, mit anderen Worten, eben eine aussterbende Spezies, mit der die Kirche nicht mehr rechnet, weshalb man auf sie immer weniger Rücksicht nehmen muss. Und so konnte das neuapostolische Apostolat in aller Heimlichkeit Amt und Auftrag, Glauben und Ziel voneinander trennten, ohne gleichzeitig ihre eigene Unantastbarkeit in Gefahr zu bringen.

Sie tun dies aber auch aus einem anderen Grund: Fast 200 Jahre sind mittlerweile ins Land gezogen, seit diese Verheißung einer heimlichen Wiederkunft Christi zur Heimholung einer Glaubenselite zum ersten Mal unters Volk gebracht worden war. Das bedeutet: Seit fast 200 Jahren werden die Gläubigen gebetsmühlenartig auf diese unmittelbar bevorstehende Wiederkunft eingeschworen. Nachdem so inzwischen an die zehn Generationen mit der Unmittelbarkeit dieser Wiederkunft bestrahlt worden waren, stellt sich dem einen oder anderen schon einmal die Frage, wie lange es wohl noch dauern könnte, bis Gott der Herr Feierabend geböte. Mit anderen Worten: Welche Garantie könnten die apostolischen Geistesfürsten ihren Gläubigen mit auf den Weg geben, dass der Herr nicht noch einmal 200 Jahre verzieht? Die ehrliche, wenn auch traurige Antwort ist: keine! Und weil dies so ist, scheint die Chefetage langsam aber sicher die Reißleine zu ziehen und klammheimlich umzuschwenken, ganz nach dem Motto: Wir lassen nicht ab von der Verheißung (will heißen, wir erwähnen sie hier und da mal wieder), aber wir deuten und ordnen sie jetzt anders zu und ansonsten reden wir nicht groß drüber. Sonst kommen am Ende noch die Leute und fragen, wofür wir die ganzen Immobiliengewinne (siehe weiter unten) in Stiftungsfonds parken ...

Dafür werden im Zuge der Anpassung an die ökumenischen Vorgaben ebenso wie an die kritischen Einwände von allen Seiten die alten Glaubenssätze theologisch immer mehr verfeinert und notfalls als zeitbedingtes Denken ausgemustert, um weiterhin unangreifbar zu bleiben für Kritik aus dem inneren wie aus dem äußeren Umfeld. Dabei, so stellt F.-C. Schlangen fest, ist die neue Masche die der 'evolutiven' Entwicklung des Heiligen Geistes. In Bezug auf Fehlurteile, Missstände und andere kirchliche Unsinnigkeiten bedeutet dies:  "... es war ja nicht gelogen, es war zwar auch nicht völlig richtig, aber die Apostel haben nach rechtem Treu und Glauben gehandelt, die haben wahrheitsgmäß gepredigt. Der damals noch kleine Heilige Geist hat denen eben nur einen Teil gezeigt, aber was er gezeigt hat, war die Wahrheit!"

Diese Art der 'Geschichtsaufarbeitung' kennen wir aus der unmittelbaren Nachkriegsgeschichte ebenso wie aus der Zeit der Wiedervereinigung. Staatliches und damit menschliches Unrecht wurde verschwie-gen, wo immer es ging, und wo es nicht ging, wurde es als zeitbedingtes Problem abgetan, das gar nicht anders zu lösen gewesen wäre. Nicht einmal die Jugend - von ihren Funktionären gerne als die Zukunft des Werkes Gottes apostrophiert - bleibt davon ausgeschlossen. Und vor diesem Hintergrund ist der erdrutschartige Mitgliederschwund - der weiß Gott nichts mit demographischem Wandel zu tun hat, wie F.-C. Schlangen hier deutlich macht - einfach nur logisch und konsequent; auch wenn er von der Kirchenleitung nie zugegeben werden wird ...

Dass man mit dieser zwar heimlichen, aber umso fundamentaleren Änderung der Glaubenslehre Ängste züchtet und Vertrauensverlust vor allem bei jenen bewirkt, für die die neuapostolische Apostel-lehre unmittelbar vom Heiligen Geist geboren worden war, ist quasi programmiert. Man stelle sich vor: Ein langes Glaubens- und Menschenleben wurde die Garantie der Heimholung durch die Unmittelbar-keit der Naherwartung in die begierig aufsaugende Seele gepredigt. Mit ihr wurden Lebensängste gläubig in die Hand der Apostel gelegt in der intensiven Hoffnung, nicht mehr 'entkleidet' (den irdischen Tod erleiden zu müssen), sondern 'überkleidet' (sich am Tag des Herrn in den Himmel aufgenommen zu sehen) zu werden. Und dann kommen für jeden die erschütternden Anzeichen der körperlichen und auch des geistigen Zerfalls, vielleicht der endlosen Schmerzen und ganz am Ende steht die Einsicht, dass man einem Hirngespinst nachgelaufen ist. Allein im persönlichen Umfeld von meiner Frau und mir haben wir das zigfach erleben müssen und standen jeweils zutiefst erschüttert am Sterbebett, ohne auch nur den geringsten Trost schenken zu können. Das ist seelischer Missbrauch und gleichzeitig spirituelle Manipulation vom schrecklichsten, was sich ein Mensch vorstellen kann: ein zerbrochenes Glaubensgebäude ohne Hoffnung auf Hilfe ...

Aber dies scheint die Apostelclique einen feuchten Dreck zu scheren, denn darüber wird geflissentlich hinweggegangen, ohne zu erkennen, das diese spirituelle Manipulation und ihre schrecklichen Aus-wirkungen letztlich Folgen haben würde - wie man alleine an dem erdrutschartigen Mitgliederverlust spürt und sieht. Leider wird der autoritär-kindhafte Glauben der Mitglieder aber nicht nur spirituell, sondern über einen immer noch fest verankerten Opfer-Segens-Automatismus auch  finanziell ausge- beutete.  

 

9. Das finanzielle Manipulationsinstrumentarium  

Neben diesen theologischen Irr-tümern und sozialpsychologischen Manipulationsversuchen zur schlei-chenden (und als heilsnotwendig verkauften) Herrschaft über die Mitglieder gibt es aber auch Mani-pulation im großen Stil im finan-ziellen Bereich. Konnte man zu Anfang der Glaubensgemeinschaft noch halbwegs davon ausgehen, dass die Geldopfer dem Aufbau der Organisation dienten, muss spätestens seit der Einführung der Managergehälter für die bezahlten Kirchenführer durch Stamm-apostel Richard Fehr konstatiert werden, dass auch die neuapostolische Kirche dem kapitalistischen Profitstreben erlegen ist und über die alte (wenn auch mittlerweile gut maskierte) Masche der Segens-schiene (nur wer normgerecht opfert hat Segen) mittlerweile Spenden einfordert, welche die Organi-sation einerseits längst nicht mehr nötig hätte und an welchen sich ihre Führer andererseits gleich einem Selbstbedienungsladen ausgiebigst bedienen. Wenn die Mitglieder schon so dumm sind und wider besseres Wissen immer noch meinen, den "Zehnten an Gott" abgeben zu müssen, dann wollen wir als die Sektenführer diesem Irrglauben nicht im Wege stehen.

Gleichzeitig werden Kirchen, die unter teilweiser Mitarbeit von Mitgliedern erstellt und ansonsten ohnehin von deren Spenden gebaut wurden, nach Bedarf geschlossen und nach Beschluss der jeweiligen Landesversammlung meistbietend verkauft. Dies geschieht ohne jegliche Anhörung  oder gar Mitspracherecht der Mitglieder und ohne jeden finanziellen Ausgleich - die Mitglieder haben keinerlei Anrecht an ihren Kirchen (siehe Internationale Statuten der NAKI, Artikel 5.5). Auch andere Sekten, wie z.B. die "Zeugen Jehova" (ab Min. 9:30), arbeiten mittlerweile nach dem Muster der Kapital-schöpfung durch einträgliche Immobiliengeschäfte. Wenn Organisationen von Zinsgewinnen leben und zunehmende Renditen anhäufen, aber gleichzeitig  als anerkannte Religionsgemeinschaften und Kör-perschaften des öffentlichen Rechts ein ganzes Bündel an Privilegien genießen, stellt sich schon die Frage nach der Glaubwürdigkeit ihres Anspruchs, Werk Gottes (im Fall der NAK) oder Organisation Gottes (im Fall der Zeugen Jehova) zu sein. 

Beispiele für Privilegien für K.d.ö.R.:

  • Tragen das Siegel der Spendenwürdigkeit 
  • Unterliegen nicht der Energiesparverordnung,

Sie sind befreit von:

  • der Grundsteuer
  • der Körperschaftssteuer,
  • der Erbschaftssteuer,
  • der Umsatzsteuer,  
Entwicklung der Einnahmen/Ausgaben der NAK-Süddeutschland von 2007-2016
Entwicklung der Einnahmen/Ausgaben der NAK-Süddeutschland von 2007-2016

Während so durch zahllose Gemeindeschlie-ßungen mit nachfolgendem Handel von Immo-bilienwerten bei gleichzeitig immer niedrigeren Ausgaben (nur noch zwei Drittel Kirchenbe-stand und Abbau der bezahlten Kirchenfunk-tionäre usw.) und nur minimal geringerem Spendenaufkommen die Rendite boomt, häuft sich das Vermögen der NAKI Jahr für Jahr in Millionenhöhe. Man beachte in der Grafik die steigenden Einnahmen ab 2013, die trotz heftigsten Mitgliederschwundes - in diesen drei Jahren wurden ca. 100 Gemeinden geschlossen (weswegen auch die Ausgabekurve tendenziell nach unten geht) - von ca. 50 Mio. auf ca. 60 Mio. Euro stiegen, und es wird schlagartige klar, was da wirklich läuft. Leider unterliegt die Grafik - und dies ist mit Sicherheit gewollt - durch den gewählten Vergleichs-ausschnitt der manipulierenden Verzerrung, sodass die wahre Dramatik dieser Finanzstrategie über-haupt nicht zum Ausdruck kommt. In dieser müsste die linke Summenangabe in Euro nämlich ihrem wahren Steigungsverhältnis entsprechen. Erst dann würde man wirklich sehen, dass ausgehend von 50 Mio. ein Anstieg um 10 Mio (auf 60 Mio) eine Erhöhung um 20 Prozent entspricht - die Grafikkurve müsste also steil nach oben weisen. Dass sie das nicht tut, ist mit Sicherheit kein Zufall. In jedem verschleiernden Finanzsystem werden so die eigentlichen Fakten durch optisches Täuschen geschickt verschleiert.

Dieses an Scientology angelehnte NAK-Finanzierungsgebaren - also die Art und Weise, wie mit Spen-dengeldern (NAK-intern: Opfer/Scherflein der Witwe usw.) der gläubigen Mitglieder umgegangen wird und wie daraus Milliarden für die bezahlte Oberschicht dieser Kirche geschaffen wurden - wurde von Dieter Kastl in zahlreichen Artikeln belegt. Zu diesem Skandal gehören u.a. jene zahllosen Einzel-fälle, die in nachfolgenden Bildern angeklickt werden können. Etwas weiter darunter der dazu passen-de Jahresmotto-Kalender, der Aussagen darüber macht, wo die Spenden wirklich hingehen. 

Neuapostolischer Ablasshandel - oder wie aus einem Euro mühelos Hundert Euro werden ...

Was das Finanzgebaren so abscheulich und die Kirche so unermesslich reich macht, ist der angeblich bibli-sche Hinweis auf den Zehnten als notwendige Opfer-gabe für göttlichen Segen. In der NAK wurde dieser "Zehnte" immer als "10 Prozent vom Bruttolohn" verstanden; ob Kapitalrenditen auch in dieser Höhe zu veropfern sind, ist im Augenblick noch nicht eruiert, wäre aber nur logisch. Wie unbiblisch und unchristlich diese Vorstellung ist, hat Dieter Kastl hier und hier aufgezeigt. Wie sehr sich der Reichtum der Kirche damit exponentiell vermehrt - was überhaupt nicht notwendig wäre und nur den Kirchenfürsten dient ..., möge folgende kleine Beispielrechnung zeigen:

Mal angenommen in einer Gemeinde mit 100 aktiven Mitgliedern opfern 50 Prozent (Arbeitnehmer und Rentner) monatlich von ihrem Einkommen. Das Durchschnittsbruttoeinkommen/Jahr beträgt laut statist. Bundesamt ca. 40.000,- Euro. Dadurch würden der Kirche pro Spender 4.000,- Euro/Jahr geopfert werden. 50 (die angenommene Hälfte der Mitglieder) mal 4000 sind 200.000,- Euro im Jahr. Nehmen wir an, eine solche Kirche kostet inkl. Grund 300.000,- Euro, dann hätte diese Gemeinde "ihre" Kirche in 18 Monaten selbstständig erwirtschaftet - falls notwendig z.B. auch über ein zinsfreies Darlehen der Kirche). Danach gehen im Prinzip nur noch die laufenden Kosten weg. Da die Grundsteuer für Kirchen entfällt, sind das i.d.R. nur die üblichen Nebenkosten (Heizung, Strom, Wasser, Kamin + Abfall), da Reparaturen in den ersten 10 - 20 Jahren kaum anfallen werden. Diese Neben-kostenpauschale für eine Gemeinde dieser Größenordnung dürfte um die 1000,- Euro im Jahr liegen (wenn nicht geheizt wird wie im Altersheim) - ein vernachlässigbar kleiner Betrag bei 200.000,- Euro Opfereinnahmen im Jahr.

Dies bedeutet: Nach spätestens 2 Jahren wäre jede Gemeinde im Besitz ihrer eigenen Kirche und die Opfer-/Spenden-Maschine könnte, mangels weiterer Kosten, auf 0,1 Prozent vom Bruttoverdienst heruntergefahren werden (statt 200.000,- Euro/Jahr nur noch 2000,- Euro). Daraus könnten dann immer noch ca. 1000,- Euro Überschuss als Rücklagen (für andere Aufwendungen der Gesamtkirche) gebildete werden. Bei 1000 Gemeinden hätte die Gesamtkirche damit Einnahmen in einer Höhe von ca. 1.000.000,- Euro jährlich. Würden dann BAP- und sonstige Versammlungen u.ä. nicht in sündteuren Nobelhotels, sondern in den hauseigenen Kirchen stattfinden und sich die Reisetätigkeit dank Internet-konferenzen u.ä. auf wenige Predigtreisen (und dies bitte ohne Entourage mit großartigen Sightseeing-ausflügen, Konzerten und Fünf-Sterne-Hotelsuiten etc. !!) verringern bei gleichzeitiger Verringerung der bezahlten hauptamtlichen Apostel, würden diese Einnahmen durchaus ausreichen für eine kleine Kirche wie die NAK.

Dies wiederum würde folgendes bedeuten: Während bei einem 10-prozentigen Brutto-Opfer ein Mit-glied im Durchschnitt 200.000,- Euro während eines Arbeitslebens von 50 Jahren an die Kirche spendet, betrüge die Opfergabe bei einem 0,1-prozentigen Brutto-Opfer in der gleichen Zeit pro Mitglied nur 2000,- Euro. Mit den restlichen 198.000,- Euro könnten die Mitglieder sich z.B. ein wunder-schönes Häuschen im Grünen o.ä. erwerben, ohne dass es gleichzeitig der Kirche an etwas fehlen würde.

Sicherlich, dabei gehen wir von sog. Durchschnittswerten aus, aber die Wahrscheinlichkeit, dass die reale neuapostolische Wirklichkeit, zumindest in den westlichen Industrieländern, eher deutlich darüber liegen dürfte, ist auch nicht von der Hand zu weisen. Ganz zu schweigen von den geldwerten Zuwendung neuapostolischer Firmenbosse, Unternehmensmanager (bei denen der Verdacht nahe-liegt, dass sie sich auf die eine oder andere Weise dadurch Amt oder andere Vorteile erkauften (untere Bilder anklicken) und zahlreiche andere Kirchen-Mäzen, die allemal im sechsstelligen Bereich liegen dürften und womöglich direkt und steuerfrei in die Stiftungsfonds der Bezirksapostel übergehen.  Eine Win-Win-Situation für alle Beteiligten - verlieren tut nur der Steuerzahler.

 

Geschäftsmodell Immobilienhandel   

Nicht zuletzt durch den dramatischen Mitgliederschwund begründet, ist das Ziel der NAKI, mittelfiristig unabhängig zu werden von Opfer- und anderen Spendeneinnahmen und nurmehr von der Substanz zu leben. Der Kirchenpräsident der NAK Deutschland-Süd beantwortete die Frage, was seine Kirche mit den Überschüssen mache so: "Wir bauen in der Kirche seit vielen Jahren ganz gezielt Vermögen auf – nicht um seiner selbst willen, sondern um den kirchlichen Aufgaben gerecht zu werden. Unser strategi-sches Ziel ist, genügend Kapital anzusammeln, so dass alle Ausgaben, ausgenommen Investitionen, aus den Erträgen bestritten werden könnten." (Quelle: SÜDINFO Nr. 14, 12/2012 )

Das ist leicht untertrieben, denn mittels steuerbefreiten Stiftungs-fonds häuft die NAK-Süd jährlich Millionen an Geldern für Zwecke an, die nicht nur gemeinnütziger Natur sind. Beispielsweise wer-den so gesondert ausgewiesene Spendengelder - es sollen laut Dieter Kastl mittlerweile Summen im zweistelligen Millionenbereich sein - steuerlich so geschickt ausgelagert, sodass die Kirche damit Investitionen tätigen kann, die unter normaler Bilanzierung voll zu versteuern gewesen wären. Damit stellt sich die Frage nach dem eigentlichen Zweck dieser Stiftung und der darin gehorteten Spendengelder?

Aber auch andere Gebietskirchen haben den Dreh raus und bereichern sich am lukrativen Immobilien-geschäfte, beispielsweise die NAK-West, in der über die hauseigene Immobilien GmbH Investitionen aus Zinserträgen geschaffen werden. Die NAK-Immobilien GmbH ist eine Tochter der NAK Service AG, die wiederum eine Tochter der NAK Nordrhein-Westfalen (K.d.ö.R.) ist. Sie wurde 2008 gegründet und hat ihre Bilanzsumme alleine in den ersten drei Jahren mehr als verzwanzigfacht (von 146.305,32 € auf 3.375.260.51 €). Auf die tatsächlichen Gewinne kann leider nicht zugegriffen werden. Da werden nicht nur ausgediente Kirchengrundstücke in städtischen Bestlagen verkauft, sondern die NAK baut selber renditeträchtige Gebäude (nicht selten mit Staatszuschüssen), aus denen sie hohe Mieteinnahmen und bei Verkauf immense Renditen erzielt. Ganz offensichtlich geht es hier nicht um Kapitalansammlung für kircheninterne Zwecke, sondern um Geldanhäufung, damit die Führungsriege der bezahlten NAK-Funktionäre in Saus und Braus leben kann. Gleichzeitig verkünden diejenigen, die den Rahm absahnen, dass der Herr bald kommen würde und die Gläubigen ihr Sinnen und Trachten doch größtmöglich von irdischen Dingen abwenden mögen.

Wer sich beispielsweise die Einnahmekurven der letzten Jahre ansieht, erkennt auch ohne veröffent-lichte Details: Trotz geschwundener Opfer- und Spendeneinnahmen erhöhten sich die Gesamtein-nahmen von 2013 auf 2016 um ca. 27 Prozent. Bei gleichgebliebenen Spendeneinnahmen würde dies (abzügl. aller sonstigen Faktoren) einer ungefähren Renditezunahme von ca. 40 Prozent entsprechen. Wenn man bedenkt, dass durch Gemeindeschließungen und damit verbunden Kirchen- und Grund-stücksverkäufen die laufenden Betriebs- und nicht zuletzt auch Personal- und Reisekosten in nahe-zu gleichem Maße sinken, wie die Erträge steigen, lässt sich erahnen, welche Summen hier angehäuft werden für Personal- und Pensionskosten. Und diese Gelder aus Zinserträgen werden schon seit über 50 Jahren angehäuft. Apostel Sepers wies in seinem großen CID-Interview darauf hin, dass bereits in den 1980er Jahren die Zinserträge so groß waren, dass damit jedes Jahr hunderte von Missionsreisen aller Apostel samt ihrer gigantischen Entourage (inkl. Sightseeing-Ausflüge und 5-Sterne-Hotels) mühe-los bezahlt werden konnten.

Diese dabei notwendigerweise entstehende und sich immer weiter potenzierende Rücklagenbildung - im Volksmund "Reichtumsanhäufung" - steht einerseits dem Wort Jesu diametral entgegen, nachdem Predigt und Mission umsonst zu geben seien, da man sie ja umsonst erhalten habe, zumal der Lohn dafür ohnehin ein himmlischer Lohn sein würde. Gleichzeitig steht sie aber auch dem Wort des eigenen Kirchenoberhaupts entgegen (rechtes Bild von F.-C. Schlangens Preisrätsel, siehe unten), welches besagt, dass wer reich ist in Jesus Christus, nicht mehr abhängig wäre vom Geld.

Hier kommt allerdings ein Stück weit jene altbekannte Interpretationbedürftigkeit ins Spiel, die uns aus kirchlichen Predigten noch im Ohr ist. Handelt es sich bei dem "Wir" im rechten Bild um einen Pluralis modestiae, der in der geweihten Instrumentalisierung christlicher Demut die Gläubigen miteinbezogen sieht, oder eher um einen Pluralis benevolentiae (auch Krankenschwesternplural genannt), mit dem Vertraulichkeit, u.U. sogar vermeintliche Augenhöhe suggeriert werden soll, oder gar um einen Pluralis maiestatis, zur Selbstbezeichnung der eigenen hoheitlichen Unabhängigkeit (inkl. aller damit verbun-denen Aussagen). Je nach gewählter Deutungsart bezieht sich das Wir der Geldunabhängigkeit in Christus dann entweder auf die Kirchenführung samt ihrer Mitglieder, oder auf den Chef der Kirche persönlich, oder aber nur auf die Gläubigen. Im letzteren Fall könnte man - je nach Situation bzw. Kontext - auch von einem Pluralis detractationis (Verarschungsplural) sprechen, frei nach dem Motto: Ätschibätsch, wir haben was, was du nicht hast ...

 

Immobiliengeschäfte lassen die Gehälter explodieren

Von der hier beschriebenen Reichtumsschöpfung profitieren freilich die allerwenigstens derer, die sich täglich für die neuapostolische Kirche aufopferungsvoll einbringen, Seelsorge betreiben, Krankenbe-suche machen, Gottesdienste halten usw., usw. - sie alle verrichten die gleiche Arbeit die ihre hoch-bezahlten Apostel auch verrichten!, nur eben ehrenamtlich. Kassiert wird nur auf höchster Ebene, nämlich dort, wo auch alle Entscheidungen getroffen werden: im Apostolat.

Nicht zufällig liegen mittlerweile auch die Jahresgehälter dieser Funktionäre im höheren sechsstelligen Bereich. Kein Wunder, schließlich sehen sie sich ja als unmittelbare Nachfolger der Urapostel, aller-dings unter geflissentlicher Ausblendung der jesuanischen Missionsauffassung: "Umsonst habt ihr's empfangen, umsonst sollt ihr's auch weitergeben" (Mt 20,8). Denn die frohe Botschaft von Heilung und Erlösung eignet sich nicht als käuflicher Artikel, am allerwenigsten als profitabler Luxusartikel, mit dem kapitalistisch Geschäfte zu machen sind. Wo solches doch versucht wird, wird früher oder später dafür die Quittung ausgestellt werden. Der erdrutschartige Mitgliederschwund ist nur der Anfang ...

Freilich, die hohen Herrschaften haben ihre Schäfchen im Trockenen. Wie profitabel damit indirekt Reichtümer geschaffen werden können, haben wir im Vorlaufenden (aber auch weiter unten) erfahren. Wie profitabel damit unmittelbar Geld verdient werden kann, das zeigen uns die Gehälter des neuapo-stolisch Apostolats im Vergleich mit ihren (diesbezüglich armen) aber dafür theologisch um so gebilde-teren katholischen Kollegen.

In beiden großen Kirchen in Deutschland werden die Rechte und Pflichten des Pfarrers (evangelisch auch Pfarrerinnen) durch das Kirchengesetz (auch Pfarrdienstrecht genannt) geregelt. Das Kirchen-gesetz orientiert sich dabei sehr nah am staatlichen Beamtenrecht, sowie an den Laufbahnen der Studienräte (hier). Auch das Kirchen- und Besoldungsgesetz der EKD orientiert sich an der Bundesbe-amtenbesoldung im staatlichen Bereich (BVG-EKD Teil 1 § 3.2). Insofern war es naheliegend, das Grundgehalt nach der Bundesbeamten-Besoldung anzugeben. 

 

Managergehälter für NAK-Apostolat

Leider können wir aufgrund der völligen Intransparenz der Finanzen der neuapostolischen Kirche keine genauen Gehälter für die neuapostolischen Apostel angeben (deshalb die Cirka-Angaben). Wir haben jedoch Steuer-ausweise aus den 1990er Jahren für die Schweizer Bezirks- und Stammapostel vorliegen sowie Gehaltsnach-weise für den Schweizer Bezirksapostel von 2015 (siehe u.a. hier). Diese Zahlen können wohl eins zu eins für Deutschland umgesetzt werden. Das ergibt dann folgendes Bild (im Vergleich zu den Amts-kollegen der röm.-kath. Kirche): 

Vergöttlichte Absahnementalität   

Zur Klarstellung: Was hier geldwert verglichen wird, sind Verdienste von Menschen wie sie unterschiedlicher kaum sein könnten. Hier aka-demisch hochgebildete und für den Kirchen-dienst geschulte Theologen, deren Besoldungs-kategorien ihren Hochschulabschluss widerspie-geln, auch wenn sich die Frage nach der bibli-schen Lohngerechtigkeit auch bei ihnen stellt. Dort Laienprediger, die keinerlei seelsorgerliche, geschweige denn bibelwissenschaftliche und theologische Kenntnisse für den Predigtdienst aufweisen und deren Predigtvorbereitung ein oder zwei Din-5-Seiten einer kirchlichen Vorgabe sind, die ebenfalls von Laien geschrieben wurde. Und doch werden aus dem Opferglauben der Mitglieder Summen für die eigene Lebensgestaltung entwendet, die schon in 'irdischen' Berufen nur für Kopf-schütteln sorgen würden. (siehe dazu auch den Jahreskalender 2019 am Ende des Teils 1)

Geradezu absurd wird das Bild, wenn wir diese Selbstbedienungsmentalität mit den hauseigenen Maß-stäben messen und nirgendwo kommt die grenzenlose Abgehobenheit und maßlose Übersteigerung des Apostelamtes deutlicher zur Geltung als in der Selbstbedienungsmentalität, mit der sie sich aus den Opfergeldern der Gläubigen als alleinige Führungskaste bedienen. Denn, das Gros der neuapo-stolischen Seelsorger (mehr als 99 Prozent), die im Prinzip die gleichen seelsorgerlichen und admini-strativen Tätigkeiten nur eben auf niederer Ebene verrichten, arbeitet für diese Kirche ehrenamtlich, also neben ihrem Beruf für den irdischen Lebensunterhalt. Vor allem die (Bezirks-)Vorsteher haben vergleichsweise ähnliche Tätigkeitsfelder, müssen dies aber nach Feierabend und am Wochenende vollbringen. Auch von ihnen wird erwartet, dass sie jederzeit Gewehr bei Fuß stehen - egal ob im gemeindlichen, übergemeindlichen oder im telefonischen Seelsorgedienst. Nicht wenige nehmen ihren Jahresurlaub, um auf Missionsreisen zu gehen und - als nicht zu unterschätzender Faktor - sie vernach-lässigen ihre familiären Pflichten für das "Werk Gottes". All dies tun sie unentgeltlich in ihrer Freizeit und für den geradezu sarkastisch anmutenden Dank, dass der liebe Gott sie dafür reichlich segnen würde. Im Grunde müssen sie sich ja grenzenlos veräppelt und hoffnungslos ausgenutzt vorkommen. Aber sie machen es ja "für den Herrn" und, wie es weiter so schön neuapostolisch heißt, "zahlen dabei großzügig auf ihr Ewigkeitskonto ein". Hier im tristen Erdendasein freilich stellen sich schon ein paar Fragen:

  1. Warum vertraut dann die Apostelclique nicht auch diesem Gott, dass er sie für ihre Arbeit im "Werk Gottes" genauso segnen würde, wobei rein irdische Tätigkeiten (z.B. Kirchenbauten oder Kirchenverwaltung etc.) durchaus vollamtlich zu entsprechend staatlichen Löhnen und Gehältern ausgelagert werden könnten??? Dazu braucht es keine himmlischen Apostel, sondern ganz irdische Fachleute, die von ihrer Sache etwas verstehen ...
  2. Warum müssen mit den Opfergeldern der Gläubigen höchstverzinsliche Anlagen erworben werden, wenn die Zinsen in erster Linie für persönliche Traumrenten der Apostel dienen einschließlich der Möglichkeit, sich in Seniorenresidenzen mit persönlichem Pflegedienst einzukaufen, während abertausende ihrer ehrenamtlichen Seelsorgekollegen dann oft nicht genügend Geld mehr hat, um ihren Kindern oder Enkeln eine Freude zu bereiten???
  3. Was berechtigt diese Berufsprediger, sich aus den Geldern, welche - so ihre apostolische Begründung - die Gläubigen Gott gegeben haben, mit Managerlöhnen zu bedienen???
  4. Und mit welcher Berechtigung werden Kirchen und Grundstücke, welche mit solchen Opfergeldern erstellt und gekauft wurden, abgerissen und meistbietend verkauft, nur um in ungeniertester Absahnementalität diese Managergehälter und -renten für alle Zukunft sicherzustellen???

Es bedarf keines augenfälligeren Beweises, welche wahren Motivatoren hier am Werk sind: Mit solchen Vorgaben verlieren Kirchenfunktionäre den letzten Rest von Glaub- und Vertrauenswürdigkeit. Hier geht es schon längst nicht mehr darum, für den Dienst am Menschen und für wahre Seelsorge ent-sprechend den eigenen Lebensbedürfnissen entlohnt zu werden. Hier geht es um Gier und um Reichtum und um die so geschaffene Sicherheit, auch im Alter herrlich und in Freuden leben zu können. Das ist und war nie der Auftrag Jesu, denn sein Reich und alle damit verbundenen Lebensvor-stellungen waren nicht von dieser Welt. Seine Lebensvorstellungen umfassten die Solidarität der Liebesethik, ein Mit-unters-Kreuz-Gehen mit den Armen und Entrechteten der jeweiligen menschlichen Gesellschaften, ein Kämpfen für Recht und Gerechtigkeit als Teil jenes Denkens, welches im Reiche Gottes vorherrschen würde; seine Lebensphilosophie war Dienen und Helfen - und dieses Dienen hat nichts mit Predigen im Gottesdienst zu tun, das für viele ohnehin zur Bühne ihrer Selbstdarstellungs-zwänge verkommen ist.

Auch die Kirche als Organisation braucht die Sicherheit solch ausschweifend kapitalistischer Geldanlagen nicht. Nicht zuletzt, weil sie auch keine Prunkpaläste als Kirchen braucht und keine 5-Sterne-Hotels als Absteige für Apostelbesuche. Es ist nur eine Generation her, dass neuapostolische Apostel zu ihren Gottesdienstbesuchen bei Geschwistern übernachteten oder in einem einer Kirche angegliederten Gästeraum. Wo das Abendmahl Sättigungsmahl für die Armen war, war auch der Predigtbesuch herzlich eingeladen. Für Schlafstätte und Nahrung war somit gesorgt. Und die Reisespe-sen könnten leicht aufgebracht werden von den Gemeinden.

Wie der Weg dahin aussehen könnte, das hat Johannes Hoffmann in seinem frei erhältlichen Buch "Meine Träume zu Kirchenfinanzen und Kirchenentwicklung in Deutschland" beschrieben. Dort beginnt Heil und Erlösung nicht erst im Reich Gottes, sondern im Hier und im Heute, denn dieses Reich Gottes wächst im Hier und im Heute und wird nicht im Jenseits übergestülpt oder als Hauptgewinn für blinden Glaubensgehorsam im Hochzeitssaal vergeben.


10. Der wahre Sachverhalt in Fragen der Ökumene

Gastmitgliedschaft in der ACK

Im April 2019 ist die Neuapostolische Kirche Gastmitglied in der Arbeitsgemeinschaft Christ-licher Kirchen Deutschland (ACK) geworden. Damit hat sich ihr Traum, dank ökumenischer Steigbügelhalter offiziell aus der Sektenecke rauszukommen, wider Erwarten und besseres Wissen nun doch erfüllt. (vgl. Florian Pfisterer: Jugendabend mit Apostel Volker Kühnle für die Jugend-gruppen Leonberg/Höfingen und Strohgäu, 20.04.2007. )

Das Problem ist jedoch: DIE neuapostolische Kirche gibt es gar nicht. Was es gibt, ist ein Verbund eigenständiger neuapostolischer Gebietskirchen e.V. in Deutschland, mit denen allen ein Gastmitglied-schaftsvertrag zu schließen wäre, da jede neuapostolische Gebietskirche rechtlich eine eigenständige Entität darstellt. Wie der freie Autor und Journalist Franz-Christian Schlangen zurecht herausgearbeitet hat, ist ein einzelner Mitgliedschaftsvertrag rechtlich gar nicht möglich. Der diesbezügliche Einwand der ACK, dass Kirche in erster Linie ein theologischer Begriff sei und dass sich die Frage, ob eine Gemeinschaft Kirche ist oder nicht, nicht danach bemesse, welche juristische Form sie habe, geht in der Frage von Mitgliedschaften ins Leere, denn Mitgliedschaft ist ein Begriff, der sich auf rechtlich einklag- und kündbare Gegebenheiten bezieht und sich somit nicht auf eine theologische, sondern nur auf eine juristische Einheit beziehen kann.

Das zeigt sich spätestens dann, wenn eine der neuapostolischen Gebietskirchen die Mitgliedschaft in der ACK zu kündigen wünsche, dies aber nicht kann, weil sie gar keinen eigenständigen und nur sie betreffenden Mitgliedschaftsvertrag mit der ACK abgeschlossen hat. Ganz zu schweigen davon, dass die eine oder die andere Seite den mit einem Mitgliedschaftsvertrag verbundenen Rechten und Pflichten nicht nachkommt, wodurch eine einklagbare Situation entstehen würde.

Rechtlich gesehen ist nämlich jegliche Aufnahme in einen Verein ein Vertrag zwischen dem Aufnahme-suchenden und der jeweiligen Aufnahmeorganisation. Der Aufnahmeantrag ist damit ein Angebot an eine aufnehmende Organisation, einen solchen Vertrag zu schließen. Dieses Angebot muss so konkret sein, dass die aufnehmende Organisation es durch ein simples „Ja“ annehmen kann. In diesem Zusammenhang muss der Vorstand der aufnehmenden Organisation wissen, wer genau in sie aufgenommen werden möchte. Daher müssen mindestens folgende Dinge aus dem Aufnahmeantrag klar hervorgehen:

  • Name und Anschrift des Bewerbers,
  • Geburtsdatum (um zu prüfen, ob die Zustimmung der Eltern erforderlich ist),
  • Name und Adresse des Vereins,
  • Wille, in den Verein aufgenommen zu werden.

Es dürfte im Fall der Aufnahme der neuapostolische Kirche interessant sein, diese Daten im Einzelnen zu überprüfen und ggfs. hinsichtlich ihres Aufnahmestatuses ebenso wie in Bezug auf die Rechte und Pflichten, die aus einem solchen Aufnahmeantrag entstehen, rechtlichen abzuklären. Ganz zu schweigen davon, dass es eigentlich eher die Aufgabe christlicher Ökumene sein sollte ... 

Und wie sieht dieser Heilige Rest den Wunsch nach einer Kirche für Viele? Dieter Kastl zitiert aus den neuen „Leitlinien zur Gestaltung und Förderung des ökumenischen Miteinanders“ der NAK-Süd und kommentiert diese:

"Trotz vieler Gemeinsamkeiten bestehen wechselseitig noch Anfragen. Es geht insbesondere um das Verständnis vom geistlichen Amt. Damit verbunden sind auch Fragen zur Wassertaufe und Geistes-spendung sowie Fragen zur Eschatologie. Aus diesen Gründen besteht Einvernehmen mit unseren ökumenischen Gesprächspartnern, dass wir uns an gemeinsamen, ökumenischen Gottesdiensten nur eingeschränkt beteiligen. Es erfolgen weiterhin keine Predigtbeiträge und keine gemeinsamen Sakra-ments- und Segenshandlungen, d.h. keine gemeinsamen Abendmahlsfeiern oder Taufhandlungen sowie keine gemeinsamen Segensspendungen bei Trauungen oder Trauerfeiern. Da der Begriff „Gottesdienst“ nach unserem Verständnis eine feste liturgische Form hat und die Vollzüge unseren Amtsträgern vorbehalten sind, sind gemeinsame Gottesdienste nicht möglich. In unseren Kirchen-gebäuden können aber gemeinsame Andachten oder Gebete (unter unserer Leitung) ohne liturgische Form erfolgen."

Aus diesen Worten geht klar und unzweideutig hervor, dass es für die neuapostolische Kirchenleitung nicht nur Kirche im Vollsinn ausschließlich innerhalb der neuapostolischen Kirche geben kann, sondern Kirche überhaupt. Denn Kirche, die in den Augen neuapostolischer Apostel nicht predigen darf, die keine Segenshandlungen (z.B. zur Taufe, zum Ehebund usw.) durchführen, keine Sterbesakramente erteilen, ja nicht einmal Abendmahl feiern kann und darf, was hat diese noch mit einer Kirche gemein? Und wenn sich der süddeutsche Kirchenpräsident Michael Ehrich dann auch noch scheinheilig auf die liturgische Form hinausredet, dann hat er noch nicht einmal kapiert, dass Gottes Wort und göttlicher Segen usw. an keinerlei menschliche Form gebunden werden kann - auch nicht an Kirche oder Gottes-dienst. Und schon gar nicht an das so hochgelobte und für unverzichtbar gehaltene Apostelamt. Denn dieses kann und will diesen Segen außerhalb seiner Zuständigkeit nicht fördern, sondern verhindern. Das sollte den ökumenischen Partnern bewusst gemacht werden. Ebenso bewusst gemacht werden sollte sowohl den Partnern der Ökumene als auch der neuapostolischen Führung, was der Theologe Barrett in die vielsagenden Worte kleidet: "Das Wesen der Kirche ist missionarisch, nicht apostolisch, denn der Kirche als Ganzes gilt der Sendungsauftrag Jesu", der übrigens keinerlei Amt beinhaltet, son-dern nur Verkündigung der Lebensphilosophie Jesu.

Dass der NAK jetzt die Aufnahme als Gast in die ACK gelungen ist, trotz all ihrer Amtseitelkeiten und Amtsherrlichkeiten, ihrer nach wie vor hoch erhobenen, exklusiven endzeitlichen Erlösungsvollmacht samt aller damit verbundenen exklusiven Heilsgarantien (was unter den Landeskirchen Jahrzehnte lang als dezidiertes Sektenmerkmal gehandelt wurde) und nicht zuletzt ihrer sakramentalen Alleinherrschaft in Fragen von Sündenvergebung, rechter Eucharistiefeier, Geistspendung oder Amtsvollmachten usw. , hat andere Gründe. Und diese liegen mit Sicherheit nicht im neuen Wording der NAK, demgemäß beispielsweise die Teilnahme an der Ersten Auferstehung kein exklusives, sondern nur ein vorwegge-nommenes Heil sei (Apostel J. Steinbrenner am IJT 2019). Das klingt ungefähr so, als würde ein Staats-mann sagen: Die Teilnahme am G10-Gipfel ist kein exklusives, sondern nur ein Einladung bedingtes Privileg. Selbst die ahnungslosesten Ökumeniker würden bei derartig naiven Ausflüchten sofort nach-haken mit der Feststellung, dass auch ein vorweggenommenes Heil eben weggenommen, also nicht mehr für andere vorhanden wäre. Und dabei spielt es überhaupt keine Rolle, ob es sich um Teil eines Gesamtheils handelt oder um ein eigenständiges Heil, denn ein Heil, das vom anderen durch ein end-zeitliches Grauen mit allen nur denkbaren Gräueln getrennt ist, verliert an durchschlagender Heils-haftigkeit. So wenig sich eine lebensrettende Maßnahme bei Versagen noch einmal nachholen lässt, so wenig lässt sich mit einem Heil anfangen, dessen Voraussetzung - und genau darum geht es - ein irdisches Abschlachten beinhaltet.

Nein, die Gründe liegen weiter zurück und wurden u.a. von ökumenischen Theologen selbst geliefert. So beispielsweise von Dr. Hemminger von der Evangelischen Zentrale für Weltanschauungsfragen (EZW), der 2002 quasi wohl einen der besten Ausflüchte quasi auf dem Silbertablett präsentierte. In der Frage, ob der Heilige Geist auch außerhalb der NAK wirken würde - laut NAK-Glaubensbekenntnis wirkt er nur dort, wo NAK-Apostel tätig sind - riet Hemminger in einem Interview mit dem Glaubens-kulturbetreiber Michael Koch der NAK doch in ihrem zukünftigen Katechismus z.B. die Formulierung zu wählen: "Der Geist Gottes wirkt auch in anderen christlichen Gemeinschaften und Kirchen nach deren Geschichte und Glauben. Dann", so Hemminger weiter, "bräuchte sie u.U. nicht einmal viel an ihrem Glaubensbekenntnis zu ändern."

Mit diesem ebenso unbedachten wie ahnungslosen Vorschlag - ahnungslos, was die wahre Sekten-politik der NAK betrifft - hat sich die Ökumene selbst entmachtet und den NAK-Aposteln die für sie einfachste Lösung quasi als Gastgeschenk auf den Tisch serviert. Denn mit dem Hinweis, dass der Geist Gottes weht, wohin er will, können die Apostel nach außen so tun, als ob sie die anderen Kirchen als Kirche anerkennen (was, wie oben gezeigt, de facto nicht der Fall ist), während sie nach innen weiterhin ungeniert ihre alte Sektensicht zu Geltung bringen, nach der der göttliche Geist nur im Apostelamt wirken, zumindest jedoch voll umfänglich zu Wirkung gebracht werden würde. Und was die anderen glauben, war dem Apostelamt schon immer egal. Seit Bestehen der NAK bestand die Ansicht der NAK-Führung, dass die anderen GLAUBEN können, was sie wollten. Entscheidend für die NAK sei, dass deren Apostel WISSEN, was sie glauben. Mit dieser Doppelzüngigkeit haben sie die ökumenische Gastmitgliedschaft erobert, ohne von ihrem hohen Ross herunter und an Amtsmacht und -status Einbußen hinnehmen zu müssen. Dafür sehen sie sich jetzt nicht nur von Gott, sondern auch von der Ökumene legitimiert. Ihr Schachzug ist aufgegangen und es ist ihnen nicht einmal schwer gemacht worden.

Fazit: Die Eintrittskarte für die Ökumene ist gelöst, denn u.a. dank Hemmingers unbedachtem Ent-gegenkommen, müssen sich die ökumenischen Vertreter nun damit begnügen, dass sie in den Augen neuapostolischer Geistesführer zwar zur Kirche Christi zählen - vormals war dieser Begriff alleine der NAK vorbehalten -, aber dass sich die NAK geschickt eine Hintertür namens "Werk Gottes" offengehal-ten hat, durch die sie stolz und aufrechten Hauptes als alleiniges Erlösungswerk Gottes den Logenplatz unter allen Kirchen einnimmt, der nur für echte Gotteskinder (also versiegelte NAK-Mitglieder) bestimmt ist und der - neben dem Platz an der Sonne (alles, was in der Offenbarung für die versiegel-ten und als würdig für die Hochzeit des Lammes erachteten Brautseelen an exklusivem Heil und finaler Erlösung, steht ...) - alleine garantiert, nicht ins göttliche Endgericht am Ende der Zeiten zu müssen. Nicht zufällig nahmen die NAK-Fürsten denn auch gleichzeitig die Kirche Christi - die ja nun nicht mehr alleine der NAK gilt - aus ihrem 5. Glaubensartikel, der die Amtsvollmachten der Kirche beschreibt. Hieß es 1992 dort noch:

"Ich glaube, daß sämtliche Ämter in der Kirche Christi nur von Aposteln erwählt und in ihr Amt eingesetzt werden und daß aus dem Apostelamt Christi sämtliche Gaben und Kräfte hervorgehen müssen, auf daß, mit ihnen ausgerüstet, die Gemeinde ein lesbarer Brief Christi werde",

heißt es im Katechismus von 2012 nun:

"Ich glaube, dass die von Gott für ein Amt Ausersehenen nur von Aposteln eingesetzt werden und dass aus dem Apostelamt Vollmacht, Segnung und Heiligung zu ihrem Dienst hervorgehen." 

Jetzt, wo die Kirche Christi alle christlichen Konfessionen umfasst (und nicht länger alleine die NAK), gibt es auch keine alleine auf die NAK bezogenen "Ämter der Kirche Christi" mehr, sondern für die NAK gilt nun: "die von Gott für ein Amt ausersehenen", - da sie ausschließlich von Aposteln eingesetzt werden können, womit dem neuapostolischen Drang nach christlicher Alleinstellung Genüge getan ist, da im Grunde alles so blieb, wie es vorher war, nur unter geänderter Nomenklatur. Dazu passt auch wieder die neuapostolische Abänderung des Apostolikums, wie F.-C. Schlangen in seinem Artikel vom 30. August aufzeigt.


11. Internationaler Jugendtag 2019

 

Vorlaufende Problematik    

Passend zu diesem wunderschönen Bildkalender mit seinen Apostelvorstellungen kommen an dieser Stelle auch die von Dieter Kastl erstellten alternativen Plakate für den Internationalen Jugendtag 2019. Dabei geht es darum, dass die Jugendlichen finanziell ziemlich ausgenommen werden für ein Ereignis (für jugendliche Leser: "Event"), für das die Kirche alleine zuständig wäre. Es wäre genug, wenn die Jugendlichen sich für das leibliche Wohl an Snack- oder Brotzeitständen, die ihre Waren ein wenig über dem Selbstkostenpreis anböten, mit dem Nötigsten selbst zu versorgen hätten. 

 

In anderen - religiösen wie säkularen - Jugendgruppierungen und -verbänden gilt bei der Jugendarbeit folgende Grundregel, um Jugendbeteiligung sinnvoll zu ermöglichen: 

  • altersangemessen, milieu- und geschlechtersensibel
  • niederschwellig und motivierend
  • zeitlich für die Jugendlichen überschaubar und erfahrbar angelegt
  • bezugnehmend auf das konkrete Lebensumfeld
  • transparent in den tatsächlichen Auswirkungen auf Entscheidungen
  • ausreichend mit finanziellen wie personellen Ressourcen ausgestattet
  • Perspektiven und Nachhaltigkeit für Anschlussprojekte/-initiativen bietend

Hier muss gerade im Umfeld von pompösen Veranstaltungen, wie der Internationale Jugendtag dies darstellt, nachgefragt werden, ob und inwieweit auch alle Jugendlichen erreicht wurden/werden. Ein Jugendtag bzw. Jugendtage sind Veranstaltungen, die von und mit der Jugend getragen werden. Das geistliche Element (Predigt) ist dabei nur eines von vielen Veranstaltungspunkten. Die eigene Erfahrung der vergangenen Jahrzehnte hat gezeigt, dass Jugendveranstaltungen, bei denen die Predigt im Mittelpunkt steht, nur von den wenigsten als zufriedenstellend empfunden wurden bzw. dass die Jugendlichen sich anderweitig mit jugendgerechter Kost versorgten. Auch und gerade im Rückblick auf die eigene Erfahrung der Jugendtage kristallisiert sich deutlich heraus: Das, was hängenblieb, war die Atmosphäre, welche die Jugendlichen selber schufen - Predigt & Co. waren meist schon auf der Heimreise vergessen.

 

Nachlese des IJT 2019  

Auch beim nun zu Ende gegangenen IJT 2019 wird dies nicht so viel anders sein, wiewohl man der Kirchenleitung attestieren muss, dass sie im Vergleich zu Jugendtagen des vergangenen Jahrhunderts dazugelernt hat. Es gab beim IJT 2019 (wie schon beim EJT 2009 oder beim IKT 2014) in der Tat sehr viel, was Jugend für Jugend gemacht oder veranstaltet hat. Hier kann und darf auch einmal ein großes Lob ausgesprochen werden. Gemessen an der neuen Freizügigkeit war die Jugend vergangener Jahrzehnte geradezu eingesperrt in dogmatischen Vorgaben und idiotischen Richtlinien (man durfte selbst bei größter Hitze nicht einmal das Sakko ausziehen etc.). Freilich, in Zeiten großen Mitglieder-schwundes ist auch den Hardlinern in der Kirchenleitung bewusst, dass Jugendtage im alten Stil die Jugend nur noch schneller aus der Kirche bringen würden. Insofern ist es (leider) wohl weniger die Einsicht in die Richtigkeit und Unabdingbarkeit von Freiheit und Eigenverantwortung als in die Notwendigkeit der Zeit, in der aus der Not eine Tugend gemacht werden musste ...

Die beiden Predigten am Himmelfahrtstag und der Gottesdienst des Stammapostels am Sonntag waren zwei Veranstaltung unter vielen, wenngleich natürlich für viele Jugendliche der Sonntagsgottes-dienst den Höhepunkt darstellt. Dagegen ist im Grunde auch nichts einzuwenden - es war eine kirchliche Veranstaltung und dazu gehört nun einmal der Gottesdienst. Nimmt man die Predigt des des Sonntagsdienstes wohlwollend zur Kenntnis, so bleiben wohl in erster Linie die Vorstellungen von Nächstenliebe als weitergegebener Gottesliebe in Erinnerung. Wie das aber konkret aussieht, wo der selbst bestgemeinten Menschenliebe die Grenzen eben dieses Menschseins aufgezeigt werden, wo ein Zuviel an Liebe auch schnell in Verhätschelung übergehen und damit ein Verwöhnsyndrom erzeugen kann, welches Egoisten und Narzissten züchtet, das und manches mehr wurde in der Predigt des Kirchenoberhaupts erst gar nicht thematisiert. Ebenso das Problem, dass Liebe mit Verständnis zu tun hat und Verständnis mit Verstand, sodass Liebe ohne Verstand eigentlich kaum möglich sein würde, hätte man sich in dieser Predigt noch näher erläutert gewünscht.

Auch die alte Volksweisheit, dass selbst der Frömmste nicht würde in Frieden leben könnten, wenn dies dem bösen Nachbarn nicht gefällt, ist ein Problem, das bis heute nach einer Lösung sucht - auch Jesus hat zu seiner Lebzeit keine diesbezügl. universal gültige Lösung vorgestellt. Diese und viele ande-re Dinge sind es, die den Alltag der Liebe ausmachen, in dem sich das schnell dahingesprochene Abstraktum 'Liebe' letztlich würde bewähren müssen. Wenn sich dann auf Seiten der Jugendlichen - auch wenn es Einzelfälle sein mögen - aber auch mal Enttäuschung breitmacht und die Defizite vielleicht auch einmal etwas drastisch beim Namen genannt werden (wie hier), dann folgt leider, leider wieder die alte typische Kirchenreaktion der Zensur, weil nicht sein kann, was nicht sein darf. Schade, denn daraus hätte man so viel mehr machen können ...

Wie sehr die neuapostolische Kirche sich trotz allen Veranstaltungsbrimboriums nicht vom Fleck bewegen kann, zeigte auch die ca. 1,5 Std. dauernde 'Podiums-Diskussion', die mit Diskussion so wenig zu tun hatte wie ein militärischer Morgenappell mit einem Sonnenbad. Zwar wurde das 'äußere Format' an die typischen Fernsehtalkrunden angepasst, aber Einwände und Gegenrede waren nicht erlaubt. So war es bestenfalls ein multiples Interview, welches - man ahnte es schon von weitem - letztlich hauptsächlich der Selbstdarstellung der Apostel und des Stammapostels dienen sollte. Das alles erinnerte streng an die gnadenlose Charakterisierung der üblichen Fernsehtalkshows als "öffentliche Bedürfnisanstalten zur Entleerung nichtssagender Sprechblasen" (Georg Schramm). Jedenfalls konnte man sich des Eindrucks nicht erwehren, dass Fragen oder gar Einwände, die das systemische Gefüge der Kirche oder die geistliche Hoheit des Gefragten auch nur ansatzweise in Frage stellen könnten, um jeden Preis zu vermeiden waren - auch den der Redlichkeit, Aufrichtigkeit und Wahrheit.

Dabei waren die Themenbereiche der Fragen gar nicht einmal so schlecht gewählt: "Wieviel Glauben braucht die Welt? Wieviel Gemeinde braucht der Glaube? Und wieviel Einheit braucht die Kirche? Antworten gab es auf dem Podiumsgespräch mit dem Stammapostel auf dem IJT – und die hängen sogar zusammen." Daraus hätte man durchaus einiges machen können, was aber bereits eine Modera-torin vorausgesetzt hätte, die zuallererst selber auf der Höhe der Thematik hätte sein müssen, um zweitens dann überall dort einhaken zu können, wo Antworten - bewusst oder unbewusst - die Proble-matik mehr verschleierten als zur Aufklärung beitrugen. Leider war das gute Mädchen damit aber offensichtlich überfordert oder Nachhaken bzw. in die Tiefe bohren war nicht erlaubt. Wie sonst ließe sich erklären, dass Einheit und Vielfalt sich nicht ausschließen müssen oder umgekehrt dass Glaube und Gemeinde nicht notwendigerweise zusammengehören müssen usw..

Mit der Unfähigkeit oder dem Verbot zusammenhängend, in kritische Tiefen vorzudringen, war die Tatsache, dass die wahrscheinlich handverlesenen oder anderweitig kontrollierten Fragen (auch die zum Ende hin unmittelbar aus dem Publikum per Handy nachgereichten Fragen waren mit Sicherheit kontrolliert bzw. aussortiert worden) erst gar keine Diskussion aufkommen ließen. Gerade deshalb wäre es unumgänglich notwendig gewesen, dass Frederike Gottschalk die Initiative ergriffen und die Antworten nicht per se mit einem artigen 'Vielen Dank lieber XY' einfach ad acta gelegt hätte. Von der professionellen Moderatorin und Redakteurin wäre eigentlich zu erwarten gewesen, dass sie mangel-hafte Antworten aufgreift und im Sinn der Fragestellung richtig stellt.

Vor allem, wenn der oberste Gralshüter der NAK wissentlich Aussagen macht, die mit der Realität nun weiß Gott nicht übereinstimmen. Beispielsweise wenn er behauptet, dass die Formen der Seelsorge oder die Ordination von Amtsträgern an die jeweilige Kultur oder Gemeindesituation gebunden wären, da, so Stap. Schneider"Das Amt nicht ohne Gemeinde geht, indem der Amtsträger in der Gemeinde auch an- und aufgenommen werden muss".  Auch wenn sie u.a. für die NAK Süddeutschland tätig ist, muss ihr die journalistische Freiheit eingeräumt werden, eine solche Antwort nicht unkommentiert durchgehen zu lassen. Wie so eine Diskussion und die dazu gehörige Moderation laufen könnte, sei beispielhaft hier aufgezeigt.

Stattdessen trug sie die Fragen nicht nur nahezu regungslos vor, sondern enthielt sich brav jeglichen  Kommentierens, obwohl eine ganze Reihe der Antworten ein an Genauigkeit, Praxistauglichkeit oder Glaubwürdigkeit orientiertes Nachhaken eigentlich dringend notwendig gemacht hätten. Da wurde beispielsweise von der Notwendigkeit gefaselt, das Evangelium quasi zu tabuisieren, um es selbst noch vor der kleinsten Veränderung einer neuen Deutung zu schützen, ohne dass auch nur einmal nach-gefragt worden wäre, was der Betreffende überhaupt unter Evangelium verstünde (geschweige denn, was er im Einzelfall vor Veränderung schützen wollte).

Viel lieber wird dann flott weiter schwadroniert, u.a., dass die Umsetzung des Evangeliums auf Gemeindeebene eigentlich doch jeden beträfe, mit anderen Worten, dass jeder für die gemeindliche Reinheit des gelebten Evangeliums Verantwortung zu übernehmen hätte. Wie dies dann allerdings in der Praxis aussehen sollte - vor allem im Fall von kontroversen Ansichten, einseitiger Bevormundung, Gemeindemobbing und anderen Streitigkeiten usw. - und welche 'Evangelien-Kompetenzen' dem einzelnen von der Kirchenleitung überhaupt eingeräumt werden würden, darüber schwieg des Apostels Höflichkeit. Trotzdem (oder vielleicht auch gerade deswegen) klatschten die meisten der Zuhörer artig Beifall, was man jetzt, je nach eigener Erfahrung, in die eine wie in die andere Richtung deuten mag ...

Eine weitere schweigsame Höflichkeit zeitigte die fast schon ketzerische Frage nach dem dramatischen Mitgliederschwund innerhalb der NAK. Darauf bezogen argumentierte der Stammapostel, dass er dies nicht überbewertet wissen wolle, da dies in erster Linie 'nur' Europa und Nordamerika beträfe, die ihrerseits aber nur wenige Prozent der neuapostolischen Gesamtmitglieder ausmachten. Die Statistiken der weltweiten Mitgliederentwicklung der letzten 20 Jahre sagen indes etwas ganz anderes aus, so z.B., dass der größte Rückgang in absoluten Zahlen in Afrika zu verzeichnen ist. Insofern stellt sich naturgemäß die Frage, ob der Stammapostel darüber nicht informiert ist oder ob er das gegen-über der weltweiten Jugend einfach ausgeblendet wissen wollte.

Auf die vielen Fragen aus dem Publikum, die sich letztlich auf die eine oder andere Weise mit der eigenen Selbstbespiegelung wie auch jene der neuapostolischen Kirche beschäftigten (wie würde man die NAK und ihren Glauben in fünf Wörtern zusammenfassen, Frage nach dem Lieblingsbibelwort, Amtsträger, die Zweifel an der Würdigkeit für ihr Amt haben, o.ä.), möchte ich aufgrund ihrer offensichtlichen Banalität hier nicht weiter eingehen. Ich hätte mehr Substanz und differenziertes Denken von den Jugendlichen erwartet.

Nachtrag:   

Wie durchaus intelligent und nachhaltig Jean-Luc Schneider in wichtigen Lebensfragen, wo es nicht um seine Kirche geht, argumentieren kann (z.B. hier) und wie viel er tatsächlich zu sagen hätte, kam in dieser 'Podiumsdiskussion' vor so vielen Jugendlichen so leider nur selten zum tragen. Schade - die Gelegenheit wäre da gewesen. Im Blick auf andere Kirchenführer scheint dies u.U. sogar ein epigene-tisches Problem zu sein ...

 

Manipulierte Bilder als Mittel zum Zweck ...

Anlässlich der modernen neuapostolischen Großveranstaltungen (Kirchentage, Jugendtage etc.) schreckt die Kirchenführung nicht davor zurück, mit gefälschten Bildern Stimmungen in der von ihnen gewünschte Richtung zu schüren oder einfach - und nicht weniger verwerflich - mittels solcher Bildretuschen Dinge vorzutäuschen, die in Wirklichkeit nicht so sind bzw. gar nicht existieren. Sie tut dies z.B., um ökumenisch gut dazustehen oder anderweitig zu zeigen, was für eine tolle Kirche man doch wäre etc. ...

Hier entsteht eine kleine Sammlung an dermaßen gefakten Bildern: Links das Original und rechts die Fälschung:

Originalbild ohne Werberetusche (recherchiert von D. Kastl)
Originalbild ohne Werberetusche (recherchiert von D. Kastl)
Werbung für den IJT 2019 (ausgemacht von F.-C. Schlangen)
Werbung für den IJT 2019 (ausgemacht von F.-C. Schlangen)

Wir sind noch auf der Suche nach dem Original, in dem die Afrikaner im Vordergrund mit Sicher-heit fehlen werden ...

Der Zeitgeist diktiert: Multi-Kulti ist angesagt ...
Der Zeitgeist diktiert: Multi-Kulti ist angesagt ...


12. Fazit: Der eigentliche Kern allen Übels

 

Wir haben im Vorlaufenden die unterschiedlichen Formen von Missbrauch und Manipulation kurz angerissen. Sie bezogen sich auf die leibliche, die spirituelle, die geistliche, die finanzielle und nicht zuletzt die ökumenische Ebene. Auf all diesen Ebenen wird von allen Kirchen und Religionsgemein-schaften mehr oder weniger Missbrauch getrieben, Manipulation ausgeübt, ökumenisches Gütesiegel erschlichen usw. und im Fall des Aufdeckens alles vertuscht oder beschönigt bzw. als menschliche Irrtümer und Schwächen relativiert. In Sondergemeinschaften und vor allem in Sekten erhöht sich dieser Manipulationsfaktor um ein mehrfaches, weil hier Sonderlehren heilsbestimmende Funktionen übernehmen, die mehr oder minder willkürlich an die Interessen der Sektenführung angepasst werden können und so unmittelbar manipulativen Charakter bekommen. Warum aber ist da so? Der Anspruch christlicher Lehre und jesuanischen Denkens ist doch ein ganz anderer ...

Eine der Ursachen liegt u.a. darin, dass Religion sich im Zuge der Kultur-Evolution vor Tausenden von Jahren als kulturell auskristallisierte und dem wachsenden Bewusstsein des Homo Sapiens angepasste Form der Religiosität (im Sinne der menschlichen Seinsfrage) entwickelt hatte und durch immer größer werdende gesellschaftliche Gruppen (im Zuge der Sesshaftwerdung des Menschen) den Keim der Insti-tutionalisierung und Klerikalisierung immer mehr wachsen und gedeihen ließ, während Religiosität dem Menschen von Geburt an eigen war - völlig ohne Organisation oder Institution. Religiosität als ur- menschliches Streben nach innerer Freiheit und Erlösung von jeder Form menschlicher Kontingenz, betrifft somit auch Atheisten und Agnostiker, wie Studien des "Advancing scientific understanding of 'unbelief' around the world" zeigen. Der Grund hierfür liegt u.a. in der missbräuchlichen Verwendung des Glaubensbegriffes, der einerseits die Grundlage für Religiosität bildet und als Beziehungs- und damit Vertrauensfaktor in eine höhere Macht in unserem Menschsein angelegt ist, während er andererseits missbräuchlich auch als Objekt für die unterschiedlichen Formen institutionalisierter Religion bzw. deren religiösen Inhalten fungiert. Wenn man aufgrund spiritueller Manipulation einmal von natürlichen Gegenreaktionen selbst zu Religiosität absieht, beziehen sich auch die Hauptursachen für Atheismus oder Agnostizismus nur auf Religion und nicht auf Religiosität, da es in diesen im Grunde nur um die Ablehnung oder das Fehlen des institutionell verwalteten Glaubens geht. Die viel tiefer liegende Natur des Menschen wird davon nicht wirklich berührt.

Religion ist somit eines von durchaus mehreren möglichen Ergebnissen dessen, wie Religiosität sich entwickeln kann sowie gesellschaftlich ausformen und weiterentwickeln würde. Erst von daher konnte letztlich der kath. Konzilstheologe Karl Rahner den Begriff vom 'anonymen Christentum' prägen, welches die göttliche Wahrnehmung als Urform der Religiosität in sich trägt - völlig ohne jede Form von Kirche oder Gemeinschaft. Jesus sprach in diesem Zusammenhang auch immer wieder den Glauben an, den er gerade bei den (religiös nicht institutionalisierten) Heiden vorgefunden hatte und der oft ehrlicher und aufrichtiger war als bei denen, die sich über das Einhalten von Ge- und Verboten als 'Volk Gottes' verstanden, aber kaum Glauben zeigten, sprich keinerlei wirkliche Gottesbeziehung kannten, sondern im Grunde in Formen erstarrt waren.

Interessant bei all diesen Blickwinkeln ist nun, dass es die meisten Formen von Manipulation und Missbrauch nicht in Formen von Religiosität, sondern nur in Formen institutionalisierter Religion geben kann. Nur dort, wo man sich im Besitz einer alleine gültigen und für immer geltenden Wahrheit wähnt und damit automatisch die Deutungshoheit der jeweiligen Glaubensinhalte an sich reißt, entsteht Herrschaftsdenken. Und erst jetzt können Missbrauch und Manipulation klammheimlich einziehen, weil nicht länger um Wahrheit und Verständnis für das Anderssein des Anderen gerungen werden muss und weil damit auch nicht länger die Gemeinsamkeit als treibende Kraft für Gemeinschaft im Vordergrund steht, sondern Hierarchie und Gehorsam.

Deren Manipulationspotenzial macht deutlich, wie sehr institutionalisierte Religion sich im Laufe der Jahrhunderte entfernt hatte von der Lebensphilosophie Jesu. Mit Sicherheit hätte er vor den manipu-lativen Gefahren, die sich aus einer Institution Kirche notwendigerweise ergeben würden, gewarnt oder wäre auf diese Gefahren auf die eine oder andere Art und Weise eingegangen - so wie er vor den manipulativen und heuchlerischen Mechanismen der institutionalisierten Religion seiner Zeit gewarnt hatte. Seine Lebens- und Glaubensphilosophie basierte aber auf ganz anderen Prämissen. Prämissen, die sich zwar durch religiöse Institutionalisierung für falsche Zwecke instrumentalisieren lassen würden, die aber auf ganz anderen Grundlagen basierten. Grundlagen, die außerhalb institutioneller Religion lagen, mithin also die Religiosität der Menschen allein ansprachen. Dies verhinderte jegliche Gefahr spiritueller Manipulation, weil jegliche Form menschlicher Mittlerschaft (und damit Machtusur-pation) fehlte. Ganz anders entwickelten sich die (meisten) Religionen und, im Christentum, ihre kirchlichen wie sonderkirchlichen Ableger.

Sie sind von ihrem Selbstverständnis her mittlerschaftlich und damit klerikal angelegt. D.h., sie sehen sich als notwendiges Bindeglied zwischen Gott und dem Glaubensvolk, was notwendigerweise eine eigene Kaste schuf: den sich unter göttlicher Vollmacht wähnenden Amtsklerus. Diese Notwendigkeit wird dadurch als begründet angesehen, dass sie aufgrund eines willkürlich selektierenden und insolierenden Bibelverständnisses (vgl. Band 1 zur NAK) glauben, göttliches Heil und eschatologische Erlösung im Namen und Auftrag Gottes vermitteln und verwalten zu müssen. Sie sind damit nicht länger mit der zeit- und situationsgerechten Verkündigung der frohen Botschaft beschäftigt bzw. sehen ihre Aufgabe nicht primär in der zeitnahen Verständlichmachung der Lebensphilosophie Jesu, sondern in der Verwaltung göttlicher Heilszusagen, deren Deutung und Vermittlung, aber auch deren Verwei-gerung oder Entzug sie sich kraft biblischer Einzelaussagen, die ebenfalls unter ihrer Deutungshoheit liegen, monopolistisch zu beaufsichtigen berufen fühlen.

In der neuapostolischen Kirche ist der Klerikalismus geschichtlich bedingt (Näheres hierzu siehe meinen Band 2 zur apostolischen Geschichte) besonders stark ausgeprägt. Nicht zufällig pochen die Apostel ständig auf den für sie (über)lebenswichtigen Tatbestand, die NAK sei eine 'Amtskirche' (vgl. auch das neue Amtsverständnis). Zum Ausdruck gebracht werden sollen damit grundsätzlich zwei Dinge:

  1. Ekklesiologisch: Anders als in den protestantischen Kirchen gibt es in der NAK kein 'allgemeines Priestertum', und dies trotz - oder wahrscheinlicher sogar gerade wegen - der Tatsache, dass die Amtsträger der NAK keinerlei geistliche Ausbildung aufweisen, sondern allesamt Laien sind.
  2. Theologisch: Anstatt Spiritualität als die treibende Kraft des Amtes zu verstehen, versteht sich das Amt als Kontrollinstanz für die Spiritualität. Nach neuapostolischer Vorstellung sind die Vollmachten des Amtes ausschlaggebend für die Göttlichkeit der Aussagen und Anordnungen sowie die Wirksamkeit der Sakramente und nicht die geistige Verbindung des Einzelnen zu Gott ...

Genau dies sind die treibenden Kräfte für jede Form von Klerikalismus. Der Pastoraltheologe Rainer Bucher beantwortet die Frage, wo die Wertschätzung des Priestertums aufhöre und der Klerikalismus beginne so: "Klerikalismus beginnt, wo Priester primär an sich interessiert sind und nicht am Volk Gottes, zu dem sie gehören und für das sie da sind, dem gegenüber sie sich aber erhaben und überlegen zeigen. Entscheidend sind dabei nicht das Selbstverständnis oder die Selbstwahrnehmung der Priester, sondern die Erfahrungen, die andere mit ihnen machen." 

Und Papst Franziskus identifiziert Klerikalismus und geistlichen (wie körperlichen) Missbrauch als die zwei Seiten ein und derselben Medaille: "Der Klerikalismus, sei er nun von den Priestern selbst oder von den Laien gefördert, erzeugt eine Spaltung im Leib der Kirche, die dazu anstiftet und beiträgt, viele der Übel, die wir heute beklagen, weiterlaufen zu lassen. Zum Missbrauch Nein zu sagen, heißt zu jeder Form von Klerikalismus mit Nachdruck Nein zu sagen."

Damit wird klar: Jede Form von Klerikalismus bringt Kirche im Fall von Fehlern, Missbrauch, Manipula-tion, Amtsanmaßung, Vetternwirtschaft usw. in eine systemische Sackgasse. Einerseits kann nicht sein, was systemisch nicht sein darf. Wo Gott oder Gotteswerk draufsteht, haben Missbrauch und Manipu-lation keinen Platz. Und wer - völlig unabhängig seines Menschseins - als Botschafter an Gottes Statt auftritt, darf nicht des Irrtums oder gar vetternwirtschaftlicher Machenschaften (wenn nicht gar Schlimmeres) überführt werden. Ebenso: Wer sich Heil und Erlösung, Versöhnung und Barmherzigkeit aufs Glaubensschild schreibt, kann und darf diese Eigenschaften auch im Lebensalltag nicht vorent-halten bzw. andere in Kategorien von Drinnen und Draußen (Stap. J.-L. Schneider: "Wer das Erlösungs-werk oder das Apostelamt nicht anerkennt wird zum Feind")  einteilen.

Hier wie überall gilt: Je vergöttlichter Kirche und ihre Ämter und je mittlerschaftlich-autoritativ deren Anspruch, desto größer der Druck auf Irrtumsfreiheit, Unfehlbarkeit und vor allem Unbescholtenheit. Denn Letzteres führt notwendigerweise zu systemischer Vertuschung bzw. Verniedlichung selbst nachweislicher Missbrauchsfälle, einfach weil nicht sein kann, was nicht sein darf. Anders ausgedrückt: Je höher man fliegt bzw. je hochtrabender man daher kommt, desto tiefer fällt man, wenn's schief geht.

Andererseits liegen die Ursachen für manche Missstände nicht ausschließlich am System Kirche. Da es in vielen Fällen schwierig ist, die tatsächlichen Ursachen herauszufinden, ist es für Kirche am einfach-sten, erst einmal die Schuld von sich zu schieben und lieber an gesellschaftlichen Missständen (vom unbegrenzt materialistischen Konsum- und Freiheitsdenken bis hin zur sexuellen Revolution) o.ä. festzumachen. Da weichen dann z.B. kath. Geistliche der Frage nach evtl. zölibatären Ursachen von Kindesmissbrauch aus mit dem Hinweis, dass solcher auch in Kirchen vorkomme, wo verheiratete Priester ihr Werk verrichteten. Allein an diesem Beispiel wird deutlich, wie vielschichtig die Problematik ist und wie sehr sie auch mit individuellen Sozialisationsmustern der jeweiligen Täter und seiner "Auf-zucht" zusammenhängt.

Damit aber nicht genug. In Fall sonderkirchlicher Gemeinschaften und Sekten entwickeln sich Sonder-lehren, die vor allem für spirituelle Manipulation jeder Art offen sind. Interessant ist dabei, dass im Grunde nicht so sehr Missbrauch, sondern fast ausschließlich die spirituelle Manipulation, mithin das seelische Hintergangenwerden über den Glauben, zu wirklichem Religionsverdruss führen. Aus derarti-gen Mechanismen entstehen im Lauf der Zeit, wie im Fall der NAK auch, glaubensspezifische Sozialisie-rungsprozesse, die sich mit der Zeit verselbstständigen und zu eigenen Glaubensinhalten werden. Das, was Stap. Richard Fehr noch im Ruhestand mit 'Gebötlein' bezeichnete, die es zu überdenken gälte, waren letztlich Glaubenskonstrukte, ohne deren bedingungslose Annahme es keinen Zugang zum Reich Gottes geben konnte Nur wer die schiere Unzahl dieser ebenso unsinnigen wie sozial abträglichen Gebötlein beherzigte und damit ein echtes Gotteskind war, konnte davon ausgehen, am Tag des Herrn mitgenommen zu werden.

Kaum eine Generation später haben diese Gebötlein samt und sonders ihren verbindlichen Glaubens-charakter verloren und man/frau fragt sich, wie um alles in der Welt das möglich werden konnte. Was einst als göttlicher Wille mit höchstem Verbindlichkeitscharakter verpredigt worden war, wird nun zur zeitbedingten Randerscheinung erklärt, die bestenfalls gut gemeint war, aber keinerlei Heilcharakter hatte. Naturgemäß stellt sich irgendwann dann unweigerlich die Frage: Was ist mit den heilsbe-dingenden Geboten von heute? Werden die auch einmal nurmehr Randerscheinung sein in einem sich schnell weiterentwickelnden Glaubensleben einer ohnehin sterbenden Kirche?

Und vor allem: Was ist mit den systemischen Vorgaben, z.B. die alleine Männern vorbehaltene Amtsvollmacht oder die Deutungshoheit über die Glaubensinhalte? Werden die irgendwann (wenn die Zeit reif ist …) auch so mir nichts dir nichts im Nirwana zeitlicher Entwicklungen verschwinden können, wie die vielen Gebötlein einschließlich der einmals unverzichtbaren Sonntagnachmittags-Gottesdienste dies auch taten? Wenn und wo nicht, werden sich auch die Missstände nicht ändern, weil deren Ursachen nicht verschwinden. Warum ist das so?

  1. So lange eine systemische Notwendigkeit von Amt und Kirche (siehe ihre Selbstdefinition zu Beginn) besteht, ergibt sich daraus auch die Wahl zwischen zwei Übeln: Entweder das System schädigen zugunsten eines einzelnen Opfers (Opfer sind immer Einzelfälle ...) oder das System schützen zulasten eben dieses Opfers. Wer den so geglaubten göttlichen Charakter und damit das hohe moralische Gewicht des Systems einbezieht, wird unweigerlich die Schlussfolgerungen ziehen müssen, dass Kirche (alle Kirchen) sich im Grunde immer für die zweite Option ent-scheiden werden. Dies würde sich erst ändern, wenn und wo Kirche ihre traditionelle (und Jahrhunderte alte) Selbstdefinition aufzugeben bereit wäre und eingestehen könnte, dass ihr keine göttliche Mittlerschafts- und Heilsverwaltungsrolle zusteht (vgl. Scheinreform Amtsverständ-nis im Teil 2), sondern dass sie lediglich die frohe Botschaft weiterzugeben habe und dabei selber nur auf göttliche Hilfe bauen kann. Davon allerdings ist die NAK Lichtjahre entfernt, und dies vor allem, weil davon im Grunde ihre gesamte Existenz als einzigartiges Werk Gottes samt mittlerschaftlichem Amt betroffen wäre.
  2. Erst wenn klar und den betreffenden Gläubigen wie auch der kirchlichen Führung bewusst wird, dass jede Form menschlicher Mittlerschaft die Gläubigen nicht in erster Linie an Gott, sondern eben an die jeweiligen Mittler bindet und dass eine solche Bindung eben NICHT Gott bzw. Jesus in den Mittelpunkt stellt - auch wenn diese Mittler das vorgeben und u.U. auch wirklich wollen -, kann die Einsicht reifen, nach der die Lebensphilosophie Jesu - bekannt als die freimachende Botschaft des Evangeliums - alleine Weg, Wahrheit und ewiges Leben verspricht. Keine mensch-lichen Sakramente, keine klerikale Amtsmacht, kein Ordinations- oder Weiheritus mit Vollmachts-phantasien, und auch keine mittlerschaftlichen Handlungen, die allesamt nur geistige Ergüsse einer voraufklärerisch Götterwelt sind. Und nicht zuletzt, da Glauben gar nicht mittlerschaftlich verwaltet oder anderweitig instrumentalisiert werden kann, weil die Parameter des Glaubens jedem einzelnen Menschen alleine vorbehalten sind. Dies betrifft seine schöpfungs- wie schöpfer-bedingte Art zu glauben bzw. Vertrauen sich entwickeln zu lassen ebenso wie die Frage der Glaubwürdigkeit des Glaubensobjekts. Daraus folgt:

3. Erst wenn und wo Kirche (im Allgemeinen) und die NAK (im Besonderen) aufhören,

  • ... unter angeblich göttlicher Vollmacht mittlerschaftlich geführte Heils- und Erlösungsanstalt für betreutes Denken und geistlich verordnetes Glaubensbenimm zu spielen,
  • wenn sie endlich aufhören, feudalen Loyalitätsanspruch für ihre klerikalen Machthaber einzufordern,
  • wenn sie einsehen, dass nahezu 2000 Jahre Kirchenherrschaft verstanden als göttliche Stellvertretung auf Erden mehr Leid und Elend unter die Menschheit brachten als segensreiche geistige und irdische Weiterentwicklung,
  • wenn sie erkennen, dass jeder Mensch von Gott angenommen und geliebt ist - nicht nur mit, sondern trotz aller seiner Schwächen und Gebrechen (deren wahre Ursachen Gott alleine kennt ...) - völlig ohne jegliche konfessionellen Bekenntnisse oder sakramentale Riten (weshalb ihre Aufgabe nicht die der Verwaltung von Heil und Erlösung ist, sondern alleine die der Verkündigung dieser Gottestaten),
  • wenn also Gott alleine der Herr ist und bleibt, ...       

werden Glaubensgemeinschaften wie die NAK jene Glaubwürdigkeit erlangen, ohne welche sie keine Chance haben, zwischenmenschliche (geschweige denn die vielen anderen zeitgeistigen) Probleme zu lösen oder Missstände nachhaltig zu beheben. 

Und erst dann klingt Beethovens Ode  an die Freude mit dem Text von Friedrich Schiller wirklich frei:

Freude, schöner Götterfunken,

     Tochter aus Elisium,

Wir betreten feuertrunken,

     Himmlische, dein Heiligthum.

Deine Zauber binden wieder,

     Was Religionen stets getheilt,

Alle Menschen werden Brüder,

     Wo dein sanfter Flügel weilt.

 

 



Anzeige vom Januar 2019:

Der neue Jahresmotto-Kalender ist da ...

Dank der großartigen grafischen wie teilweise auch textlichen Umsetzungsleistung der freischaffenden NAK-Kritiker (Franz-Christian Schlangen/canities news und Dieter Kastl/naktalk) konnte das neuaposto-lische Jahresmotto-Kalendarium mit nun der Realität entsprechenden Bildaussagen rechtzeitig fertig-gestellt werden. Das hier vorgestellte Deckblatt - im Original ungefiltert - zeigt die BAV-Gemeinschaft im letzten Jahr (siehe nak.org). Auch der dazu gehörige Text entspringt dem offiziellen Stand des Heiligen Geistes von 2018.

Dieser Kalender ist alternativ zum NAK-Kalendendarium des jeweils monatlich modifizierten Jahres-mottos zu sehen, in dem neuapostolische Christen ihre Sicht des göttlichen Reichtums zum Ausdruck bringen. Der nachfolgend zitierte Kalender lässt nun die Bezirksapostel selber zu Wort kommen, indem er zeigt, von welchem Reichtum sie ausgehen.

Leider ist dieser in seiner Aufrichtigkeit geradezu einzigartige Kalender wegen der nicht erwarteten Nachfrage nicht mehr an den üblichen Geldannahmestellen der Neuapostolischen Kirche erhältlich. Wir werden uns jedoch bemühen, Restbestände dieses Unikats  demnächst bei eBay anzubieten.

Nachtrag 1:

Ein erster Kalender ist, wie Canities News mittlerweile mitteilt, schon bei eBay aufgetaucht. Auch wenn der Anbieter nur einen einzigen Kalender offeriert, ist nicht bekannt, ob von anderer Seite nicht weitere Angebote folgen - je nachdem, wie gut dieser erste Kalender weggeht. Es bleibt spannend, wieviel den Mitgliedern diese Alternative wert ist.

Nachtrag 2:

Mittlerweile gehen wir auf das Zehngebot zu (8 Gebote sind es schon), wodurch die Sache einen alttestamentarischen Charakter bekommt: 10 Gebote gab Gott der Herr seinem Knecht Mose für sein auserwähltes Volk Israel - mal sehen, wie viel Gebote Gott der Herr für seine höchsten Knechte abgibt bzw. wie viel sie ihm wert sind ...

Nachtrag 3:

Das göttliche Zehngebot wurde bei der eBay-Versteigerung tatsächlich erreicht - ein vielsagender Zufall oder göttliche Fügung ...? Vielleicht werden wir irgendwann auch noch den glücklichen Bieter ausfindig machen, um ihm gratulieren zu können.




Teil 2: Theologische und religionswissenschaftliche Artikel zur NAK    

Im Folgenden befasst sich diese Unterseite zur neuapostolischen Kirche mit den theologischen und religionswissenschaftlichen Widersprüchen dieser Glaubensgemeinschaft, wozu auch jene Aspekte gehören, welche ihre spezifische Sektenthematik ausmachen. Damit dient diese Seite sowohl der eigenen Aufarbeitung als auch als Warnung für all jene, die - noch drinnen oder mit dem Gedanken des Eintritts spielend - Gefahr laufen, sich mit pseudo-christlichen Halbwahrheiten einlullen zu lassen von Systemagenten, die mit Christentum, wie es Jesus vorgelebt hatte, sehr wenig am Hut haben. Dies lässt sich anhand zahlloser Beispiele einwand- und widerspruchsfrei nachweisen. Einige dieser Beispiele, vor allem solche, die sich mit der theologischen Seite befassen, werden in den nachfolgenden Artikeln beschrieben.

Der Standard im Netz in der Frage von NAK-Ausstiegshilfen
Der Standard im Netz in der Frage von NAK-Ausstiegshilfen

Dabei müssen wir freilich zunehmend die Lehränderungen im Auge behalten, deren Halbwertzeiten sich immer mehr verringern. Detlef Streich hat sich die Mühe gemacht, alleine die Änderungen der Lehre in der Amtszeit von Jean-Luc Schneider sukzessive zu dokumentieren und lexikalisch zu ordnen (siehe hier). Daraus wird u.a. ersichtlich, wie sehr die Funktionäre der neuapostolischen Kirche bemüht sind, ohne viel Aufhebens alte Lehren ad acta zu legen und durch neue, ökumenisch angepasste, zu ersetzen, ohne gleichzeitig das Apostelamt und damit ihre Macht und ihren Status in Frage zustellen. Das heißt: Lehränderungen - ja (so diese denn unumgänglich sind ...). Systemänderungen - nein, auf gar keinen Fall (Stap. J.-L. Schneider: "Wir werden die neuapostolische Kirche nicht auf den Kopf stellen").

Meine persönliche Sicht: Das wäre auch gar nicht nötig. Es würde schon reichen, wenn die traditionelle Bauch-, sprich Glaubenslastigkeit, zugunsten einer vernünftigen Kopf-, sprich Erkenntnislastigkeit, weichen dürfte. Denn auch Glaubenssätze brauchen Begründung, wollen sie nicht im luftleeren Raum offen sein, für jede noch so kindhafte Interpretation. Ein Glaube, der nicht trägt, lohnt auch nicht vorgetragen zu werden. Dies sollen die nachfolgenden Aufsätze und Artikel verdeutlichen.


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Scheinreform Amtsverständnis (Version 2.10/aktualisiert am 3. Aug. 2019)
Am Beispiel Amtreformen (neues Amtsverständnis) zeigt der Autor, was unter Reformen in der neuapostolischen Kirche wirklich zu verstehen ist.
Hier wird die Reform des Amtsverständnisses der neuapostolischen Kirche nach christlich-theologischen Kriterien hinterfragt und das Ergebnis ist vernichtend.
Der Beitrag stand früher in verkürzter Form weiter oben auf dieser Unterseite wurde aber im Zuge der weiterführenden NAK-Artikel zum neuen Amtsverständnis als eigener, ständige aktualisierter Artikel in den 2. Teil verschoben.
Scheinreform AmtsverständnisV2.pdf
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Eine neue Auferstehungsordnung ward geboren (Mai 2019)
Zum Pfingstfest des Jahres 2003 fand in der neuapostolischen Welt ein bedeutender eschatologischer Paradigmenwechsel statt. Ihr missionarisches Aushängeschild der "Ersten Auferstehung" wurde runderneuert.
Neue neuapostolische Auferstehungsordnun
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Eschatologische Realsatire (März 2019)
Die BAV hat im Herbst 2018 zum wiederholten Male versucht, den genauen Fahrplan nebst Freifahrtscheinen für die unmittelbare Zukunft des neuapostolischen Brautzugs festzumachen.
Eschatologischer Eiertanz.pdf
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Der ethische Haken, an der neuapostolischen Eschatologie (März 2019)
Exklusive Entrückung vor dem Verderben unter moral-ethischen Gesichtspunkten betrachtet
Aus Gnaden erwählt und zum Verderben ver
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Exklusivismus ist ökumenefeindlich, nicht jedoch Exklusivität

 

Hinter obigem Titel (bitte anklicken) verbirgt sich ein auf NakTalk veröffentlichter Gastbeitrag zum Thema der Ökumenefähigkeit der Neuapostolischen Kirche. Dabei geht es um die häufige Verwechslung zweier theologisch verwendeter Begriffe: Exklusivismus versus Exklusivi-tät. Sie ist nicht nur Stolperstein in der Frage von Ökumene und geschwisterlichem Miteinander, sondern bildet auch die Grundlage für ein aufgeklärtes christliches Wahrheitsverständnis, ohne welches Religion fundamentalisiert würde.

Während Exklusivität konfessionsspezifische Alleinstellungmerkmale in den Mittelpunkt stellt (z.B. Marienglaube, weibliche Priesterschaft, Apostelamt, Anzahl der Sakramente usw.), gibt Exklusivismus vor, im alleinigen Vollbesitz der Wahrheit zu sein und damit allein den Zugang zu göttlicher Erlösung und göttlichem Heil zu besitzen. Ursprung dieses Irrtums sind interessenbehaftet oder falsch interpre-tierte Bibelstellen, z.B. solche, nach denen Jesus einen einzigen Weg für Heil und Erlösung gelegt hätte. Dabei ging es ihm nicht um den Weg, sondern das Ziel. Mit anderen Worten: Er hatte keine Weg zum Ziel gelegt, sondern die Richtung auf das Ziel vorgegeben - nur solches macht auch Sinn, denn er konnte seine Verhältnisse und die sich aus ihnen stellende Anforderungen unmöglich als maßgebend für alle spätere Zeiten übertragen. Jeder Mensch muss nun aufgrund seiner zeit- und kulturbedingten Möglichkeiten und Fähigkeiten (oder Pfunden/Talenten wie Luther das übersetzt hatte) versuchen, diese Richtung in den Stürmen seines Lebens zu finden und bestmöglich beizubehalten - alles andere liegt ohnehin in Gottes Hand.


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Neuapostolische Apostolizität kritisch hinterfragt (Oktober 2016)
Einige Anmerkungen zu einem Vortrag des neuapostolischen Cheftheologen, Dr. Reinhard Kiefer, zur Thematik der neuapostolischen Apostolizitätsvorstellung
Neuapostolische Apostolizität.pdf
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Mangelnde Ursachenforschung zur gegenwärtigen Glaubenskrise (Oktober 2016)
Die Klage des neuapostolischen Kirchenoberhauptes über die zunehmende Säkularisierung und sein Appell zu regelmäßigerem Kirchgang als Voraussetzung für eine Beziehung zu Jesus Christus bedarf einer genaueren Betrachtung.
Mangelnde Ursachenforschung zur gegenwär
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Ökumenisches Reinheitssiegel trotz exklusiver Erwählung - Teil III (um Auszüge eines Leserbriefes aktualisiert am 26. 09. 2016)
Das neuapostolische Pendant zur katholischen Glaubenskongregation feilt an einer neu geschärften Kirchen- und Erwählungsdoktrin
Ökumenisches Reinheitssiegel trotz exklu
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Ökumenisches Reinheitssiegel trotz exklusiver Gotteskindschaft - Teil II (Schluss aktualisiert am 26. 07. 2016)
Wird die Ökumenetauglichkeit der Neuapostolischen Kirche an ihrer exklusiven Gotteskindschaft scheitern ...?
Ökumenisches Reinheitssiegel trotz exklu
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Ökumenisches Reinheitssiegel hat nichts mit aufgeklärter Vernunft und religiöser Wahrhaftigkeit zu tun - Teil I (15.06.16)
Die Neuapostolische Kirche scheint mit ihrer Taktik erfolgreich zu sein, sich das ökumenische Gütesiegel mit augenwischerischer Kirchendiplomatie zu erkaufen ...
Aufgeweichte ökumenische Bewertungsmaßst
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In Fragen des neuapostolischen Ökumeneverständnisses (05.04. 2015)
In seiner Berliner Predigt zum Gottesdienst für Verstorbene rückte Stap. J.-L- Schneider die Autorität des neuapostolisches Apostelamtes in den Mittelpunkt des jenseitigen und diesseitigen kirchliches Interesses. Dabei entwickelte er ganz bewusst diverse Feindbilder ...
Zum neuapostolischen Ökumeneverständnis.
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Kommentar zur EZW-Einschätzung der Ökumenetauglichkeit der NAK (24.03.2014)
Kai Funktschmidt, wissenschaftliches Mitglied der Evangelischen Zentrale für Weltanschauungsfragen (EZW), hat in seinem jüngsten Artikel der NAK grundsätzliche Ökumenetauglichkeit bescheinigt. Die nachstehenden Kommentare auf der verlinkten Website zeigen, warum dies ein Irrglaube ist.
Ökumenische Fehleinschätzung der Neuapos
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Aufarbeitung von Unrecht (24.03.2014)
Die Aufarbeitung von Unrecht setzt grundsätzliche Lebenseinstellungen voraus, ohne die Aufarbeitung und nachfolgend Versöhnung nicht möglich sind. Dieser Artikel beschreibt, wie es gehen kann.
Vorbild in der Aufarbeitung von Unrecht.
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Siehe zu obigem Aufsatz auch folgenden Vortrag


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Ein (neu)apostolischer Nichtangriffspakt (04. Dez. 2014)
Nach außen und auf dem Papier hat nach fast 60 Jahren endlich Versöhnung stattgefunden zwischen der Neuapostolischen Kirche und Teilen ihrer hinausgeworfenen Kinder. Aber der Mangel an Voraussetzungen, ohne welche Versöhnung gar nicht möglich ist, lässt andere Ursachen ins Blickfeld geraten.
Ein (neu)apostolischer Nichtangriffspakt
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Neuapostolische Kirche zwischen Botschaftsaufarbeitung und ACK-Beitritt (21.11.2013)
Brief mit Aufsatz zur Frage der Versöhnungsbereitschaft der Neuapostolischen Kirche, gesendet als Verteiler an:
Dr. Harald Lamprecht und Dr. Reinhard Hempelmann,
Dr. Hansjörg Hemminger,
Dr. Kai Funkschmidt,
Anette Kick, Pfarrerin
Verantwortliche der ACK Frankfurt,
Ap. Armin Groß (VAG),
Stap. Jean-Luc Schneider (NAK),
Peter Johanning (NAK),
Thomas Gandow (Sektenbeauftragter)
Vergebung und Versoehnung setzen sichtba
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Kommentar zur Einschätzung der NAK seitens der EZW
Rudolf Stiegelmeyr / 23.03.2014 
Es wäre müßig, Dr. Funkschmidts Kommentar nach Fehleinschätzungen zu analysieren hinsichtlich der Frage, was die NAK ist und was sie will bzw. warum sie dies will. Es möge genügen, darauf zu verweisen, dass der darin zum Tragen kommende Hauptirrtum bereits in der Ursachenfrage des Reformprozesses liegt (Punkt 2). So ist es mitnichten so, dass das Aufbrechen der gewollten Selbstisolierung der NAK aus ihr selber heraus entstand. Der Grund Richard Fehrs für eine begrenzte Öffnung lag in der in den 1980er Jahren nicht mehr zu verheimlichenden Erkenntnis, dass die eigene sektenhafte Führungs- und Glaubensverwaltungsmentalität weder zeitgemäß noch einer zunehmend mündiger werdenden Glaubensklientel noch vermittelbar war. Die durch das Vatikanum II auf religiöser und durch die 1968er Kulturrevolution auf säkularer Ebene ausgelöste Skepsis in großen Teilen vor allem der jüngeren Bevölkerung in Fragen autoritärer Führungsstruk-turen und intransparenter Herrschaftsallüren ließ die Akzeptanz neuapostolischen Denkens zunehmend schwinden. Dies hatte Richard Fehrs Vorgänger im Amt, Stammapostel Hans Urwyler, bereits zu Beginn der 1980er Jahre erkannt und darauf mit einer Reihe von (teilweise heftigen) innerkirchlichen Neuerungen reagiert.
Fehr setzte diesen Kurs weniger aus eigener Überzeugung als vielmehr aus der Erkenntnis heraus fort, dass eine Rückkehr in die sektiererischen Abschottungsstrategien der 1960er Jahre aus vielerlei Gründen nicht mehr möglich war. Ihm war zu dieser Zeit (Mitte der 1990er Jahre) noch nicht bewusst, welche medial umwälzenden Ereignisse durch das Aufkommen des Internet und der damit verbundenen und von unten erzwungenen Transparenz auf ihn und seine Kirche zukommen sollten. Einmal in Gang gekommen, ließen die kommunikativen Möglichkeiten des Internet und damit verbunden das immense Aufdeckungspotenzial der zahllosen Irrlehren und innerkirchlichen Missstände die NAK nicht mehr zur Ruhe kommen. Entgegen dem, was der Artikel mehr oder minder unterschwellig suggeriert und was EZW und ACK bis heute leider immer noch zu glauben scheinen, war die Kirchenführung in keiner der daraus entstehenden Entwicklungen der proaktive Handlungsträger, sondern immer nur der reaktive Handlungsgezwungene. Auch wenn die NAK-Kirchenführung dies ebenso naturgemäß wie systemisch blind bis heute leugnet – die Wahrheit ist erwiesenermaßen - in zahllosen Internetartikeln (siehe die Bilderlinks ganz oben) ebenso wie in Büchern - die, dass die Verantwortungsträger der NAK immer nur scheibchenweise das einge-standen bzw. zu verändern trachteten, was sich entweder nicht mehr länger leugnen ließ oder aber so offenkundig falsch war, dass ein weiteres Beharren ihrer Glaubwürdigkeit mehr geschadet hätte als ein Eingeständnis in die eigene Fehlerhaftigkeit. Man nennt dies im NAK-Neusprech "Lehr-schärfungen", was allerdings der tatsächlichen Wirklichkeit nicht immer gerecht wird. Denn Lehr-schärfungen sind nur die eine Seite. Sie ist zu trennen einerseits von Lehränderungen (z.B. die stammapostolische Schlüsselgewalt über die Jenseitsbereiche oder die inhaltliche Verschiebung der Exklusivität im Taufsakrament hinein in das Versiegelungssakrament usw.) und andererseits von dogmatischen Änderungen (z.B. das Dogma der Bischoff-Botschaft usw.). Im Gegensatz zu den Schärfungen wurden die Änderungen wenn überhaupt so nur bruchstückhaft dem Glaubensvolk mitgeteilt und schon gar nicht der Versuch unternommen, damit gleichzeitig den völlig unchristlichen Anspruch der apostolischen Irrtumslosigkeit aufzugeben - denn das wäre seit langem der erste notwendige Schritt zu einer Ökumenebereitschaft.
So kann im Zusammenhang mit den ständig hinterher hinkenden theologischen wie ekklesiolo-gischen Anpassungen an längst erkannte christliche Wirklichkeiten in keiner Weise von einem Reformprozess, geschweige denn von Ökumenefähigkeit gesprochen werden. Diese würden, neben Reformfähigkeit und -willigkeit, vor allem auch Offenheit und Kritikfähigkeit sowie Wahrheits-fähigkeit voraussetzen, alles Eigenschaften, die der NAK samt und sonders fehlen. Auch der neue Katechismus ist für den, der zwischen den Zeilen zu lesen gelernt hat und das Wording der NAK kennt, nur eine Verklausulierung der altbekannten Sektendenke, nach denen sich das Werk Gottes und alle damit verbunden Heilsexklusivismen und erlösungsorientierten Zukunftsgarantien dank des hauseigenen Apostolats ausschließlich in der NAK befinden, weshalb aus dieser Binnensicht das übrige Christentum zum Schrumpfchristentum herabgewürdigt wird. Daran rütteln auch die vielen schmeichelnden Ergebenheitsadressen und Reformbeteuerungen in Richtung der ökumenischen Dachverbände nichts. Um es in den Worten eines zeitgenössischen Philosophen zusagen: Solang das alte Gift von Drohbotschaft statt Frohbotschaft, von Exklusivismus statt Inklusivismus, von bedingungshaftem statt von universalem Heil, von autoritär-hierarchischem statt partnerschaft-lichem Miteinander usw. noch im Glaubensschrank steht, bestimmen in der Außenwahrnehmung lediglich die zeitlichen Verhältnisse bzw. kirchenpolitischen Machtkonstellationen und nicht reform-bedingt gewonnene Überzeugungen, ob (und ggfs. wann) das Gift wieder gesellschaftsfähig wird oder nicht. In der Binnenwahrnehmung steht ohnehin das exklusivistisch vertretene Alleinstellungs-merkmal der endzeitlichen Heimholung der hauseigenen Glaubenselite. Mit den Worten der amerik.-luther. Religionswissenschaftlerin Barbara Rossing aber bedeutet dies nichts anderes als: "Solange es Endzeitgemeinschaften gibt, die eine exklusive (oder gar heimliche) Entrückung zum Ziel ihres Glaubens machen, solange können und müssen solche Gemeinschaften als unchristliche Sekten angesprochen werden. Die traumatische Art der dadurch psychisch Geschädigten lässt keine andere Schlussfolgerung zu." 

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Leberstellungnahme zur Bischoff-Botschaft (geringfügig den jüngsten Entwicklungen angepasst im Juni 2013)
Kommentar zur Stellungnahme von Stap. W. Leber zur Botschaft, der das eigentliche Übel in den Mittelpunkt stellt.
Leberstellungnahme zur Botschaft.pdf
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Die Verteidigung der Botschaft des J.G. Bischoff (Dezember 2007)
Ehemals auf 'Mediasinres' veröffentlichter Fachaufsatz zur Thematik des neuapostolischen Botschaftsglaubens, der beispielhaft steht für den biblischen wie theologischen Aberglauben von Endzeitsekten
MIR-Botschaftsaufsatz.pdf
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NAK-Katechismus-Ära (in blau aktualisiert am 12. Mai 2013)
Der evangelische Kirchentag in Hamburg hat erste kritische Reaktionen zum neuen NAK-Katechismus laut werden lassen. Einige der wesentlichen Problemfelder kommen hier zur Sprache.
Die Katechismus-Ära der NAK.pdf
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Aus Gnaden erwählt ...? (aktualisiert Sept. 2012)
Auszug aus meinem gleichnamigen Standardwerk zur Neuapostolischen Kirche (Band 1)
Aus Gnaden erwählt.pdf
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Christliche Exklusivismen (Dez. 2010)
Gedanken zur viel diskutierten Thematik der Ökumeneunfähigkeit der Neuapostolischen Kirche auf CiD und Glaubenskultur, eine Unfähigkeit, die in unterschiedlicher Form und Intensität auch andere Glaubensgemeinschaften werden überwinden müssen.
Kap.4-Heilspartikularismen.pdf
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Beansprucht oder Beauftragt? (Oktober 2009)
Fachaufsatz von Roland Z. zur Frage der Legitimation des neuapostolischen Apostolats
Beansprucht+oder+Beaufragt.pdf
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Neuapostolische Heilsverständnisse (November 2007)
Ehemaliger MIR-Kommentar zu den Aussagen von Apostel Volker Kühnle in der Frage des neuapostolischen Heilsverständnisses und seiner Konsequenzen
Neuapostolische Heilsverständnisse.pdf
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Geburtsstunde der Neuapostolischen Kirche

 

Im Jahr 2013 veröffentlichte die Hessische Gebietskirche der NAK eine Geschichtsserie, welche das angeblich 150-jährige Bestehen der NAK propagiert und deren Geburtstag geschichtlich auf das Jahr 1863 datiert.

Dieser Auszug aus meinen zweiten Band "Aus Gnaden erwählt" dient der relativierenden Richtig-stellung dieses neuapostolischen 'Glaubens-' und konfessionellen 'Übernahmeanspruchs' - um nichts anderes handelt es sich. Leider konnten sich in der Kirchenleitung die Hardliner wieder mal durch-setzen und so wurde 2013 zum 150. Jubiläumsjahr der Kirche bestimmt - auch wenn die Fakten samt und sonders dagegen sprechen. (Näheres dazu in meinem zweiten Band "Aus Gnaden erwählt ...?")

 


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Und Gott der Herr sprach ...
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